Erkelenzer Börde: Rübenbauern in Zukunftssorgen sagt Bernhard Conzen, Präsident des Rheinischen Landwirtschaftsverbands

Sorgen in der Erkelenzer Börde: Ein großes Feld an Problemen

Die Rübenbauern der Erkelenzer Börde fordern die Bundespolitik auf, bei Finanzhilfen und Pflanzenschutzmitteln umzusteuern, um faire Verhältnisse in der EU zu erreichen. Die Rübe ist nicht ihr einziges Problem.

Die Erkelenzer Börde als Rübenland – das könnte bald Geschichte sein. Davor warnt Bernhard Conzen, Vorsitzender der Kreisbauernschaft Heinsberg und Präsident des Rheinischen Landwirtschaftsverbands. Sollte die Bundespolitik bei Finanzhilfen und Pflanzenschutzmitteln nicht umsteuern, erwartet er, dass die Landwirte im Sommer auf die Straße gehen. Proteste statt Rübenkampagne. Einen Vorgeschmack darauf soll es bereits beim Rübentag am 19. Februar in Hückelhoven geben.

Die Rübe ist nicht das einzige Problem der Landwirte, aber ein großes. „Wir fordern Fairplay in Europa“, erklärt Conzen im Gespräch mit unserer Redaktion. Die Preise für Rüben seien im Vergleich zum früheren Quotensystem in der EU um rund die Hälfte gefallen, der Weltmarktpreis so niedrig wie seit 15 Jahren nicht. „Diese Situation betrifft in Europa aber nicht alle Staaten gleichermaßen, in denen Rüben angebaut werden“, erläutert Conzen. „Es gibt einige Staaten, die national den Rübenanbau wieder aus dem Brüsseler Budget unterstützen – Stichwort gekoppelte Zahlungen. Die gibt es in Deutschland aber nicht, weil Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner sagt, diese seien nicht nötig. Das verzerrt den Wettbewerb genauso wie der unterschiedliche Umgang mit Neonikotinoiden. Nach dem Brüsseler Verbot dieser Gruppe von hochwirksamen Insektiziden, die eine intelligente Spritzung erlauben, nur selektiv wirken und der Umwelt nicht schaden, sind zwölf von 17 Staaten dazu übergegangen, diese über Notfallzulassungen wieder zu erlauben. Deutschland tut das nicht.“

Weitere Probleme machen das Klima und der Milchpreis. „Drei Jahre in Folge haben unsere Landwirte schlechte Ernten und Erträge“, erklärt der Vorsitzende der Kreisbauernschaft Heinsberg. „2018 war ein Dürrejahr. 2017 waren das Frühjahr und der Sommer so verregnet, dass die Preise aufgrund der geringeren Qualitäten sanken. Und 2016 war das Jahr, in dem die Milchbetriebe wegen zu niedriger Preise in Probleme geraten waren. Allein im Kreis Heinsberg sind seither 20 Landwirte aus der Milchwirtschaft ausgestiegen, weil diese nicht mehr rentierlich ist.“ Geblieben sind 157 Betriebe. Entwickle sich jetzt noch die Rübe negativ, „wobei wir im Rheinland eigentlich vom Klima und Boden her eine der besten Regionen in Europa für den Rübenanbau sind“, befürchte er, „dass in den nächsten Jahren viele Betriebe den Gnadenstoß bekommen, zumal weitere hanebüchene Düngeverordnungen drohen, die umgesetzt werden müssen“. Bleiben würden, sollte es so kommen, nur noch wenige Großbetriebe. „Den bäuerlichen Familienbetrieb würde es nicht mehr geben.“

Das aber wollen die Landwirte im Kreis Heinsberg verhindern. Die Rübenbauern planen deshalb eine erste Kundgebung für den 19. Februar, wenn in Hilfarth ihr diesjähriger Rübentag stattfindet. „Wir möchten deutlich machen, dass die Ministerin uns hängen lässt, aber für Gleichheit sorgen müsste“, sagt Bernhard Conzen. „So wie es sich jetzt entwickelt, halten unsere Landwirte das nicht mehr aus. Dann würden 30 bis 40 Prozent von ihnen ab 2020 aus dem Rübenanbau aussteigen, was sich wiederum auf die rheinischen Zuckerfabriken und deren Mitarbeiter auswirken würde.“

Die Stimmung in der Landwirtschaft sei ganz schlecht, fasst Conzen zusammen, der selbst einen familienbetriebenen Hof in Gangelt führt. „Es könnte sein, dass die Bauern in diesem Sommer wie in Frankreich auf die Straßen gehen, um allen klarzumachen, was die Landwirtschaft für die Gesellschaft bedeutet.“

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