Erkelenz: Wolfgang Wittmann und Robert Scholtes mit neuem Programm über Fontane

Premiere in Erkelenz : Eine verschlungene Künstlerkarriere

Wolfgang Wittmann und Robert Scholtes nehmen ihr Publikum mit auf eine literarisch-musikalische Reise anlässlich des 200. Geburtstages von Theodor Fontane. Sie feiern mit ihrem neuen Programm in Erkelenz Premiere.

„Ach, Luise, laß ... das ist ein zu weites Feld“, so der Schlusssatz des wohl bekanntesten Romans von Theodor Fontane: „Effi Briest“. Noch heute ist der Satz eine der einfachsten Antworten auf unterschiedliche gesellschaftliche Fragen. Unter dem Titel „Ein weites Feld“ nahmen Wolfgang Wittmann und Robert Scholtes ihr Publikum mit auf eine literarisch-musikalische Reise mit durch das Leben von Theodor Fontane. Das Programm ist anlässlich des 200. Geburtstages des Schriftstellers im vergangenen Jahr entstanden.

Wittmann und Scholtes sind bekannt für ihre bunten und ausgefallenen Programme über besondere Menschen und Themen. Der eine war bis 2012 Lehrer am Cornelius-Burgh-Gymnasium in Erkelenz, der andere ist seit 1992 Lehrer an der Kreismusikschule Heinsberg. Gemeinsam haben sie bereits sechs literarisch-musikalische Programme zur Premiere gebracht. Anfang 2019 hatte Wolfgang Wittmann dann von einer neuen Biografie über Theodor Fontane erfahren und diese gelesen. „Zudem war es wieder an der Zeit, dass nochmal ein Autor im Mittelpunkt eines Programms steht“, begründete er die Wahl. Der Literaturexperte Wittmann (Rezitation, Gitarre), der die Programme selbst schreibt, wurde am Keyboard von seinem guten Freund Robert Scholtes begleitet. Seit rund 15 Jahren kennen sich die beiden und haben bei mehreren Projekten zusammengearbeitet. Es war die Premiere ihres siebten Programms in der Buchhandlung Viehausen, wie Inhaber Christopher Viehausen stolz bekanntgab.

„Ein weites Feld“ – mit diesem Satz lässt sich das Leben von Fontane selbst beschreiben: Eine verschlungene Künstlerkarriere, vielfältige Tätigkeiten und ein verspätetes Alterswerk. „Wir wollen Anekdoten erzählen, auf die weniger bekannten Seiten seines Lebens blicken, ihn beobachten, mit ihm unterwegs sein und ihn auf verschiedenen Stationen seines Lebens begleiten“, kündigte Wittmann zu Beginn an. Die beiden Künstler stellten sich verschiedene Fragen, unter anderem: „Wie sah seine Ehefrau Emilie ihren Theodor?“ – Eine Frage, die mit Zitaten aus einigen Briefen beantwortet, für erstauntes Gelächter sorgte. Auch die politische Lyrik Fontanes fand Eingang in den Vortrag. „Mal zornig und mal gelassen, gar resignativ“, fasste Wittmann zusammen.

Gemeinsam mit den Gästen entdeckten sie die Liebe Fontanes zu den deutschen Künsten, aber gleichfalls die zur englischen Literatur. So entstand im Zuge von Aufenthalten in London und Rundreisen durch Schottland unter anderem die bekannte Ballade „Die Brück‘ am Tay“, die Wittmann mit klarer und kräftiger Stimme vortrug.

Immer wieder unterbrochen wurde der Vortrag von musikalischen Einlagen. „Musikalisch und stilistisch gibt es keine Grenzen. Meine Maxime ist: Alles, was der Text zulässt, ist verwendbar. Wenn es zum Text passt, dann können sich Balladen auch mal mit Jazz oder einem Blues abwechseln“, verriet Wittmann mit einem Schmunzeln. So waren das Volkslied „Die Gedanken sind frei“, „The Lady oft the Lake“ von Franz Schubert sowie Stücke von Schumann und Mendelssohn Bartholdy im Repertoire.

Mit einem Rückblick begann der Abend und mit einem weiteren sollte er auch enden: „Fritz Katzfuß“, ein Gedicht, das Fontane im Alter von 76 Jahren verfasste und als eine Rückschau auf sein eigenes Leben gesehen werden kann. Eine originelle Überraschung erwartete das Publikum am Ende: Jeder erhielt „’ne Birn“, eine Birne – eben passend zur Zugabe mit dem bekannten Gedicht „Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland“.