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Erkelenz/Wegberg: Geschäftsleute sind erleichtert, aber ohne Schutz ist kein Einkauf möglich

Maskenpflicht in den Geschäften im Kreis Heinsberg : Händler sind auf neue Regeln vorbereitet

Die Geschäfte sind vorbereitet. Kunden haben Verständnis für die Maßnahmen – Besuche bei Geschäftsleuten, denen die Erleichterung deutlich anzumerken ist, in Erkelenz und Wegberg bestätigen dies.

„Wir sind halt nicht in einer Großstadt“, meinte Benita Koch, die mit ihrer Mutter einen Einkaufsbummel über die Hauptstraße in Wegberg macht. Die Überschaubarkeit und die nicht übermäßige Anzahl von Menschen ist für sie wohltuend, ist sie doch aus Hamburg mehr Gewusel gewöhnt. Sie ist zufrieden, dass die Geschäfte wieder geöffnet haben und bestätigt, was viele Kunden in Wegberg und in Erkelenz sagen.

Thomas Ropertz, Mitarbeiter bei Viehausen – vor der Ladenöffnung ohne Mund- und Nasenschutz fotografiert. Bei Viehausen gibt es auf dem Boden Richtungspfeile, die die Kunden durch die Gänge des Geschäftes führen. Foto: Laaser, Jürgen (jl)

Auch bei den Geschäftsleuten ist die Erleichterung zu spüren, dass sie wieder für ihre Kunden da sein können, wenngleich die Hinweisschilder an den Eingängen zu den Ladenlokalen auf die coronabestimmte Situation aufmerksam machen. Nicht ein Inhaber verzichtet auf den Hinweis, dass sich nur eine bestimmte Anzahl von Kunden im Geschäft aufhalten kann.

Viele, wie etwa Bürobedarf Viehausen in Erkelenz, haben Richtungspfeile auf dem Boden angebracht, die die Kunden durch die Gänge führen. Nur mit bereitgestellten Körben darf ein Kunde das Geschäft betreten, sind diese vergriffen, muss er warten. „Wir sind zufrieden mit dem Wiederbeginn“, so Thomas Ropertz von der Firma Viehausen. Selbstverständlich hätten die Umsatzeinbußen geschmerzt, aber die behördlich angeordnete Schließung sei vernünftig gewesen. Froh ist er für die 30 Mitarbeiter, die teilweise in Kurzarbeit gehen mussten. Bei Viehausen glaubt man sich gut gerüstet für die nächste Phase, die ab Montag mit der Maskenpflicht beim Einkauf beginnt. Das Geschäft wurde klar strukturiert. Für Kunden, die eine intensive Beratung brauchen, etwa bei einem Füllerkauf oder dem Erwerb eines Schulranzens für angehende I-Dötze, werden Termine festgelegt. Kunden ohne Maske werden gebeten, fernzubleiben oder eine angebotene Maske zu erwerben. Nach seiner Erfahrung, die sich mit der von Kollegen deckt, sind die Kunden einsichtig und halten sich an Vorschriften.

Ulrich Kirch von der Wegberger Buchhandlung Kirch ist sehr zufrieden mit der ersten Woche. Foto: Laaser, Jürgen (jl)

„Fast alle haben Verständnis“, meint etwa Tinka Helms, die bei Hut Jansen in Erkelenz arbeitet. Der Herrenausstatter ist ebenfalls einigermaßen glimpflich über die letzten Wochen gekommen. Über die sozialen Medien hat man Kontakt zu den Stammkunden gehalten, wie die Inhaber Gisela und Helmut Dahlen berichteten. „Es ist schön, zu erkennen, wie treu unsere Kunden sind.“ Der Kundenandrang sei in den ersten Tagen noch verhalten gewesen. „Aber es kommen immer mehr“, so Helmut Dahlen. „Es zeigt sich, dass die Menschen raus wollen und sie soziale Kontakte suchen.“ Da wird der Einkauf fast schon zur Nebensache, Hauptsache, man kann wieder miteinander reden. „Wir sorgen dafür, dass alle Hygienevorschriften eingehalten werden“, versicherte Dahlen. Der eigene Mundschutz, die Desinfektionsmittelspender, die Scheibe an der Kasse gehören zum derzeitigen Alltag, hinzukommt ab Montag die Maske der Kunden. „Die meisten werden wohl schon eine haben“, vermutete der Geschäftsinhaber, „wer keine hat, kann sie bei uns erwerben.“

Diesen Weg geht auch Ulrich Kirch, Buchhändler in Wegberg. „Wir verkaufen die Masken an die Kunden für einen guten Zweck, nämlich für die Aktion St. Martin hilft“. Auch er freut sich über die Solidarität und Treue der Kunden während der Schließung. Mit seiner „book-by-bike-Aktion“, bei der per Internet bestellte Bücher am nächsten Tag mit Fahrradkurieren zu den Bestellern gebracht wurden, hat er den Kontakt aufrechterhalten und Umsatz machen können. „Gelesen wird immer“, so Kirch. Insofern sei das Buchgeschäft nicht so sehr von Rückgängen betroffen wie das Geschäft mit Schreibbedarf. Besonders freute er sich über die Geste einer Kundin, die es nicht bei Worten beließ, sondern sich mit Süßigkeiten beim Kirch-Team „für den stets freundlichen Service – selbst in ungewöhnlichen Zeiten“ bedankte. „Die Leute wollen raus“, bestätigte er. Insofern sei es richtig, den Einkauf zu ermöglichen. Mit dem Mindestabstand von 1,5 Metern und der Maske sollte die Situation beherrschbar sein.

Viele haben sich inzwischen an den Mundschutz gewöhnt. „Man kommt sich fast schon aus Außenseiter vor, wenn man keinen hat“, meinte eine Passantin in der Fußgängerzone. Sie und ihr Begleiter sehen es ebenso wie andere Befragte als vollkommen richtig und notwendig an, die Maskenpflicht einzuführen. „Dort, wo es machbar ist.“

Das letzte Wort hat Benita Koch: „Die Menschen verhalten sich hier sehr vernünftig.“ Vielleicht oder weil sie nicht in einer Großstadt, sondern im Kreis Heinsberg leben.

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