Erkelenz: Virtuelle Museum der verlorenen Heimat auf Bundeskongress in Berlin

Erkelenzer Projekt in Berlin und Düsseldorf gefragt : Politik entdeckt virtuelles Heimatmuseum

2018 stellte der Erkelenzer Heimatverein sein „Virtuelles Museum der verlorenen Heimat“ ins Internet. Da dessen Themen landes- und bundespolitisch derzeit gefragt sind, sind Berlin und Düsseldorf aufmerksam geworden.

Das „Virtuelle Museum der verlorenen Heimat“ trifft Themen, die derzeit bundesweit im Mittelpunkt der Diskussionen stehen: Heimat, Digitalisierung, Braunkohlenenabbau. Positiv stellt das der Heimatverein der Erkelenzer Lande fest, der das Internetprojekt erst bei einem Kongress in Berlin vorstellen durfte und dann im September zur vierten nordrhein-westfälischen Heimatakademie eingeladen ist. „Mit dieser Dimension der Wahrnehmung hätte ich nie gerechnet, als ich mich vor vier Jahren dem Projekt angeschlossen habe“, sagt Bernd Finken, inzwischen im Leitungsteam des virtuellen Museums.

Das vom Heimatverein seit Oktober 2018 im Internet betriebene Museum fasst die Themen Heimat, Digitalisierung und Braunkohlenabbau zusammen, indem es den Wandel der Region durch den Tagebau Garzweiler II dokumentiert und auf unterschiedliche Weisen digital darstellt. „Unser Projekt hat inzwischen eine Einordnung in die Politik bekommen, und wir werden in die Denkweise der Politik einbezogen“, berichtet Finken nach dem Kongress in Berlin. „Das ist unerwartet, aber hocherfreulich.“

Vorstellen konnten Bernd Finken, Heike Vogt und Günther Merkens das virtuelle Museum beim zehnten Kulturpolitischen Bundeskongress in Berlin, getragen und organisiert unter anderem vom Deutschen Städtetag und von der Bundeszentrale für politische Bildung. Unter dem Motto „Kultur macht Heimat – Heimat als kulturpolitische Herausforderung“ diskutierten Politiker und Experten zwei Tage lang, wie Kulturpolitik sich neu orientieren soll oder muss. Eingeladen worden war der Erkelenzer Heimatverein, nachdem die Kongressorganisatoren bei Recherchen auf das „Virtuelle Museum der verlorenen Heimat“ gestoßen waren.

Allein das sei schon eine sehr erfreuliche Nachricht gewesen, sagt Merkens: „Wichtig war danach, dass eine noch größere, überörtliche Öffentlichkeit auf unser Projekt aufmerksam gemacht werden konnte.“ Der Vortrag über das Internetmuseum habe „einige Anerkennung“ bekommen, sagt Finken fast zurückhaltend, erzählt aber in einem Nebengedanken über die anschließende Diskussion, wie groß diese tatsächlich gewesen ist: „Ich habe unser Museum als eine lokale Lösung vorgestellt. Uns wurde aber gespiegelt, dass es weit darüber hinaus geht.“

In unterschiedlichen Foren wurde in Berlin über Heimat und deren Verortung diskutiert: in der Kindheit, in der sozialen Praxis, in Erzählungen. „Interessant war für uns die Frage, ob Internet Heimat sein kann“, berichtet Bernd Finken, der dazu ein schlüssiges Bild als Antwort fand: „Heimat lebt von Erinnerungen und Gesprächen. Der Schuhkarton mit Bildern war es, mit dem meine Mutter mir meine Familie erklärt hat – das Internet ist der heutige Schuhkarton, über das wir bildliche Erinnerungen an Heimat wecken können.“

Wie groß das Interesse daran ist, zeigen die ersten Zugriffszahlen des virtuellen Museums. Seit der Eröffnung im vergangenen Oktober wurden 9000 Besucher gezählt, darunter täglich Nutzer, die sich zehn und mehr Unterseiten angeschaut haben. Zu den Gästen gehörte sicherlich auch das Heimatministerium von Nordrhein-Westfalen. „Wir sind fast parallel zum Berliner Kongress eingeladen worden, unser Projekt auf der vierten Heimatakademie vorzustellen, die am 7. September in Dortmund stattfindet und unter dem Titel ,Heimat digital’ steht“, teilt Heimatvereinsvorsitzender Günther Merkens mit. Sprechen dürfe man gleich nach der Eröffnung durch Ministerin Ina Scharrenbach. Vorgenommen hat sich das Leitungsteam, dort neue Ideen vorzustellen, wie das Museum künftig auch spielerisch kennengelernt werden kann.