Erkelenz: Thomas Hansen aus Doveren macht sich als Komponist einen Namen

Erkelenzer als Komponist erfolgreich : Einfach machen – mit Mut zu Fehlern

Thomas Hansen aus Doveren beginnt, sich als Komponist einen Namen zu machen. Dabei hat er nie an einer Musikhochschule studiert: Die Melodien, die er schreibt, müssen ihm einfach gefallen, erklärt der Autodidakt.

Er hat weder das Komponieren noch das Dirigieren gelernt, und doch hat er es in der Musik als Komponist und Chorleiter schon in jungen Jahren zu einer überregionalen Bekanntheit gebracht: der 32-jährige Thomas Hansen, der seit einiger Zeit in Erkelenz wohnt. Überregionale Aufmerksamkeit erregte er, als ein von ihm komponiertes Requiem im November bei einem Konzert der Kammerchors Altodijo in Hilfarth uraufgeführt wurde. Da gab es nicht nur langanhaltenden Beifall des begeisterten Publikums, da gab es auch anerkennende Wort bekannter Musikkritiker aus Düsseldorf, die dem Requiem eine musikalische Qualität bescheinigten, die sich bei vielen bekannten Komponisten erst nach langen Tätigkeit eingestellt hat.

Hansen freut sich über dieses Lob aus berufenem Munde für sein Opus Nummer 4, das ihn motiviert, weitere Musikstücke zu komponieren. „Ideen habe ich einige“, verrät er, aber es braucht auch Zeit und Muße, um eine Komposition fertigzustellen. Von Musiktheorien und Kompositionslehre oder Orchesterführung hat er zwar gehört, aber er hat sich nicht übermäßig damit beschäftigt oder gar an einer Musikhochschule studiert. Wenn er eine Melodie schreibt, muss sie ihm gefallen, so die einfache, aber erfolgreiche Methode.

„Einfach machen“ oder „Durch Fehler lernen“, sind seine Vorgaben. Er ist und bleibt Autodidakt, der sich weder von Musikexperten noch von Regeln beeinflussen lässt. Er komponiert, wie er Klavier spielt; nämlich so, wie er es sich selbst beigebracht hat und wie er es dank der Unterstützung von Lehrern verbessert hat. Es ist Hansen nie in den Sinn gekommen, Musik zu studieren. Er wollte ein sicheres stabiles, berufliches Fundament. „Die Musik war eigentlich immer nur ein Hobby. Wenn es vielleicht einmal mehr werden sollte, werde ich mich nicht sträuben.“ Vielleicht gehören Kompositionen von Thomas Hansen ja doch einmal in einiger Zeit zum Repertoire andere Interpreten. Der erste Schritt jedenfalls ist getan, das Requiem, das Hansen dem Kammerchor aus Anlass des zehnjährigen Bestehens gewidmet hat, könnte bald schon in einem Musikverlag veröffentlicht werden.

Die Musik hält Hansen schon seit Kindesbeinen an in ihren Fängen – und dennoch bestimmt sie nicht allein sein Leben. Dazu gehört auch der Beruf, der unterschiedlicher als die Leidenschaft gar nicht sein kann. Der diplomierte Wirtschaftsingenieur verdient seinen Lebensunterhalt in einem Unternehmen in Dremmen. Eher durch Zufall entdeckte er als Neunjähriger das Klavier für sich, „Weil meine Schwester keine Lust mehr auf den Klavierunterricht hatte, habe ich mich daran gesetzt und mir Ton für Ton, die Lautstärke und das Tempo erarbeitet.“

Zwei Jahre später wurde er Schüler an der Kreismusikschule, danach wechselte er zu einer anderen Musikschule, ehe er im Musikatelier von Klaus Paczyna in Erkelenz landete. Das Klavier wurde zu seinem ständigen musikalischen Begleiter, schon zu Schulzeiten spielte er bei Feiern, nach dem Abitur in Hückelhoven und während des Studiums in Aachen leitete er zunächst einen eigenen Chor, um danach die musikalische Begleitung des Kammerchors Altodijo zu übernehmen.

Eher aus einer Laune heraus begann er seine kompositorische Arbeit. „Im deutsch-polnischen Orchesteraustausch habe ich mal gesagt, ich könnte eigentlich für das Treffen im nächsten Jahr ein eigenes Stück schreiben.“ Paczyna hat ihn daran erinnert, Hansen setzte seine Worte in die Tat um und schrieb sein erstes Stück für Klavier, eine Fantasie, die er als opus 1 bezeichnet. „Das war 2013“. Zwei weitere Klavierstücke folgten. Irgendwann forderte ihn der Dirigent des polnischen Jugendorchesters auf, doch selbst zum Dirigentenstab zu greifen. Gesagt, getan. „Ganz so dumm habe ich mich da wohl nicht angestellt“, meint Hansen im Rückblick.

Inzwischen schreibt, musiziert und dirigiert er und schimpft oft über den Komponisten, der ihm als Pianisten das fast einstündige Requiem opus 4 eingebrockt hat. „Da kann ich mich manchmal selbst verfluchen, weil ich als Komponist wunderschöne Passagen geschrieben haben, die für den Pianisten nur sehr schwer zu spielen sind.“

Vorliebe gilt der klassischen Musik. „Hardrock ist nicht so mein Ding.“ Er lehnt die zeitgenössische Musik nicht ab; im Gegenteil, in seinem Requiem gibt es durchaus moderne, jazzige, unkonventionelle Stellen. Er komponiert lieber klassisch. Ein Stabat Mater in Anlehnung an Antonin Dvorak und ein Kunstlied für Klavier und Singstimme sollen als nächste Werke folgen.