Erkelenz: Studie zu den Fortbewegungsmitteln

Studie zur Mobilität in Erkelenz : Mehr für Fahrräder und Busse tun

Fast jedem Erkelenzer steht ein Auto zur Verfügung, das er zumindest zeitweise nutzen kann. Trotzdem ist es nicht die alleinige Wahl, ergab eine Studie im Auftrag der Stadt. Oft werden Auto und Fahrrad kombiniert.

Wie bewegen sich die Erkelenzer in ihrem Alltag? Wie oft nutzen sie die Gelegenheit, statt des Autos das Fahrrad zu nutzen oder zu Fuß zu gehen? Eine Untersuchung über die Mobilität in Erkelenz sollte Erkenntnisse liefern. Ein Dortmunder Fachbüro für Verkehrswesen hatte diese Aufgaben angepackt und konnte der Politik jetzt Ergebnisse vorstellen.

Seit 2011 ist Erkelenz Mitglied der Arbeitsgemeinschaft fußgänger- und fahrradfreundlicher Städte und Gemeinden in NRW (AGFS). Mit der Aufnahme verpflichtete sich die Stadt, Maßnahmen zu ergreifen, um den Radverkehrsanteil möglichst zu erhöhen. Dazu fand im Herbst 2018 eine umfangreiche Befragung der Erkelenzer statt. 1836 Bürger beteiligten sich daran.

93 Prozent der Einwohner ab 18 Jahren steht laut der Studie mindestens zeitweise ein Auto zur Verfügung. Rechnerisch gibt es pro Haushalt eineinhalb Autos. Wie Julian Scheer von dem Dortmunder Fachbüro einschob, sei „der Anteil an Elektroautos kaum wahrnehmbar“, liege bei unter einem Prozent. Generell, so stellten die Verkehrsexperten fest, sei die Zugänglichkeit zum ÖPNV in Erkelenz als gut zu bewerten, denn im Durchschnitt sei die nächste Bushaltestelle in 382 Metern Entfernung zu erreichen. Aber: „Der Bekanntheitsgrad dieser Mobilitätsangebote muss gesteigert werden, denn Angebote wie der Multibus oder West-Fahrradbus sind vielen Menschen nicht geläufig.“

Immerhin: Die Fahrradverfügbarkeit pro Haushalt ist höher als im Bundesdurchschnitt. Rund 88 Prozent der Erkelenzer Haushalte verfügen über mindestens ein Fahrrad (78 Prozent im Bundesdurchschnitt). Die Generation 50 plus nutzt E-Bikes/Pedelecs. Scheer bewertete es als positiv, dass die Erkelenzer nicht nur auf ein Fortbewegungsmittel setzen: Sie nutzen am häufigsten die Kombination aus Auto und Fahrrad. Damit erledigen sie die 3,8 Wege, die sie pro Tag zurücklegen. Pro Weg fallen im Schnitt 13,3 Kilometer an (Bund: 12,5). Die tägliche Wegedistanz beträgt im Schnitt 42,6 Kilometer (Bund: 39,1).

Insgesamt, fasste Julian Scheer zusammen, verfüge Erkelenz über eine intakte Versorgungsstruktur. Jedoch wünschen sich die Erkelenzer laut seiner Studie eine Verbesserung der Radverkehrswege und Abstellplätze für Fahrräder.

Auch das Thema Bahn floss in die Befragung ein. Eines der größten Probleme bleiben die Tarife des AVV und VRR, die an der Stadtgrenze aufeinander stoßen. Auch Pünktlichkeit und Verbindungsqualität mahnten die Befragten an. So sagte Scheer in seinem Fazit: „Bus und Bahn haben deutliches Steigerungspotenzial, vor allem im Bereich der Stamm- und Gelegenheitskunden. Beim Radverkehr hat die Stadt schon viel erreicht, doch es gibt noch viel zu tun. Nachdenken muss man sicherlich über ein offensiveres Marketing pro neue Mobilität.“

Für Ansgar Lurweg, den Technischen Beigeordneten der Stadt Erkelenz, liefert die Befragung gute Ansatzpunkte, „die in die nächsten Überlegungen einfließen werden“. Lurweg will auch beim Tarifsystem der Bahn am Ball bleiben und die Ergebnisse der Befragung an „die entsprechenden Stellen“ weiterleiten. Für die SPD-Fraktion stellte Ferdinand Kehren im Bauausschuss fest, „dass wir damals den richtigen Weg gegangen sind. Der Radverkehr und die Fußgänger sind weiter zu fördern“.

Mehr von RP ONLINE