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Erkelenz: Staudengarten mit Zaun als Neuheit

Staudengarten in Erkelenz : Naturnaher Zaun als Neuheit

Der Garten im Buscherhof folgt nur den Regeln der Jahreszeiten. Einziges Ziel der Gärterinnen: Es soll immer etwas blühen. Probleme bereitet, wie überall, der Wassermangel.

Die Farbtupfer in dem naturnahen Stadtgarten nahe der Beecker Straße im Baugebiet Buscherhof sind seltener geworden. Nur noch wenige gelbe, blaue oder roten Blüten hängen an den Stauden, Büschen oder Blumen. Das blasser werdende Grün der langsam welkenden Pflanzen prägen das Herbstbild in diesem Garten, den Hobbygärtnerinnen auf einer städtischen Parzelle seit einigen Jahren betreuen.

Sie versuchen, fernab von ordentlich parzellierten Beeten und akkurat geschnittenen Umrandungen sowie mit planierten Wegen und gepflasterten Ruheplätzen einen sich selbst überlassenen, den Regeln der Natur und der Jahreszeiten folgenden Garten zu schaffen, in dem der Mensch zu Gast ist und nur selten eingreift und bestimmt, was wie zu wachsen und zu gedeihen hat.

Ein Paradies für Insekten und Tiere und zugleich ein natürlicher Ruhepol in einer durchgestylten Umgebung wollten Sandra Klein und Marianne Nitschke aus Erkelenz und Sandra Klein aus Lövenich mit Unterstützung vieler helfender Hände schaffen. Bis jetzt sind sie gut durch das Jahr gekommen; allenfalls die Trockenheit machte ihnen, wie allen Gärtnern, zu schaffen.

Die Idee, den bestehenden Garten zu erweitern, wurde zunächst verworfen. „Trotz des zweiten Wassertanks, den uns die Stadt Erkelenz freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat, ist die Menge zu gering, um noch mehr Fläche zu bewässern“, meinte Marianne Nitschke, die in der Nachbarschaft des Gartens wohnt.

Tagtäglich schaut sie vorbei, nicht um zu arbeiten, sondern um zu schauen, was es an Veränderungen gibt. Erfreulich ist für sie, dass der Garten nicht Ziel von Zerstörungswut wird. „Viele Spaziergänger sind angetan von diesem bunten, scheinbar wirren Wachsen und Gedeihen mitten im Wohngebiet, das im strengen Kontrast zu einigen klar strukturierten Hausgärten in der Nachbarschaft steht.

Das Wasser ist und bleibt das große Thema. „Manche Pflanzen brauchen einfach viel davon. Manche hingegen kommen gut damit klar, dass es wenig gibt“, so Marianne Nitschke. Aber auch die Stauden, die in diesem Jahr aus Wassermangeln nicht gut zur Geltung kamen, kommen im nächsten Jahr wieder.“

Momentan macht der Garten fast keine Arbeit. Die hatte es im Sommer gegeben, als die Stadt Erkelenz den Gärtnerinnen einen naturnahen Staketenzaun spendierte. „Da mussten unsere Männer ran, und beim Aufbau mithelfen. Im Herbst hingegen gibt es nicht viel zu tun. „Eigentlich warten wir darauf, dass der Winter kommt und geht“, sagte Sandra Klein. „Denn der Rückschnitt der abgestorbenen Triebe, Zweige und Blumen erfolgt erst im März.“

Bis dahin bleibt der Garten sich selbst überlassen, bereitet sich langsam auf den Winterschlaf vor und wird zum Rückzugort für Insekten aller Art. Lediglich Gärtnermeister Herbert Backhaus sorgt in diesen Tagen für einige Mühe. Er hat aus dem Sortiment seiner Wildkräuter- und -blumenzucht einige „Exoten“ mitgebracht, die im Naturgarten gepflanzt werden sollen. Töpfchen mit Sonnenröschen, Wiesenwitwenblume, weißer Lichtnelke oder Weidealand hat er mitgebracht. Der Inhaber des Gartenhofs in Heinsberg-Horst ist gerne in Erkelenz, in diesem Garten, der seines Wissens nach der einzige dieser Art weit und breit in der Region ist.

Auf dem ersten Blick scheint es, als gebe es überhaupt keinen Platz mehr für neue Pflanzen in der vermeintlichen Wildnis. Doch der Schein trügt. „Zur Not müssen andere, wasserintensive Pflanzen weichen oder wird der grasbewachsene Weg etwas schmaler“, meinte Marianne Nitschke pragmatisch. Sie und ihre Mitstreiterinnen verfolgen mit dem ungewöhnlichen Stadtgarten ein Ziel: „In jeder Jahreszeit soll etwas blühen.“

Für Backhaus ist das nicht problematisch: „Wenn es mild bleibt und es vermehrt Wasser gibt, dann erleben wir in den nächsten Wochen noch ein verstärktes Wachstum.“ Insofern werde es weiterhin Farbtupfer geben – bis hin zum Frost und zum Winterschlaf in der Oase für die Insekten und der Sinne.