Erkelenz: SKFM Kreis Heinsberg beteiligt sich an Armutskampagne 2019

SKFM macht auf Situation aufmerksam : Wachsende Armut im Kreis Heinsberg

Der Sozialdienst katholischer Frauen und Männer warnt vor zunehmender Armut. Er fordert mehr soziale Begleitung und weniger Sanktionen in der Sozialhilfe. Unterstützer der „Armutskampagne 2019“ erklären ihre Positionen.

Die Anzahl der Menschen, die im Kreis Heinsberg von Armut bedroht sind, wächst. Darauf macht der Sozialdienst katholischer Frauen und Männer aufmerksam und hat dazu in Erkelenz eine Kampagne gestartet. Bestätigung und Unterstützung findet der SKFM seitens der Politik, Kirche, des Kinderschutzbundes und der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten, die, von der Kampagne losgelöst, aktuell vor steigender Altersarmut warnt: „Gab es im Kreis Heinsberg 2008 noch 2296 Bezieher von Grundsicherung im Alter oder bei Erwerbsminderung, so waren es im Vorjahr bereits 3588.“ Dies entspreche laut Statistischem Landesamt einer Steigerung um 56 Prozent.

In vielen Beratungsstellen von SkF und SKM tauchen immer wieder Menschen auf, die von Sanktionen im SGB II betroffen sind. Bei diesen Beratungen geht es oft um Miet-, Strom- oder Handyschulden, fehlende Mobilität, fehlende Kleidung oder schlichtweg Hunger. Auf diese Lage will der Sozialdienst mit seiner aktuellen Kampagne, an welcher der SKFM im Kreis Heinsberg erstmals teilnimmt, aufmerksam machen. Gestellt wird die Frage nach dem Sinn von Sanktionen.

In dem Wissen, dass es Unterschiede zwischen den Sozialhilfeempfängern gibt wie zwischen allen Menschen, erklärt Karoline Steffens vom SKFM mit Sitz in Erkelenz: „Bei uns schlagen immer wieder Klienten auf, denen Alltagskompetenzen fehlen und die auch über kein soziales Netz verfügen, das ihnen helfen könnte. Sie bekommen zum Beispiel aus besonderen sozialen Schwierigkeiten heraus ihr Leben nicht auf die Reihe, müssen aber schon mit einer zehnprozentigen Sanktion auf die Grundsicherung rechnen, wenn sie einen vereinbarten Termin verpasst haben.“ Das sei bei einer Grundsicherung in Höhe von 424 Euro viel Geld, von dem alles außer Heizung und Miete gezahlt werden müsse. „Sanktionen sind nicht das geeignete Instrument“, betont Steffens, „vielmehr benötigen diese Menschen eine soziale Betreuung.“

Hilfen geben für Menschen in Armut die großen Sozialverbände wie Caritas, Diakonie, Deutsches Rotes Kreuz oder Arbeiterwohlfahrt sowie als kleinerer Fachverband der SKFM, der in Erkelenz beispielsweise Betreuungen und eine Frauenberatung anbietet. Zu erreichen ist er an der Westpromenade 13, Telefon 02431 96000, Mail info@skfm-region-hs.de. Anlaufstellen sind unter anderem auch die Tafeln, die beispielsweise in Erkelenz an der Krefelder Straße 5 a montags und donnerstag von 14 bis 15.30 Uhr Lebensmittelspenden ausgibt.

Armut betrifft alle. Vom Kind bis zum Senior. „Altersarmut hatten wir vor zehn, 15 Jahren nicht in dem Maße“, sagt Karoline Steffens. Sie hatte zum Auftakt der Kampagne namhafte Bürger aus dem Erkelenzer Land um Statements zur Problematik gebeten. Michael Kutz, Vorsitzender des Kinderschutzbundes Erkelenz, richtet darin den Blick auf die Jüngsten: „Uns begegnet Armut, besonders Kinderarmut, in unserer täglichen Arbeit. Armut bedeutet oft Ausgrenzung und Scham. Zum Schuljahresbeginn stehen armen Familien, seit 2019, 100 Euro für die Schulausstattung zur Verfügung. Das bedeutet, dass von diesem Geld alles gekauft werden muss, vom Tornister über Hefte, Bücher, Stifte, Schreib-, Rechen- und Zeichenmaterialien sowie Sportzeug. Alle, die Kinder haben, wissen, wie herausfordernd es ist, von diesem Geld alles zu bezahlen.“

In seiner früheren Tätigkeit als Kriminalbeamter hat Thomas Schnelle, Landtagsabgeordneter der CDU aus Hückelhoven, „die Formen der Armut hier bei uns kennengelernt, und es hat mich immer besonders betroffen gemacht, wenn Kinder darunter zu leiden hatten.“ Hierzulande sei zwar selten eine absolute Armut mit Hungertod oder Erfrieren auf der Straße wie in Kriegs- und Krisengebieten zu finden. „Isolation, Chancenlosigkeit, Zukunftsleere – wir müssen ein Bewusstsein dafür schaffen, dass diese Armut die Armut unseres Landes ist.“

17,5 Prozent der Menschen in der Region Aachen, Heinsberg, Düren und Euskirchen sind laut SKFM 2018 von Armut bedroht gewesen. Ein Jahr zuvor waren es erst 17,3 Prozent. Daher sei es richtig, durch eine Armutskampagne „auf das Problem von Armut im Wohlstandsland Deutschland aufmerksam zu machen, da es sonst nicht ausreichend Beachtung findet“, betont Peter Jansen, Bürgermeister von Erkelenz, als Schirmherr der SKFM-Kampagne im Kreis Heinsberg in seinem Statement.

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