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Erkelenz: Schwieriger Weg zur Zeugnisnote

Schüler aus der Distanz bewerten : Schwieriger Weg zur Zeugnisnote

Die Vorgaben des nordrhein-westfälischen Schulministeriums sollen den Schulen zwar helfen, die Zeugnisnote an diesem besonderen Schuljahresende zu ermitteln, doch die Schulen sind bemüht, darüber hinaus zu gehen.

Als neue Schulleiterin der Europaschule, Realschule der Stadt Erkelenz, hätte sich Silvia Rudig sicherlich ein entspannteres zweites Schulhalbjahr des Schuljahres 2019/2020 gewünscht. Die Corona-Krise hat an vielen Stellen für Turbulenzen gesorgt, zu den am meisten diskutierten dürften die Schulen zählen. Nicht nur Silvia Rudig und ihr Lehrerkollegium haben die nicht gerade leichte Aufgabe, für die Schülerinnen und Schüler aktuell die Zeugnisse zu schreiben. Wie soll das funktionieren, wenn es den echten Schulalltag im zweiten Halbjahr so gut wie gar nicht gegeben hat?

„Es gibt die Vorgaben des Ministeriums. Das ist die eine Sache. Die andere Sache ist, wie man als Schule kreativ mit dieser besonderen Situation umgeht“, erklärt Silvia Rudig. Schnell habe die Europaschule, so Rudig weiter, den digitalen Weg gewählt, um Schülern wie auch Lehrern das Lernen und Lehren auf Distanz zu ermöglichen. „Sehr präsent waren wir über unsere Homepage, haben den Schülerinnen und Schülern dort Aufgaben gestellt.“ Die Europaschule habe positive Erfahrungen gemacht, weil eine engmaschige Betreuung sichergestellt war. Jedoch sei der Aufwand immens gewesen. Silvia Rudig: „Der individuelle Austausch bedeutete für die Lehrerinnen und Lehrer einen enormen Arbeitseinsatz.“ Trotzdem sei es gelungen, auf dieser Basis zu Erkenntnissen zu gelangen, um daraus die Zeugnisnoten zu ermitteln.

Karin Hilgers ist die Schulleiterin der Betty-Reis-Gesamtschule in Wassenberg. Auch sie beruft sich zunächst auf das Papier, das die Schulen aus dem Ministerium erreicht hat. „Die Dinge, die im Distanzlernen gut und positiv gelaufen sind, können ebenso positiv bewertet werden. Verschlechtern können sich die Schüler indes nicht. Unseren Schülern haben wir das Angebot gemacht, dass sie Extraaufgaben erledigen konnten, um sich im Vergleich zum Zeugnis aus dem ersten Halbjahr zu verbessern. Da haben unsere Schüler, die bei sich Bedarf gesehen haben, auch mitgemacht.“ Wie Karin Hilgers weiter erläutert, habe dies beispielsweise im Rahmen von Projektarbeiten gut funktioniert. Schließlich sagt sie: „Was die Zeugnisse, die die Schülerinnen und Schüler in Kürze bekommen werden, betrifft, so muss man sicherlich feststellen: Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen.“

Unterdessen betont Jörg Diepenthal, der Schulleiter des Cusanus-Gymnasiums in Erkelenz, dass es bei der Notenfindung um das Gesamtbild des einzelnen Schülers gehe. Diepenthal bringt noch einen weiteren wichtigen Aspekt auf den Tisch, bei dem es um das Thema Versetzung geht. „Die Lage stellt sich so dar, dass die Schülerinnen und Schüler in die nächsthöhere Stufe versetzt werden. Dies gilt jedoch nicht für den Jahrgang 9, bei dem es darum geht, die Qualifikationsphase auf dem Weg zum Abitur zu erreichen. Insgesamt finden Beratungsgespräche statt, wenn der einzelne Schüler den Wunsch äußert, das Jahr zu wiederholen.“

Unterm Strich steht, dass die Schulen, Grundschulen wie auch die weiterführenden Schulen, den Schülern in der Zeit der Schulschließungen Arbeitsmaterial zur Verfügung gestellt haben. Das Bearbeiten des Materials fand vielfach auf freiwilliger Basis statt. Das NRW-Schulministerium hat daher auch festgelegt, dass die Bearbeitungen dieser Aufgaben keiner Leistungskontrolle und Leistungsbewertung unterliegen.

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