Erkelenz:Schützen errichten zentrale Sammelstellen für Kleidersammlung zu St. Martin

St.-Martins-Kleidersammlung Erkelenz : Haussammlung teilweise nicht möglich

Die Zeiten, in denen die Erkelenzer Schützen zur St-Martins-Kleidersammlung an jedem Haus die Altkleider abholen konnten, sind vorbei. Das gilt zumindest für den innerstädtischen Bereich. Doch die Schützen haben eine Lösung gefunden.

Die Akteure sind zufrieden mit ihrer Sammlung. „Das ist weitaus mehr als im letzten Jahr“, meint Reiner Happel beim Blick auf die vollen Ladeflächen. Der Mann vom Kolpingwerk Erkelenz hat den organisatorischen Teil der diesjährigen St.-Martins-Kleider-Sammlung in der Pfarrei Christkönig übernommen.

Happel teilt seine Einschätzung mit Christian Helpenstein, Brudermeister der Schützenbruderschaft Unserer lieben Frau Erkelenz, der ebenfalls zur zentralen Sammelstelle bei der RWG an der Tenholter Straße gekommen ist. Dort trudeln am Samstagmittag die vollgepackten Privatwagen ein, in denen die Schützen die mit Kleidung bestückten Sammeltüten aus den Ortschaften heranbringen. „Haussammlungen sind leider nicht mehr möglich!“, hatte die GdG Christkönig in ihrem Aufruf zur Kleidersammlung erklärt. Diese Einschränkung gilt allerdings nur für den innerstädtischen Bereich. „Wir haben einfach nicht genügend Mitglieder, um überall durch die Straße zu fahren und vor den Häusern die Sammeltüten abzuholen,“ erklärt Helpenstein, dessen Bruderschaft für die innerstädt­ische Sammlung zuständig und verantwortlich ist.

In den Außenorten ist das anders, wie exemplarisch Peter London von der St.-Christophorus-Schützenbruderschaft Gederath berichtet: „Wir waren mit 13 Leuten, drei Autos und drei Anhängern unterwegs.“ In der Innenstadt ist das nicht mehr möglich. „Das bedeutet aber nicht, dass hier weniger gespendet und gesammelt wird“, versichert der Brudermeister. Die Bruderschaft hat gemeinsam mit der Pfarrei Sammelstellen eingerichtet. Dort warten die Sammler auf die Spender. Patricia Helpenstein und Abisha Veerasingham haben sich vor dem Kindergarten am Hagelkreuz niedergelassen. „Es macht Spaß und wir kommen ins Gespräch“, sagen sie. Die Leute warten nicht mehr darauf, dass die Schützen mit einem Traktor oder einem Kleinlaster bei ihnen vorfahren. Sie kommen zu ihnen. „Warum auch nicht?“, fragt CDU-Ratsherr Klaus Steingießer rhetorisch, mit mehreren vollen Sammeltüten auf dem Gepäckträger seines Fahrrads. „Außerdem ist es ökologisch sinnvoller, Sammelstellen einzurichten.“

Den ökologischen Aspekt hat Helpenstein nicht so sehr im Blick wie die Personalfrage und die soziale Dimension der Altkleidersammlung. Aus der Heimatverbundenheit heraus würden die Schützen etwas für Bedürftige tun. Aus dem Erlös der Sammlungen werden karitative Projekte gefördert. Ob die Martinssammlungen zum Erliegen kämen, wenn die Schützen nicht mehr die Aufgabe übernehmen würden, kann und möchte Helpenstein nicht abschätzen. Er selbst ist schon „seit ewigen Zeiten“ dabei und werde auch weiterhin mit seinen Schützenbrüdern und –schwestern mitmachen. Sein Blick schweift von den vollen Lastwagen zum Stand der Caritas, an dem die Helfer mit Weckmännern, Kaffee und Kakao versorgt werden. Die Caritas ist die übergeordnete Stelle, bei der die durch die Sammlung geförderten Projekte überwacht werden. Sie hat am Sammeltag die Verpflegungsaufgabe übernommen.

Über das Fehlen von Sammlern und Ehrenamtlern an den Sammelstellen brauchen sich Pfarrei und Caritas nicht zu beklagen. Es ist eher der Umgang mit den Kleidern nach der Sammlung, der ihnen zu schaffen machte. Bis vor sechs Jahren wusste niemand so richtig, was mit der Kleidung geschieht. Jetzt wird der Weg der Sammelstücke besser verfolgt: „Sie werden in einem Depot sortiert. Gute Ware kann nach einer Reinigung in Second-Hand-Shops verkauft werden. Nicht mehr nutzbare Kleidung kommt in den Reißwolf oder wird zu Lappen“, weiß Helpenstein.

Die kritischen Worte zu Altkleidersammlungen nimmt er zur Kenntnis. Vornehmlich Mitglieder der Eine-Welt-AG, die sich selbst an der Martinssammlung beteiligen und deren Projekt in Brasilien durch die Sammlung finanziell unterstützt wird, haben Bedenken, dass die hier gesammelte Ware den Weg nach Afrika findet und dort verkauft wird, wodurch zugleich der heimische Markt gestört werde. „Die Zweifel sind durchaus berechtigt“ stimmt Bruno Bürgers, der die AG betreut, zu. Das Nachverfolgen jedes einzelnen Kleidungsstückes sei sicherlich problematisch, räumt auch Helpenstein ein. Er verweist auf die nichtkommerzielle Basis der Martinssammlung. „Niemand von uns verdient etwas damit, im Gegensatz zu professionellen Altkleidersammlern. Wir haben seit einigen Jahren ein Unternehmen, mit dem wir vertrauensvoll zusammenarbeiten können und wir unterstützen soziale Projekte.“ Dass dies auch im nächsten Jahr, 50 Jahre nach der ersten Martinssammlung der Fall sein wird, da ist er sich ziemlich sicher.

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