Erkelenz: Rücktritt des Schaustellers Gerd Lynen van Berg

Neuer Vorsitzender für Erkelenzer Lambertusmarkt : Eine Linde als bleibende Erinnerung

Gerd Lynen van Berg tritt als Vorsitzender der Interessengemeinschaft der Schausteller Erkelenz zurück. Der Lambertusmarkt braucht sich jedoch keine Sorgen um die Zukunft zu machen. Die Nachfolge ist bereits geklärt.

Viele Jahre hatte Gerd Lynen van Berg an vorderster Stelle gestanden, wenn es darum ging, die Anliegen der Schausteller mit den Wünschen der Stadt Erkelenz in Einklang zu bringen. Als Vorsitzender der Interessengemeinschaft der Schausteller Erkelenz vertrat er die rund 80 Mitglieder bei der Gestaltung des Lambertusmarktes ebenso wie bei der Burgkirmes. Doch damit ist jetzt Schluss: Der 70-Jährige trat zurück und machte den Platz des ersten Vorsitzenden frei für den 35-jährigen Hans-Otto Grass, der und dessen Familie ebenso wie Lynen van Berg schon seit Jahren und Jahrzehnten den Rummel im Schatten der Burg mitbestreiten.

20 Jahre als Kassierer und danach 15 Jahre als Vorsitzender hat Lynen van Berg auf dem Buckel. „Eine lange Zeit, in der viel passiert ist“, sinniert er. Die Kirmes generell hat an Zuspruch verloren, es kommen weniger Besucher. Das hängt allerdings auch mit dem zunehmenden Veranstaltungsangebot zusammen. Dennoch sieht der Schausteller, dessen Betrieb in Hückelhoven angemeldet ist und der in Wassenberg wohnt, für den Lambertusmarkt keine unsichere Zukunft. „Die Mischung macht’s. Solange es den Markt in der jetzigen Form gibt, so lange braucht sich niemand zu sorgen.“ Ein weiteres Merkmal, das für den Lambertusmarkt spricht: „Inzwischen haben wir rund 300 Bewerber, die nach Erkelenz kommen wollen. Vor knapp zehn Jahren mussten wir unter 200 die rund 120 Plätze verteilen.“

Die Verteilung der begehrten Plätze ist eines der Probleme, mit dem sich demnächst Grass beschäftigen muss. Der erfahrene Lynen van Berg wird ihn dabei unterstützen, „aber nur im Hintergrund als Ratgeber“. Er hofft, dass der neue Mann an der Spitze mit neuen Ideen die Kirmes beleben kann. „So wie wir damals auch als junge Schausteller anderen Ideen und neuen Schwung mitbrachten. Sein Wunsch ist, dass der Lambertusmarkt seine Qualität behält oder sogar noch verbessert.

Als Funktionär zieht Lynen van Berg sich zurück, als Schausteller bleibt er dem Lambertusmarkt erhalten. „Noch“, wie er betont. Falls er einen Nachfolger findet, werde er das vom Vater übernommene Gewerbe, zu dem drei Imbisswagen und eine Weihnachtsmarktbude gehören, gerne übergeben. Von den vier fest angestellten Mitarbeitern möchte zu seinem Bedauern keiner in seine Fußstapfen treten. Sie und vier langjährige Aushilfen sind in diesen Tagen unterhalb der Burg gemeinsam mit dem Chef im Einsatz.

Die Zeiten, dass das Kirmesgeschäft vom Frühjahr bis zum Herbst dauerte und dann eine lange Winterpause einsetzte, sind längst vorbei. „Die Saison beginnt mit den ersten Karnevalssitzungen und endet mit den Weihnachtsmärkten.“ Da bleibt nicht viel Zeit zum Verschnaufen – es sei denn, es ist eine erzwungene Zeit, so wie vor rund 30 Jahren, als beim Lambertusmarkt der große, mobile Imbiss in der Nacht von Samstag zum Kirmessonntag in Flammen aufging. „Das werde ich nie vergessen“, meint Lynen van Berg. Die erwiesene Brandstiftung wurde nicht aufgeklärt, die Versicherung regelte glücklicherweise den Fall. Der Täter, der auch an anderen Fahrgeschäften zündelte, blieb unentdeckt.

Eine ganz bestimmte dauerhafte Erinnerung hat der Schausteller an diesen dramatischen Zwischenfall: Mit dem Imbiss verbrannte auch eine davor stehende Kastanie. Auf eigene Kosten hat Lynen van Berg an ihre Stelle eine Linde pflanzen lassen. „Das ist meine Linde“, sagt er schmunzelnd. Aber er werde den Baum nicht mitnehmen, wenn er einmal endgültig seinen Platz auf dem Rummel in Erkelenz räumen wird, versichert er.

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