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Erkelenz: Revier-Tour der Zukunftsagentur Rheinisches Revier

Dialog zum Tagebau in Erkelenz : Jetzt die Zukunft gestalten

Die Zukunftsagentur Rheinisches Revier (ZRR) war auf Revier-Tour. Das Ziel lautete: Unterschiedliche Ideen und Wünsche zu sammeln, was nach dem Braunkohletagebau Garzweiler II kommen soll.

„Wenn wir das jetzt nicht angehen, geht das unter.“ Bürgermeister Peter Jansen hat eine klare Haltung, wenn es um die Zeit nach dem Braunkohletagebau Garzweiler II geht. Er ist froh, dass Erkelenz darüber spricht, die Zukunftsprojekte anzugehen, auch wenn die Zeitschiene noch lang ist. Umso mehr arbeitete er am Freitagvormittag daran, mit den Bürgerinnen und Bürgern auf dem Marktplatz ins Gespräch zu kommen. Dort machte die Zukunftsagentur Rheinisches Revier (ZRR) im Rahmen ihrer Revier-Touren Station. Das Ziel: Vom Braunkohletagebau Garzweiler II betroffene Menschen und weitere Interessierte sollten erklären, wie sie sich ihr Erkelenz in der Zukunft vorstellen.

Im Juni 2021 will die Zukunftsagentur Rheinisches Revier ein Wirtschafts- und Strukturprogramm erarbeitet haben, das als Grundlage für die Zukunft der Tagebauregion gelten soll und das auch die Basis dafür sein soll, wie die Mittel aus dem Strukturförderungsgesetz des Bundes verteilt werden. Rund 15 Milliarden Euro sollen in den nächsten 20 Jahren in die Region der Tagebaue Garzweiler, Hambach und Inden fließen, um nach dem Aus der Braunkohle den Strukturwandel erfolgreich zu bewältigen. „Wir sind der Politik schon einen Schritt voraus“, meinte ZRR-Geschäftsführer Ralph Sterck. In der Region gebe es im Sofortprogramm plus und dem Starterpaket schon rund 100 Projekte, die im Vorfeld des eigentlichen Programm auf ihre Förderwürdigkeit geprüft werden. „Das zeigt, hier gibt es Bewegung.“ Zu den jetzt schon initiierten Projekten gehört das zukünftige Grüne Band am Tagebau Garzweiler II ebenso wie das geplante Dokumentationszentrum in Holzweiler.

Die Bürger stiegen auf dem Erkelenzer Marktplatz gut in die Diskussion ein, nutzen die Gelegenheit, um auf Zetteln ihre verschiedenen Wünsche und Ideen zu notieren. „Hier in Erkelenz kommen erfreulicherweise sehr viele Anregungen zusammen“, sagte Ralph Sterck, der unter anderem zu lesen bekam, dass die Tagebauranddörfer besonders gefördert werden sollten, dass es generell um nachhaltige Planung gehen soll, dass an Radwege gedacht werden müsste, dass sich eine umweltfreundliche Industrie ansiedeln müsse, dass Ackerland rekultiviert werden soll.

Auf ein Problem wiesen die Bürger hin, denn: „Diese Zukunftsvisionen sind noch sehr weit weg, weil der Zeitrahmen kaum zu überblicken ist. Eigentlich geht es erstmal um das ,Jetzt’.“ Genauer gesagt brachten sie zum Ausdruck: „Wir gehen kaputt im Dreck.“ Damit spielten sie auf ihre aktuelle Situation an, denn viele fürchten um den Wertverlust ihrer Häuser, auch Landwirte sind in Sorge um ihr Land. All’ das, so betonte so mancher Besucher am Informationsstand, müsse berücksichtigt werden.

Sein Verständnis äußerte Bürgermeister Peter Jansen, der die betroffenen Menschen lobte: „Die Menschen fangen an, den Prozess zu verstehen und mitanzupacken. Siehe das Beispiel Holzweiler, wo die Menschen etwa einen Wochenmarkt organisieren. Unsere Aufgabe ist es, die Menschen mitzunehmen, ihnen zu vermitteln, dass es jetzt um Strukturfördermittel geht.“ Jansen sprach dabei auch die jüngere Generation an, „weil das die Menschen sind, die wesentlich länger mit der Thematik zu tun haben als wir. Darum ist dieser Prozess aus meiner Sicht auch für Schulklassen spannend“. Bürgermeister Peter Jansen ist in der vergangenen Zeit noch etwas aufgefallen, das er wichtig findet: „Die Corona-Zeit, in der wir alle stecken, hat als Katalysator gewirkt, denn viele Dinge, die noch kürzlich selbstverständlich waren, müssen wir neu denken. Zum Glück gibt es die Menschen, die das aktiv tun – gerade auch im Zusammenhang mit dem Nachdenken über die Gestaltung der Zukunft.“

Ralph Sterck von der Zukunftsagentur Rheinisches Revier (ZRR) hatte in Erkelenz umfangreiches Informationsmaterial wie Broschüren dabei, was die Bürger auch gerne mitnahmen. „Aktuell gibt es das Wirtschafts- und Strukturprogramm 1.0. In der Version 1.1 wollen wir die Meinungen, die die Menschen vor Ort äußern, einfließen lassen.