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Erkelenz: Professor Hiram Kümper von der Universität Mannheim erforscht Protokollbuch von 1841 bis 1888 der Erkelenzer Karnevalsgesellschaft

Altes Protokollbuch der Karnevalsgesellschaft erforscht : Neues aus der Geschichte der EKG

Selbst die Weiberfastnacht wurde bis ins 20. Jahrhundert hinein ausschließlich von Männern gefeiert: Ein Professor aus Mannheim erforscht ein altes Protokollbuch der EKG.

1832 oder 1842? „Wir lassen beide Daten so stehen. Für beide gibt es Gründe.“ Gemeint ist das Gründungsdatum der Erkelenzer Karnevalsgesellschaft (EKG), deren handgeschriebenes Protokollbuch von 1841 bis 1888 sich Professor Hiram Kümper von der Universität Mannheim vorgenommen hat. Seine Studienergebnisse stellte er im Auftrag des Heimatvereins der Erkelenzer Lande jetzt vor.

Unter dem Titel „Jeckes, Jutes … und janz anderes“ zeigte der Historiker für das Mittelalter und die frühe Neuzeit eine Fülle von Informationen zum Protokolltext auf. Dass die Recherche im Protokollbuch eine sehr schwierige war, zeigte Kümper anhand eines Blattes: Es stand ihm nur eine alte und mehr als schlechte Fotokopie zur Verfügung, in der ganze Textpassagen gar nicht lesbar sind, und das vor allem sehr typisch an den Rändern.

Dennoch: „Am 1. Spörkel (Februar) 1841 traten die nachbenannten Einwohner hiesiger Stadt […] hier im ,Löwen’ des Wirthes Peter Otten zusammen in der Absicht, eine Gesellschaft zu bilden, welche es sich um Zwecke gestellt hatte, die Feier des Carnevals wieder zu beleben, und Lust und Freude, verbunden mit einem wohlthätigen Zwecke, während der Carnevalszeit zu befördern.“ Darunter folgen die 15 Namen der Gründungsmitglieder, die wie alle anderen auch, „anständige und unverheirathete Männer“ zu sein hatten. Bis weit ins 20. Jahrhundert hinein wurde selbst die Weiberfastnacht nur von Männern gefeiert. Das Erwähnen des Wiederbelebens zeigt, dass es vorher bereits organisierten Karneval in Erkelenz gegeben hatte – durchaus 1832.

Sekundärquellen für Kümpers Recherchen fürs 19. und 20. Jahrhundert waren, und sind es weiterhin, vor allem die Lokalzeitungen, in denen große Ankündigungen der Veranstaltungen abzulesen sind, darunter eine des Jahres 1857, in der zur Feier des 25-jährigen Bestehens des Karnevalvereins geladen wird, Gründung demnach also 1832. Überhaupt geht sowohl aus dem Protokoll als auch den Zeitungen hervor, dass lückenlose Kontinuität nicht nur in Erkelenz nicht die unbedingte Realität war. Armutswellen und obrigkeitsstaatliche Verbote waren Interrupt-Anlässe.

1842 gaben sich die Gründungsmitglieder des Vorjahres ein Statut, das als die „offizielle“ Geburt des bürgerlichen Karnevals angesehen werden kann. Köln war da als Begründerin des modern-bürgerlichen Karnevals, Fastelovend oder Fasteleer, 1823 Vorbild. Und da ergibt sich eine Verbindung zu Erkelenz. Am 4. September 1842 wurde der Weiterbau des Kölner Doms als „Eintracht […] Preußens und der Rheinländer“ (vom König) groß gefeiert. Aus Erkelenz dabei: „Kaufmann Robert Gerkrath, Kaufmann P.W. Maaßen, Notar Gormanns, Pastor Freybeuter, Steuerempfänger Richenberg“ – bis auf den Pastor waren alle Mitglieder der Karnevalsgesellschaft.