Erkelenz: Postillon in Stadthalle

Der Postillon zu Gast in Erkelenz : Virtuelle Satire auf die Bühne gebracht

In der Stadthalle machte Der Postillon Station. Wie im gleichlautenden Internetportal servierten die Moderatoren eine bunte Mischung aus satirischen Nachrichten, Filmbeiträgen und Kurznachrichten.

Atombombentests der Stiftung Warentest nach Kategorien wie Ästhetik und Umweltverträglichkeit, Waffen, die wie beim Hinweis auf Zigarettenpackungen mit dem Vermerk versehen sein müssen, dass sie tödlich sein können, und Seniorenklappen, wo man betagte und pflegebedürftige Verwandte wie bei einer Babyklappe abgeben kann: Wenn von solchen Nachrichten die Rede ist, liegt der Verdacht nahe, dass das Satireportal Der Postillon seine Finger im Spiel hat.

Und genau das war nun in der Stadthalle der Fall. Dort kredenzten Anne Rothäuser und Thieß Neubert, die Originalsprecher der Video- und Radionachrichten der Satire-Internetseite, eine Reihe der besten, vergnüglichsten und auch absurdesten Nachrichten, Meldungen, Reportagen und Kurznachrichten des Postillons. Der ist seit genau zehn Jahren im Netz aktiv und hat sich bundesweit eine große und treue Fangemeinde erarbeitet – mit „ehrlichen, unabhängigen und schnellen Nachrichten“ (so die Selbsteinschätzung). Die werden gerade wegen ihrer klassischen journalistischen Darstellungsform auch gerne schon mal für bare Münze genommen. Ein lustiges Beispiel: Als Der Postillon vor einigen Jahren von der Einführung einer europäischen Fußball-Nationalmannschaft berichtete, sprach sich daraufhin AfD-Politikerin Beatrix von Storch in einem öffentlichen Facebook-Post vehement dagegen aus und warf Bundeskanzlerin Angela Merkel vor, damit auch die Fußball-EM abschaffen zu wollen.

Bei der wohl vergnüglichsten und abstrusesten Videoreportage, die Rothäuser und Neubert in der Stadthalle servierten, drängte sich aber auch für wenig ironiekompatible Zeitgenossen der Nonsenscharakter förmlich auf. Da wurde vom Schicksal eines „Mofagestrandeten“ berichtet, der mit seinem Mofa in nicht ganz nüchternem Zustand auf einer einsamen Verkehrsinsel gestrandet war und fortan dort sein kärgliches Dasein fristen musste.

Als lose Klammer der Show diente das Konzept einer klassischen Nachrichtensendung im Fernsehen: erst allgemeine Nachrichten, dann Sport und das Wetter. Wegen seines Inhalts waren es vergnügliche 90 Minuten, auch wenn man einige der Einspielungen von der Homepage her schon kannte. Ob freilich das Unterfangen, das virtuelle Medium Der Postillon fleischgeworden auch auf der Bühne zu präsentieren, geglückt ist, dahinter darf zumindest ein kleineres Fragezeichen gesetzt werden. Denn die Gagdichte bei den Moderationen bewegte sich im überschaubaren Bereich, spulten Rothäuser und Neubert ihren Part routiniert herunter.

Hallo, ich habe 4 Bilder in den Anhang gepackt, die die beiden Akteure Anne Rothäuser und Thieß Neubert bei ihrem wunderbar satirischen Programm zeigen. Herzliche Grüße Ruth Klapproth. Foto: Ruth Klapproth

Daher sei gerne auf einen aktuellen Bericht auf der Postillon-Homepage verwiesen. Da ist – wie gewohnt im seriösen Nachrichten-Stil – von der Hexe aus Hänsel und Gretel die Rede. Die habe vom Deutschen Bund für Ökologisches Bauen in diesem Jahr den renommierten „Architektur-Preis für nachhaltigen Hausbau“ erhalten – für ein Wohnhaus aus komplett essbaren Rohstoffen und damit auch biologisch voll abbaubar.

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