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Erkelenz: Porträt des Komponisten Andreas Steffens

Katzemer Saxofonist, Arrangeur, Dozent und Komponist : 24 Stunden Musik im Kopf

Andreas Steffens aus Katzem hat sich als Komponist von Filmmusik in Frankreich einen Namen gemacht. In Deutschland ist es als Interpret und Dozent gefragt. Bald möchte er seine dritte CD produzieren.

Wenn es um Musik geht, ist Andreas Steffens das, was landläufig eine „gute Adresse“ gilt. Der Mann Anfang 50, der in Katzem mit seiner Frau und drei Hunden in einem alten Haus lebt, ist Musiker durch und durch – als Interpret, als Dozent, als Arrangeur und insbesondere als Komponist.

Nach Katzem hat es ihn eher zufällig verschlagen. „Wir suchten eine Bleibe, in der wir unseren Hunden genügend Freilauf bieten konnten.“ Inzwischen will er den Ort nicht mehr missen, obwohl er mehr unterwegs ist als in seinem Haus. Erst vor wenigen Tagen ist er aus Dijon in Frankreich zurückgekehrt. Dort hat er die Vertonung eines Dokumentarfilms abgeschlossen. In Frankreich hat Steffens sich einen Ruf als Komponist für Filmmusik erarbeitet. Inzwischen sind es vier Filme, die er musikalisch unterlegt hat, bei denen er, wie er sagt, „versucht, die Stimmung und die Situation der Handelnden durch Musik zu unterstreichen“.

Wie bei der Haussuche, spielte auch hier der Zufall eine große Rolle. „Der Filmemacher Jean-Marc Bordet ist auf eine Melodie von mir aufmerksam geworden und hat sofort gemeint, sie sei die passende für seinen Dokumentarfilm über das Schicksal von Menschen in Konzentrationslager Natzweiler-Struthof im Elsass.“ So entstand eine Zusammenarbeit, die zu weiteren Filmen und zu weiteren Komposition führte. Das Komponieren von Musikstücken ist Teil des Lebens für Steffens. Er hat Theatermusiken geschaffen für das Theater am Schlachthof in Neuss, er schreibt Musik, um alten Tonfilmen eine zusätzliche emotionale Ebene zu geben, und er komponiert eigene Werke. Zwei CDs hat er veröffentlicht, eine dritte möchte er in Angriff nehmen – wenn es die Zeit erlaubt.

Auch für den von der Mosel stammenden Steffens hat der Tag „leider nur 24 Stunden“. Nach dem Musikstudium in Arnheim mit dem Schwerpunkt Saxophon hat er eine berufliche Laufbahn eingeschlagen, die von einer erstaunlicher Vielfalt ist: Steffens ist nicht nur Komponist, er ist auch Dozent für Saxophon und Bigband am Landesmusikgymnasium Rheinland-Pfalz in Montabaur, hat Lehraufträge an der Folkwanghochschule in Essen und an der Musikhochschule in Mainz und spielt als Musiker in eigenen Bands, zum Teil als Jazzmusiker, zum Teil als Saxofonist in einer in Süddeutschland sehr erfolgreichen Unterhaltungsband. Obendrein ist er zurzeit als Musiker am Schauspielhaus in Düsseldorf bei der Dreigroschenoper im Einsatz.

Viel Arbeit, „aber auch viel Freude und Spaß“, wie Steffens betont. Arbeit, die nicht ohne Erfolge blieb. So wurde die Bigband des Landesmusikgymnasiums unter seiner Leitung 2010 zur besten Jazzband in Deutschland gekürt, was den Schritt auf der Karriereleiter beflügelte. „Zwangläufig kommt man bei Auftritten mit anderen Menschen zusammen, so entstehen Arbeitsaufträge und Verbindungen.“ Bei einem Auftritt mit der Schulband in Frankreich gab es den ersten Kontakt mit dem Filmemacher. Dann war es nicht mehr weit bis zur Zusammenarbeit. „Bis jetzt habe ich Filme von Bordet vertont, die sich mit der geschichtlichen Aufarbeitung des Naziregimes in Frankreich beschäftigen, also eher dramatische, tragische, zum Teil bedrückende Filme.“ Nun schwebt Steffens ein heiterer, beschwingter Stoff vor. „Jetzt muss mal ’ne Komödie her.“

Wie aufs Stichwort setzt sich der Komponist in seinem Musikstudio im Dachgeschoss an seine Instrumente und spielt eine Melodie vor; unbekannte Klänge, die sofort im Ohr hängen bleiben und Bilder entstehen lassen. „So soll es sein“, sagt er zufrieden. Er malt die wenigen Töne aus, variiert die Melodie, es entsteht eine Tonfolge, die geradezu danach schreit, mehr aus ihr zu machen. Prompt ist Steffens wieder mittendrin in seinem Element, überlegt, tüftelt mit verschiedenen Instrumenten und speichert seine Musik ab. „Alles handgemacht“, sagt er schmunzelnd. Seine Musik kommt nicht aus der Retorte, ist nicht digital komponiert. Jedes Instrument wird von ihm oder seinen Musikerfreunden gespielt. Eigentlich fehlt „nur noch“ der passende Film zur Musik. Steffens kann warten. Es ist ja nicht so, als hätte er nichts zu tun.

An diesem Abend geht es zur Aufführung nach Düsseldorf, am Wochenende danach stehen Konzerte in Stuttgart an, in Dijon soll es ein Gespräch über die Komödie geben, die Produktion der eigenen neuen CD in einem Tonstudio in Kerpen steht an – und überall, wo es eine Pause gibt, fängt es im Kopf wieder an zu arbeiten, finden sich Töne zusammen zu neuen Melodien.