Erkelenz: Portalbogen von Kirche in Immerath (alt) unter Denkmalschutz gestellt

Von Kirche in Immerath (alt) : Eine denkmalgeschützte Erinnerung

Ein bedeutendes historisches Zeugnis legt ein Portalbogen ab, den Archäologen unter dem Immerather Dom fanden. Der Bogen ist unter Denkmalschutz gestellt worden und soll einen Platz an der Kapelle im Umsiedlungsort bekommen.

Bei Ausgrabungen ist ein historisch wertvoller Portalbogen der 1888 abgerissenen Kirche in Immerath (alt) gefunden und auf Antrag des Landschaftsverbands Rheinland unter Denkmalschutz gestellt worden. Die katholische Kirche plant, dem Portalbogen in Immerath (neu) einen dauerhaften Platz zu geben.

Nachdem der neoromanische Immerather Dom im Januar 2018 für den Tagebau Garzweiler II abgerissen worden war, untersuchten Archäologen bis 2019 das Areal. Dabei stießen sie, wie berichtet, auf Grundrisse von Vorgängerkirchen. Darüber hinaus fanden sie mehrere Bauteile einer alten Kirche, die 1888 zugunsten des neuen, größeren neuromanischen Baus abgerissen worden war.

Das Fundstück trägt auf einer erhabenen Kartusche die Inschrift „AO 1767“. Foto: Schuler/LVR-Amt für Bodendenkmalpflege

Zu den Fundstücken gehörten ein Weihwasserbecken, ein Säulenbasisteil und der verzierte Schlussstein eines gotischen Chorgewölbes. Dazu gehörte außerdem ein Portalbogen, dem die beteiligten Wissenschaftler große Bedeutung beimessen, wie Ausgrabungsleiter Alfred Schuler im Denkmalschutzantrag des Landschaftsverbands Rheinland erklärt: „Der Portalbogen von 1767 repräsentiert eine der typischen alten rheinischen Dorfkirchen, wie es sie früher in nahezu jedem Dorf gab und heute jedoch kaum noch irgendwo als Bestand gibt.

Aus der Luft war während der Ausgrabungsphase zu erkennen, dass die ehemalige Pfarrkirche St. Lambertus in Immerath (alt) zwei Vorgängerbauten hatte. Über den östlichen Chorraum der letzten Kirche hinaus ragt die Vorgängerkirche, deren Turmfundament mittig unter St. Lambertus gefunden wurde. Darauf zu führt ein Weg aus alten grauen Grabplatten. Foto: Tanja Dujmovic; LVR-Amt für Bodendenkmalpflege

Im Zuge der raschen Bevölkerungszunahme und einer allgemeinen Prosperität der ländlichen Regionen sind die alten Dorfkirchen insbesondere im letzten Drittel des 19. und frühen 20. Jahrhundert fast überall größeren und vollständigen Neubauten, die vorwiegend im neogotischen Stil gehalten sind, gewichen. Daher kommt dem Portalbogen exemplarisch eine besondere Bedeutung für die Veranschaulichung der Bausubstanz rheinischer Dorfkirchen in vorindustrieller Zeit zu.“ Der 2,13 Meter breite und einen Meter hohe Portalbogen überspannte den von 1767 bis 1770 komplett erneuerten Westturm und den darin gelegenen Haupteingang in die Kirche. Er trägt auf einer erhabenen Kartusche die Inschrift „AO 1767“. Er gehörte zu einer Kirche, über die Schuler schreibt: „So gab sich der Grundriss einer insgesamt etwa 32 Meter langen und 19,6 Meter breiten, dreischiffigen Landkirche mit gotischem Polygonalchor, vorgestelltem Westturm mit Vorhalle sowie drei Nebenkapellen als Anbauten zu erkennen. Diese 1888 abgebrochene Kirche hatte sich sukzessive aus einer einschiffigen Saalkirche mit Chorquadrat beziehungsweise einer noch älteren, kleinen und chorlosen Einraumkapelle entwickelt, die wohl aus dem 11. Jahrhundert stammt. Hauptbaumaterial war Backstein.“

In Immerath (neu) soll der Portalbogen der alten Pfarrkirche St. Lambertus hinter der neuen, 2015 von Weihbischof Karl Borsch geweihten Kapelle „als Teil eines baulichen Arrangements wiedererrichtet werden“, kündigte Hochbauamtsleiter Martin Fauck im Bauausschuss an. Zuvor aber habe der LVR bei der Unterden Denkmalbehörde der Stadt Erkelenz „den Antrag gestellt, den Portalbogen als bewegliches Denkmal unter Schutz zu stellen“.

Dem kamen die zu beteiligenden Politiker in Bau- und Hauptausschuss einstimmig nach. Damit ist nun festgehalten: „An der Unterschutzstellung besteht ein öffentliches Interesse, weil das Bodendenkmal bedeutend für die Geschichte des Menschen, seiner Religionsausübung und der ländlichen Siedlungen allgemein ist.“

Der Portalbogen war nach der Ausgrabung zunächst beim Landschaftsverband Rheinland zwischengelagert worden. Zwischenzeitlich wurde er laut Stadtverwaltung der Pfarrgemeinde übergeben.