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Erkelenz: Nur noch drei Corona-Patienten im Krankenhaus

Lage entspannt sich in Erkelenz : Nur noch drei Covid-Fälle im Erkelenzer-Krankenhaus

Im Erkelenzer Hermann-Josef-Krankenhaus hat sich die Corona-Situation deutlich entspannt. Nur noch zwei Infizierte und ein Verdachtsfall liegen dort aktuell. Chefarzt Harry Elsbernd rechnet aber mit einer zweiten Welle.

Im Erkelenzer Hermann-Josef-Krankenhaus kehrt in der Corona-Pandemie so langsam der Alltag zurück. In dem Haus, in dem Ende Februar der deutschlandweit erste am Coronavirus erkrankte Intensivpatient gelegen hatte, sind aktuell nur noch drei Corona-Patienten. Zwei von ihnen haben sich sicher mit Covid-19 infiziert, bei einem handelt es sich um einen Verdachtsfall. „Wir haben niemanden mehr, der beatmet werden muss. Das ist eine deutliche Entspannung“, sagte Chefarzt Harry Elsbernd am Mittwoch. Zum bisherigen Höhepunkt der Krise lagen wegen des Virus teilweise mehr als 20 Patienten in Erkelenz.

Seit dieser Woche, als auch eine Gynäkologie-Station wieder öffnete, sind im Hermann-Josef-Krankenhaus damit wieder alle Stationen in Betrieb. Den Blick wollen die Verantwortlichen nun wieder verstärkt auf den „normalen“ Krankenhausbetrieb richten, wie Elsbernd sagte: „Die Frage, die wir uns angesichts von 3 Covid-Patienten bei 409 Krankenhausbetten stellen müssen: Ist Covid unser einziges Thema?“ Die Antwort darauf sei selbstverständlich nein. So werde gerade auch die Anzahl an Operationen hochgefahren: „Während der Hochzeit haben wir die OPs deutlich zurückgefahren, das wird jetzt wieder mehr. Bei allen Erkrankungen, bei denen Zeit eine Rolle spielt, haben wir den Betrieb zuerst wieder aufgenommen.“ Es gehe nun darum, „Schritt für Schritt“ wieder in den regulären Betrieb zurückzukehren.

Dass die Pandemie in weiten Teilen überstanden ist, glaubt der Chefarzt allerdings nicht: „Wir rechnen damit, dass es eine weitere Welle geben wird. Das ist etwas, das wissenschaftlich, glaube ich, außer Frage steht.“ Allerdings: „Wie diese Wellen dann laufen, wie heftig sie werden, haben wir selber in der Hand. Wir bleiben wachsam und lehnen uns nicht zurück, auch wenn wir heute eine deutlich entspanntere Situation haben.“

Jann Habbinga, Chef der Krankenhausverwaltung, machte vor allem die mehr als 1000 Mitarbeiter des Hauses dafür verantwortlich, dass man die Krise gut überstanden habe: „Ich bin dankbar dafür, wie besonnen wir trotz der Panikmache um uns herum damit umgegangen sind.“ Insbesondere im Bereich der Intensivpflege sei Großes geleistet worden: „Es war nicht nur eine außergewöhliche Stresssituation, sondern auch gefährlich. Die Kollegen sind professionell, engagiert, couragiert und mutig, haben sich nicht gescheut, sich in Gefahr zu begeben.“ Insgesamt habe es in der Belegschaft nur zehn Corona-Fälle gegeben. Seit mehreren Wochen sei kein neuer hinzugekommen. Derzeit befinde sich lediglich eine Mitarbeiterin in Quarantäne, deren Mann sich infiziert habe.

Habbinga sei sich bewusst, unter welcher Belastung das Personal stünde: „Wir spüren den psychischen Druck natürlich.“ Dennoch sei die Personaldecke so dick, dass niemand Doppelschichten schieben musste. „Wir mussten auch keine Urlaubssperre verhängen, weil untereinander eine Solidarität herrschte“, sagte Pflegedirektor Stephan Demus. Wie selbstverständlich seien Kollegen aus anderen Stationen eingesprungen, um auf der Intensiv- und Corona-Station zu helfen. Die Unterstützung vieler Menschen, zum Beispiel durch Schokolade und Eis, aber auch durch simple Dankbotschaften, habe extrem gutgetan.

Insgesamt lagen in Erkelenz bislang 120 Corona-Patienten. Der jüngste von ihnen war ein 34-jähriger Mann, die meisten seien laut Chefarzt Elsbernd allerdings in einem „hochbetagten Alter“ gewesen. Wie viele Menschen dort am Virus gestorben sind, sei nur sehr schwer zu sagen. Auch deshalb, weil viele Patienten in andere Krankenhäuser weiterverlegt worden seien und es oft schwer zu differenzieren sei, ob ein Patient „an“ oder „mit“ Covid-19 gestorben sei.

Besucher müssen im Hermann-Josef-Krankenhaus, bis auf wenige Ausnahmen in Notsituationen, hingegen weiter draußen bleiben. Mit Lockerungen sei in dieser Hinsicht erst zum Monatsende hin zu rechnen. Dann soll pro Patient wieder ein Besucher pro Tag erlaubt sein.