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Erkelenz: neues Netzwerk für Integration von Flüchtlingen durch Arbeit

Flüchtlinge in Arbeit bringen : Arbeitgeber klagen über die Bürokratie

Mangelnde Sprachkenntnisse und fehlende Papiere erschweren Flüchtlingen den Einstieg in den Job, obwohl Betriebe händeringend Mitarbeiter suchen. Erkelenz initiiert ein Netzwerk zur Integration von Geflüchteten durch Arbeit.

Gelegentlich herrscht Verständnislosigkeit bei Handwerkern und Gewerbetreibenden, wenn sie von ihren Erfahrungen bei der gewünschten Einstellung oder Beschäftigung von geflüchteten Menschen sprechen. Da werden händeringend Kräfte gesucht und unter Flüchtlingen auch gefunden, doch dann kommt die Bürokratie ins Spiel. Nicht jeder geduldete Flüchtling oder anerkannte Asylbewerber kann eine Ausbildung beginnen oder eine Beschäftigung annehmen, wenn nicht alle bürokratischen Hürden genommen sind. Zugleich besteht die permanente Gefahr, dass ein Geduldeter in sein Heimatland abgeschoben wird. Hinzu kommen das Sprachproblem und das unzureichende Angebot, qualifizierte Abschlüsse bei den Sprachprüfungen zu erlangen, die eine etwaige Voraussetzung für die Aufnahme einer Ausbildungstätigkeit sind.

Wie soll Integration durch Arbeit im Kreis Heinsberg gelingen? Um diese Frage drehte sich ein Treffen, zu dem die Integrationskoordinatorin der Stadt Erkelenz, Samira Meurer, eingeladen hatte. Zahlreiche Unternehmer und Handwerker nahmen die Gelegenheit wahr, ihre Probleme und Nöte im Zusammenhang mit der Einstellung geflüchteter Menschen in einem großen Rahmen vorzutragen.

„Das Thema ,Neuzugewanderte durch Arbeit zu integrieren‘, ist ein zunehmend wichtiger Faktor erfolgreicher Flüchtlingsarbeit in den Kommunen“, sagte Meurer bei der Begrüßung der vielen Teilnehmer aus Handwerk und Handel, Behörden und Kommunen, vom Ausländeramt bis zur Arbeitsagentur, von der Flüchtlingshilfe bis zu den Sozialverbänden. Zugleich bestehe die Chance für Unternehmen, so die Integrationskoordinatorin weiter, geeignete Mitarbeiter zu finden: „Arbeitgeber sehen sich jedoch häufig mit bürokratischen Fragen und Hindernissen konfrontiert, wenn sie offene Stellen mit Zugewanderten besetzten möchten.“

Probleme bereiten den Arbeitgebern, die gerne Flüchtlinge einstellen würden, häufig die gesetzlichen Anforderungen und Rechtsverordnungen, die sie nicht kennen oder auch nicht verstehen können. Das fängt bei der Beschaffung von Papieren an, geht über die Sprachkurse und ein mögliches Arbeitsverbot bis hin zur Frage, unter welchen Voraussetzungen ein Geduldeter nach Abschluss einer Lehre in eine Festanstellung übernommen werden kann, ohne dass der Arbeitgeber befürchten muss, dass der Betroffene kurzerhand abgeschoben wird, obwohl er im Arbeitsmarkt benötigt wird und er durch seine Arbeit seine Familie ernähren kann. Die Wünsche und Vorstellungen der Arbeitgeber passen nicht immer überein mit den Aufgabenfeldern der Behörden. Hinzu kommt die fehlende Kenntnis über Vorschriften und die Unkenntniss über juristische Feinheiten. Die Ämter haben sich auf der Basis der Gesetze zu bewegen. Hier etwas zu ändern, ist Aufgabe der Politik. „Es ist das Problem, dass es große Unwissenheit gibt“, sagte Samira Meurer. Die Erkelenzer Integrationskoordinatorin sah das Ziel der Veranstaltung erreicht, Transparenz für alle Beteiligten zu schaffen, Klärungsbedarfe zu ermitteln und Lösungen zu finden.

Nach Vorstellung der Integrationskoordinatorin soll das Netzwerktreffen in einem Jahr erneut stattfinden. Doch erntete Samira Meurer mit ihrem Vorschlag keinerlei Zustimmung. Der Zeitraum erschien allen Beteiligten viel zu lang. Sie wünschten das nächste Treffen in spätestens drei Monaten, um die ersten Erfahrungen austauschen zu können.