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Erkelenz: Mirja Boes mit ihrer Abschiedstournee in der Stadthalle

"Abschiedstournee“ mit flotter Musik und frechen Sprüchen : Viel Klamauk am „Flachwitztag“

Mirja Boes verabschiedet sich in Erkelenz von der Bühne – und kommt vielleicht wieder. Wie in einem Club saßen die Zuschauer in der Stadthalle an kleinen Tischen und ließen sich von der 47-Jährigen unterhalten.

Ob Mirja Boes ihr Versprechen einhält und tatsächlich zum Adventsdorf am Alten Rathaus nach Erkelenz kommt, „wenn Schnee liegt“, bleibt abzuwarten. Bei ihrem Auftritt in der Stadthalle mit dem Programm „Auf Wiedersehen Hallo – Die Willkommenabschiedrevue“ stellte sie jedenfalls ein Wiedersehen in Aussicht. Dabei sollte möglicherweise mit diesem Programm der vermeintliche Rückzug von Boes aus der Öffentlichkeit nach über 24-jähriger Bühnenpräsenz beginnen, aber wahrscheinlich meint sie es genauso ernst wie manch andere Größe im Showgeschäft, bei der nach der ersten Abschiedstournee die zweite und danach die dritte und … – sie macht halt den „Howie“.

Bei ihrem Auftritt in Erkelenz, bei dem das Publikum an kleinen Tische wie in einem Club saß, plapperte und witzelte sich die 47-Jährige durch ein Programm, das mit einem langen Monolog über die Erfahrungen bei einer Darmspülung begann und mit dem Umgang bei Menstruationsbeschwerden noch lange nicht zu Ende war. Die meisten Zuhörer, die gekommen waren, wussten, was sie zu erwarten hatten: Eine freche, bisweilen derbe Darstellung des Lebens aus Sicht einer Frau und zweifachen Mutter, ein Feuerwerk der guten Laune mit viel Klamauk an einem „Flachwitztag“.

Die schon mit blau-weißen Luftballons karnevalistisch geschmückte Stadthalle lieferte den passenden Rahmen, wenn Boes über die Bühne fegte und dabei ihre Lieder „Ich pinkel deinen Namen in den Schnee“ oder „Ich werd’ zum wilden Tier, wenn ich menstruier‘“ zum Besten gab. Dann kamen auch die sechs Akteure ihrer Begleitband „Honkey Donkeys“ – „die bestgelaunteste und bestgekleidetste Band des Abends“ – zum Einsatz, die sich ansonsten bei den minutenlangen Monologen von Boes brav und artig in eine Ecke verkroch, um Karten zu spielen und zu trinken.

Das Themenspektrum ist weit gefächert: Die Kindererziehung habe sie an den Nagel gehängt, meinte Boes beiläufig, sie lungere lieber vor dem Fernseher und schaue „Strudel“, womit sie „Sturm der Liebe“ meint. Sie bedauere alle Frauen, die Männer an ihrer Seite haben, die glaubten, Gesangsunterricht nehmen zu können. Und prompt folgte ein „Lied für alle Frauen, die zu Hause einen Mann mit Männerschnupfen“ pflegen müssten. Das sei fast schon aktive Sterbehilfe.

Dass sie in ihrer Anfangszeit als „Möhre“ mit „20 Zentimeter“ den „größten internationalen Ballermannhit der Welt“ gesungen habe, hielt Boes ihrem Publikum nicht vor. Wie es sich für eine „Abschiedstournee“ gehört, musste sie den Blick auf ihren Karrierebeginn selbstverständlich im Repertoire haben. Zahlreiche Weltstars hätten ihr Erscheinen zugesagt, Rihanna etwa oder Helene Fischer, um den Superwelthit „20 Zentimeter“ zu singen. Aber sie hätten kurzfristig die Reise nach Erkelenz absagen müssen. So blieben für Boes und das Publikum nur die Interpretationen durch die „Honkey Donkeys“ in Rollen als Wildecker Herzbuben, Elvis, Rammstein, Udo Lindenberg und Luciano Pavarotti – und deren Erkenntnis zur Übertreibung: „Nie im Leben, kleiner Peter“. Ob das auch für den Boes-Besuch zur Weihnachtszeit in Erkelenz gilt: Nie im Leben?