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Erkelenz: Kabarettist Robert Griess mit neuem Programm in der Stadthalle

Kabarett mit Robert Griess in Erkelenz : Das „Griesskorn“ im Getriebe

Kompromisslos und treffsicher: Das ist der Kölner Kabarettist Robert Griess, der erstmals in der Stadthalle am Franziskanerplatz gastierte. Der Titel seines Programms lautete „Hauptsache, es knallt!“

Mit seinem Programm „Hauptsache, es knallt!“ war der Kölner Kabarettist Robert Griess zum ersten Mal in der Erkelenzer Stadthalle zu Gast. Dass der Name Programm ist, stellte er schon mit seinem Einzug auf die Bühne klar: Zu Rammsteins „Amerika“ und mit Trump-Maske ließ er eindrucksvoll erahnen, wie der komödiantische Abend noch verlaufen sollte.

Nicht umsonst wurde Griess vom Kölner Stadtanzeiger bereits als „schnellste und frechste Klappe von Köln“ betitelt – Griess beweist sich bei all seinen Pointen als kompromisslos und treffsicher. Zunächst kritisierte er Trump, der weltweit schlechtes Benehmen wieder salonfähig gemacht habe. Kein Wunder, dass Amerika gerne in den Krieg zöge, sagt er, wenn doch die Überlebenschancen der Soldaten aufgrund der in Amerika grassierenden Waffengewalt im Ausland statistisch höher seien als daheim. Doch auch die hiesige politische Szene bekam von Robert Griess ihr Fett weg. „Wir haben selbst genug Baustellen und machen uns zu Genüge lächerlich, da müssen wir nicht auf Amerika zeigen“. Quer durch die Parteien hinweg legte er den Finger auf Wunden, die von „politischer Inkompetenz“ gerissen wurden und bezeichnete beispielsweise Verkehrsminister Scheuer als „menschgewordenen Nervenzusammenbruch“.

Er ging auch spitzfindig auf die derzeitige Misere der Künstler und Solo-Selbstständigen ein, zu denen er selbst zählt. „Zum Glück habe ich mir – im Gegensatz zur Lufthansa – in den vergangenen Jahren Rücklagen aufgebaut.“ Er hinterfragte, was eigentlich mit Werten wie Chancengleichheit und Solidarität passiert sei, schließlich sei es damit nicht erst seit der Corona-Krise im Argen. Dafür schlüpfte er von Rolle zu Rolle, demonstrierte mit Bettlaken „Defragmentierung und Souveränitätsverlust des Menschen in Quarantäne“ oder belehrte als „Kölscher Assi-Adel“ über Hartz IV und den knapp vereitelten „Fenstersturz zu Kölle“. Auch die Privatsender nahm er ins Visier – dafür, dass die Fernsehunterhaltung von RTL und Co. beim Versuch, sich im „Niveaulimbo“ gegenseitig zu unterbieten, den Stolz und die Ehre der Arbeiterklasse vollends geschröpft habe.

Leicht grölig daherkommende Gesangseinlagen wie „Der Fisch stinkt vom Kopf her“ machten Griess’ in Satire gewandeten Frust ob der momentanen Zustände genauso offenbar wie seine Einlagen zu Verschwörungstheorien. Es gibt kein unangenehmes Thema, mit dem Griess nicht abrechnet – so auch die Wohnungsnot, wenn er den schmierigen Makler gibt, der Obdachlosen trotz horrender Preise den „neu erschlossenen“ Schlafplatz unter der Leverkusener Brücke schmackhaft machen will. „Auch der Fall eines Hochwassers ist vertraglich geregelt – Mit dem Wegschwimmen von Mobiliar und Bewohnern endet das Mietverhältnis“.

Was bei einem Kabarett-Abend mit Robert Griess passiert, überschreitet mehr als einmal die Grenzen der bissigen Satire. Trotz hohem Lachfaktor macht sich bemerkbar, dass es unter der Oberfläche brodelt – Kabarettist Robert Griess scheint wütend auf die schlimmer werdenden Ungerechtigkeiten und Ungleichheiten in der nationalen und internationalen Gesellschaft, und er scheut sich auch nicht davor, beim Anprangern ebendieser unbequem zu sein. „Solange mit alten Mustern gutes Geld verdient wird, wird Veränderung nicht freiwillig aus den Vorstandsetagen kommen. Mit grüner Selbstgerechtigkeit kommen wir allerdings auch nicht weiter“.

Mit Rollenspielen, Gesang und Ukulele ermutigt er das Publikum, wieder Sand im Getriebe zu sein, hielt seinen Zuschauern aber auch oft genug den Spiegel der Partizipation vor. Diesbezüglich zeigte er sich selbstreflektiert: „Bei der Art Kabarett, die ich mache, erwarte ich nicht, dass es allen gefällt“. „Hauptsache, es knallt“ kann schwer als „Wohlfühl-Kabarett“ bezeichnet werden – doch der Applaus, den Robert Griess in Erkelenz erntete, machte die Begeisterung für seine satirische Bühnenarbeit lautstark deutlich.