Erkelenz: Jubiläum für Mittsommernachtslesung auf Altem Friedhof Brückstraße ein Erfolg

Lesung auf dem Alten Friedhof : Das Horrormärchen von der Steuererklärung

Hastenraths Will gratulierte der Mittsommernachtslesung auf dem Alten Friedhof an der Brückstraße zum Fünfjährigen. Zum Höhepunkt wurde der Auftritt der 16-jährigen Valerie Schippers aus Ratheim.

Die fünfte Mittsommernachtslesung, die zugleich die 25. Veranstaltung der Erkelenzer Leseburg war, wird wohl allen Beteiligten lange in Erinnerung bleiben. Auf dem Alten Friedhof an der Brückstraße in Erkelenz gaben sich bekannte und überraschende Autoren und Kulturschaffende gewissermaßen die Taschenlampe in die Hand, um einem erwartungsfrohen Publikum eine schöne und angenehme Lesenacht zu bereiten.

Die Messlatte hatte nach den Mittsommernachtslesungen der vergangenen vier Jahre hoch gelegen, zumal es zum Jubiläum einige Überraschungen geben sollte, an denen die Leseburg-Aktiven Felix und Helmut Wichlatz, Jörg Grätz und Kurt Lehmkuhl lange gefeilt hatten. Premiere feierte zunächst Elke Wenk aus Erkelenz mit ihren Kurzgeschichten, in denen das Mystische und Kriminelle den Alltag der Protagonisten aus ihrem Heimatort unerträglich machen. Für einen endete jede Geschichte tödlich. Hörbuchsprecher René Wagner steuerte eine merkwürdige Geschichte bei, in der ein Mann seine Seele an den Teufel verkaufte. Teuflisch ging es auch bei Kurt Lehmkuhl zu, der bei einem Auszug aus der Geschichte „Die Mutprobe“ aus seinem aktuellen Buch „Der Manöverschaden“ einige übermütige Männer zur Geisterstunde über einen Friedhof jagt. Heikel wurde der Auftritt von Hastenrath Will, einem der Überraschungsgäste, der mit dem Fahrrad aus Saffelen angeradelt war, um zum Jubiläum zu gratulieren und Horrormärchen zu erzählen, etwa das von seiner Steuererklärung.

Zum absoluten Höhepunkt der abwechslungsreichen Mittsommernachtslesung wurde der Auftritt der 16-jährigen Valerie Schippers aus Ratheim. Die Schülerin faszinierte mit Poetry Slam das Publikum, ob es mit „Sturm und Drang“ war oder mit dem Gedicht, das sie zur Beerdigung ihres Opas verfasst hatte. Die Begeisterung für die Schülerin war so groß, dass sie vom Fleck weg von Zuhörern für weitere Lesungen verpflichtet wurde.

Punkt Mitternacht war der Spuk vorbei. Bei einsetzendem Regen verließen die gut unterhaltenen Besucher allesamt wohlbehalten mit ihren Klappstühlen und geleerten Weinflaschen den Alten Friedhof, auf dem die übliche, gespenstige Ruhe einsetzte. Das Team der Leseburg sah mit dieser fünften Auflage der Mittsommernachtslesung seinen Auftrag erfüllt, mit neuen und ungewöhnlichen Literaturformen auf die künstlerische Vielfalt aufmerksam zu machen.

(RP)
Mehr von RP ONLINE