1. NRW
  2. Städte
  3. Erkelenz

Erkelenz: Ja zu Kirche und Karneval

Worte Zur Woche : Ja zu Kirche und Karneval

Nur noch 16 Tage bis Rosenmontag. Der Sitzungskarneval hat das Rheinland längst fest im Griff. Jetzt sorgt ein Novum in der Geschichte des Bundes Deutscher Karneval (BDK) deutschlandweit für Furore.

Mit Propst Markus Bruns (50) als Prinz, Pfarrvikar René Mertens (44) alias Jungfrau Reni und dem evangelischen Pfarrer Martin Jordan (54) als Bauer agiert beim Heinsberger Karnevalsverein ein Dreigestirn, das ausschließlich aus Pfarrern besteht.

Das karnevalistische Engagement der Geistlichen sorgt nicht überall für Beifall. Im Gegenteil. So hat sich diese Woche der Münchner Kommunikationswissenschaftler und Hochschulprofessor Michael Schaffrath zu Wort gemeldet. Er halte nichts von Faschingsauftritten Geistlicher bei Sitzungen und Umzügen, Schunkeln oder gar Bützen gehöre nicht zum Stellenprofil dieses Berufs. "Für mich gehören Priester auf die Kanzel oder an das Bett von Kranken und Sterbenden, aber nicht in eine Bütt", wird der Hochschullehrer zitiert. Er könne sich nicht vorstellen, dass man mit Narretei Menschen für den Glauben neu gewinnen kann.

Ich bin da vollkommen anderer Meinung und halte es lieber mit Willibert Pauels. Der Diakon steht als "Ne bergische Jung" mit Pappnase im Karneval auf der Bühne. Er zeigt, wie man auf gelungene Weise Humor mit urchristlichen Botschaften wie der Aufforderung zu Toleranz und Nächstenliebe verbinden kann. Und er zeigt auf der Bühne tiefes Verständnis für menschliche Schwächen. Zu Recht weist Willibert Pauels auf die historisch enge Verbindung von Kirche und Karneval hin. Bis zum 15. Jahrhundert gab es in der Ostermesse das Osterlachen. Man lachte den Tod aus. Der Priester erzählte deshalb von der Kanzel einen Witz. "Geistliche", sagt Pauels, "waren die ersten Büttenredner."

  • Köln und Düsseldorf - die beiden
    Düsseldorf gegen Köln : Karnevalshochburgen im Zahlen-Duell
  • Ehemalige Schüler berichteten im Cornelius-Burgh-Gymnasium von
    Europatag : Gymnasiasten entdecken die Europäische Union
  • Insgesamt zehn Pokale holte Marvin Conen
    Hip-Hop : Tänzer aus Erkelenz holen Titel als Westdeutsche Meister

Kirche und Karneval haben viele Berührungspunkte. Darum liegen die Karnevalshochburgen auch heute noch in den Gebieten, die stark vom Katholizismus geprägt wurden. Es wäre schön, wenn der christliche Gedanke wieder mehr in den Vordergrund rücken würde. Deshalb ist das erste geistliche Dreigestirn aus Heinsberg auf dem richtigen Weg und praktiziert, ganz nebenbei, bis Aschermittwoch lebendige Ökumene. Karneval hat, wie das Christsein auch, vor allem mit Menschen zu tun. Vielleicht ist das gesellige Beisammensein in der Gemeinschaft sogar der wichtigste Aspekt. Karneval bietet aber auch die Chance, aus dem alltäglichen Leben auszubrechen, Sorgen, Aufgaben und Ziele mal für einen Moment vergessen zu dürfen.

Also, lassen Sie es sich gut gehen, die Karnevalszeit ist dafür wie gemacht (und die Fastenzeit kommt bestimmt). Was halten Sie vom Engagement des geistlichen Dreigestirns in Heinsberg? Schreiben Sie mir an:

(RP)