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Erkelenz: Heilig-Kreuz-Kirche in Keyenberg wird doch nicht entwidmet

Bistum pfeift Pfarrei zurück : Keyenberger Kirche wird vorerst doch nicht entwidmet

Überraschende Wendung in der Posse um die Heilig-Kreuz-Kirche in Keyenberg: Nach einer Entscheidung des Bistums Aachen soll nun erst eine neue Leitentscheidung abgewartet werden. Die Erkelenzer Pfarrei Christkönig wollte die Kirche im März entweihen.

Die für den 21. März von der Pfarre Christkönig angestrebte Entwidmung der Heilig-Kreuz-Kirche in Keyenberg findet nicht statt. Nach ausführlichen Beratungen im Priesterrat hat Bischof Helmut Dieser entschieden, dem Antrag des zuständigen Kirchenvorstandes von St. Lambertus Erkelenz auf Entwidmung vorerst nicht zuzustimmen. „Der Antrag auf Entwidmung ist nicht abgelehnt, sondern die endgültige Entscheidung darüber ist verschoben worden“, betont der Aachener Bischof. Die Kirchengemeinde sei vertraglich gebunden, die entwidmete Kirche an RWE zu übergeben. „Aber das muss nicht jetzt, sondern kann auch später geschehen.“ Das Erkelenzer Dorf Keyenberg ist wie sechs weitere akut vom heranrückenden Braunkohletagebau Garzweiler II bedroht und soll in wenigen Jahren beansprucht werden.

Der politische Entscheidungsprozess über die Zukunft der Dörfer habe eine neue Dynamik erhalten. „Ein Erhalt der Dörfer ist möglich und eine konsequentere Reduktion der Tagebaue und der CO2-Emissionen sind zum Klimaschutz dringend nötig“, so der Bischof mit Blick auf die ausstehende Leitentscheidung der NRW-Landesregierung. Diese werde im April erwartet. „Liegt diese Leitentscheidung vor, wird der Priesterrat über die dann neu gegebene Situation beraten und vor diesem Hintergrund den Antrag erneut prüfen.“

Endgültig war der an die Öffentlichkeit gelangte Termin  für die von allen Gemeindegremien in Erkelenz einstimmig beschlossene Entwidmung, der 21. März, nicht, weil noch der Priesterrat und letztendlich Bischof Dieser zustimmen müssten, so hatte Pfarrer Werner Rombach vor der Entscheidung in Aachen betont. Nach dem Beschluss des Priesterrates wollten er und die Pfarre Christkönig sich nicht äußern und verwiesen auf die Zuständigkeit in Aachen, „da mit sofortiger Wirkung die Entwidmung der Hl. Kreuz-Kirche Keyenberg von Aachen aus geplant und umgesetzt wird“, wie es auf Anfrage heißt.

Bleiben durch die Leitentscheidung die Erkelenzer Ortschaften erhalten, werde das Bistum Aachen gemeinsam mit der Pfarrei Christkönig in Erkelenz neue Perspektiven entwickeln müssen, wie das kirchliche Leben vor Ort gestaltet werden kann, erläutert das Bistum. „Mir ist bewusst, dass das alles in einem großen Spannungsfeld steht: Viele Mitglieder der Ortsgemeinde, die jahrelang gegen die Umsiedlung gekämpft haben, sowie die kirchlichen Gremien möchten endlich  abschließen. Für sie ist die Entwidmung der Kirche in Keyenberg gleichzeitig ein wirklicher Neubeginn in (Neu-)Keyenberg. Ein anderer Teil setzt sich weiterhin dafür ein, dass Keyenberg erhalten bleibt. Diese Positionen gilt es, gegenseitig zu respektieren“, sagt Bischof Dieser.

Aufgabe der Kirche sei es, die Menschen am Ort zu begleiten, Brücken zwischen ihnen zu bauen. „Denn es geht auch um das soziale Klima: Im rheinischen Braunkohlegebiet sollen nach der Kohle nicht Verlierer und Gewinner übrig bleiben“, betont Helmut Dieser. Besonders beeindrucke ihn sowohl das soziale als auch das ökologische Engagement der jungen Generation in der Braunkohleregion.

Im Oktober 2020 hatte die  NRW-Landesregierung den Entwurf für eine neue Leitentscheidung zum Braunkohletagebau vorgelegt. Zu diesem Entwurf hat das Bischöfliche Generalvikariat Aachen im Dezember 2020 im öffentlichen Beteiligungsprozess Stellung bezogen. Die Stellungnahme fokussiert sich auf den Klimaschutz. Die zu erwartenden CO2-Emissionen aus dem geplanten Tagebau würden die Erreichung der Pariser Klimaziele gefährden. Ein erst Mitte Dezember 2020 bekannt gewordenes, für die Bundesregierung erstelltes Gutachten aus dem Jahr 2019 zeige Alternativen zu der gegenwärtigen Planung auf, mit denen die vom Generalvikariat benannten Handlungsoptionen möglich werden. „Diese Möglichkeiten sollte die Landesregierung NRW nun in der neuen Leitentscheidung nutzen und absichern“, heißt es in der Stellungnahme.

Hier kommen Sie zum Kommentar: Hoffnung aus Aachen, Resignation aus Erkelenz.