Erkelenz: Grundschule Kückhoven besucht Ultraleichtflugplatz Erkelenz

Kückhovener Grundschule besucht Flugplatz : Ultraleichtflugzeuge wecken Neugier

85 Flugzeuge sind auf dem Ultraleichtflugplatz in Kückhoven beheimatet. 140 Piloten hat der Verein, der den Platz mit 450 Meter langer Landebahn, Tower und Follow-me-Car betreibt. 25 Grundschüler lernt ihn aus der Nähe kennenlernen.

Wohnen auch viele der 25 Viertklässler der Kückhovener Grundschule im Ort, ist es doch für die meisten das erste Mal, dass sie das Ultraleichtfluggelände besichtigen. In ihrer Abschlusswoche besuchten sie bereits ein Erdbeerfeld und den Vergnügungspark Irrland bei Kevelaer – jetzt lernen sie die wichtigen Bestandteile des Flugplatzes wie Landebahn, Tower, Follow-me-Car und die Ultraleichtflugzeuge kennen.

„Ab dem Alter von 16 Jahren kann man hier anfangen und später vielleicht Pilot von Eurowings oder Lufthansa werden“, erzählt Christoph Wassenberg zur Begrüßung der Schüler, der Vereinsmitglied ist, selbst fliegt und an der Flugschule als Lehrer unterrichtet. „Wir sind ein Verein und kein kommerzieller Club“, fügt Vorsitzender Frank Rucman an, der ebenfalls Pilot ist. „Alles, was ihr seht, gehört dem Verein.“ Auf dem Gelände sind 85 Flugzeuge untergebracht und es gibt 140 Piloten. Der Sonderlandeplatz ist nach Vereinsangaben der größte reine Ultraleichtflugplatz in Deutschland.

Die Mädchen und Jungen hören aufmerksam zu. Neugierig lassen sie ihre Blicke über die grasbewachsene Start- und Landebahn sowie zum daneben stehenden Turm mit großen Glasflächen schweifen. Etwas später lernen sie die Zeichen kennen, die vor allem noch bei Funkausfall neben dem Turm eingestellt werden. So das gelbe Kreuz, das anzeigt, dass der Platz für den Flugbetrieb gesperrt ist und nur Notlandungen möglich sind.

Beim Gang über die lange Start- und Landebahn kommt auch der Unfall zur Sprache, zu dem es im November vergangenen Jahres gekommen war: Beim Zusammenstoß zweier Ultraleichtflugzeuge war ein Pilot notgelandet und der andere gestorben. Nach 30 Jahren unfallfreier Zeit hat die Verkettung unglücklicher Umstände zu diesem Unglück geführt, bedauern Christoph Wassenberg und Frank Rucman. Die Untersuchung des Unfalls durch die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) dauere noch an. Inzwischen sei die Regelung für Ein- und Abflüge zur Erhöhung der Sicherheit entsprechend angepasst worden.

Im Hintergrund zeugen Bewegungen und Geräusche davon, dass ein Flieger startbereit ist. Schüler und Erwachsene gehen zum Tower. Wie die Flugleiter sonst, sind die Kinder in Kleingruppen von Utensilien wie Fernglas, Funkgerät, Wetterstation und Computer umgeben. Auf dem PC-Bildschirm beobachten die Leiter mit Hilfe der kostenlosen App Flightradar24 die Flugzeuge und bekommen Flughöhe, Geschwindigkeit oder Reiseziel angezeigt, klärt Frank Rucman die jungen Besucher auf. Sie geben vom Tower aus Lande-, Ausweich- und Sicherheitsinformationen an die Startenden und Landenden heraus. Auf dem Boden steht den Leitern zusätzlich das Follow-me-Car für Einsätze auf dem Fluggelände zur Verfügung.

„Nur anschauen und nicht anfassen“, bittet Christoph Wassenberg zum Abschluss, nachdem er eins der bis zu 472,5 Kilogramm Abflugmasse umfassenden Ultraleichtflugzeuge aus dem Hangar herausgeholt hat. Er verweist auf den normalen Kolbenmotor unter der Haube, mit dem das leise Flugzeug meist weniger verbrauche als ein Pkw. Dann deutet er auf den Staudruckmesser an einer Tragfläche, der dem Pilot das Tempo anzeigt. Im Cockpit gibt es Fußpedale, mit denen der Pilot Seitenruder und die Rollen am Boden regelt, sowie einen Steuerknüppel für Quer- und Höhenruder – vom Prinzip sei die Steuerung exakt die gleiche wie in großen Maschinen.

Eine ovale, verschlossene Aussparung auf dem Dach erregt die Aufmerksamkeit der Schülerschar: Darin befindet sich eine Rakete nebst Fallschirm, der das Flugzeug mit Passagieren im Notfall sicher zu Boden bringen würde. Bei einem Motorausfall könnte es zudem segeln, erzählt Wassenberg.

Ein Blick in den Hangar, in dem die Doppel-, Tief- und Schulterdecker auf zwei Ebenen untergebracht sind, beeindruckt die Gäste sehr. Tom, der hier bereits mehrfach mit seinem Opa und Papa geflogen ist, ist von der ganzen Exkursion ebenso begeistert. Er habe vorher noch gar nicht so viel gewusst, was sich jetzt geändert hat. Laura hat schon oft Flugzeuge über ihrem Garten in Wockerath gesehen und findet es gut, jetzt alles über sie zu wissen. Ilke haben vor allem die Landebahn mit brennenden Lichtern und die Halle gefallen, während Tim es toll findet, im Tower gestanden zu haben, als ein Flugzeug gestartet ist. Er ist zudem überrascht davon, wie viele Flugzeuge es auf dem Gelände gibt. Schulleiter Markus Johnen hat mit den Kindern in deren Abschlusswoche bewusst lokale Unternehmen besucht. Er wird an diesem Morgen vom Schulpflegschaftsvorsitzenden Marcel Kornik begleitet.

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