Polizei ermittelt gegen Manoj Subramaniam Grünen-Ratsmitglied soll rechte Straftaten vorgetäuscht haben

Update | Erkelenz · Hat der Erkelenzer Kommunalpolitiker Manoj Subramaniam rechtsextreme Straftaten vorgetäuscht? Gegenüber seinen Parteikollegen gab er zu, die Bedrohung gegen ihn erfunden zu haben. Sein Ratsmandat legte er am Freitag nieder.

Manoj Subramaniam wandte sich mit dem auf sein Auto geschmierten Hakenkreuz im Juli an die Öffentlichkeit.

Manoj Subramaniam wandte sich mit dem auf sein Auto geschmierten Hakenkreuz im Juli an die Öffentlichkeit.

Foto: Christos Pasvantis

Im Fall des Grünen-Ratsmitglieds Manoj Subramaniam aus Erkelenz, der in den vergangenen Wochen und Monaten gehäuft Opfer rechtsextremer Straftaten geworden sein soll, bahnt sich möglicherweise eine überraschende Wendung an. Der Staatsschutz der Polizei Aachen hatte in Abstimmung mit der Staatsanwaltschaft Mönchengladbach im Juli intensive Ermittlungen aufgenommen, nachdem es immer wieder zu neuen Attacken gekommen sein soll. Parallel dazu ergriff die Polizei Heinsberg Schutzmaßnahmen, um den Kommunalpolitiker vor von ihm befürchteten Schaden zu bewahren.

 Im Rahmen der polizeilichen Ermittlungen erhärtete sich nun der Verdacht, dass es nicht zu den angezeigten Straftaten kam, diese vielmehr vorgetäuscht sein sollen und eine Bedrohungslage daher nicht vorlag. Dies teilten Staatsanwaltschaft Mönchengladbach und Polizei Aachen am Freitag in einer gemeinsamen Erklärung mit. Durchsuchungen und eine Vernehmung des Beschuldigten hätten diesen Verdacht erhärtet. Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln in diesem Zusammenhang. Aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes des Verdächtigen wollte die Polizei keine weiteren Angaben dazu machen, welche Verdachtsmomente oder Indizien die Ermittlungen gegen den Grünen-Politiker ins Rollen gebracht haben. „Wir wissen nichts über das Motiv des Mannes“, so eine Polizeisprecherin auf Nachfrage.

Der Tatverdächtige selbst war am Freitag trotz mehrmaliger Kontaktversuche weder telefonisch noch per E-Mail für eine Stellungnahme zu erreichen. Nach Aussage von Bürgermeister Stephan Muckel hat Subramaniam sein Ratsmandat am Freitag mit sofortiger Wirkung niedergelegt. Durch sein Handeln habe Subramaniam allen Opfern von rechter Gewalt einen Bärendienst erwiesen, sagte Muckel. Er wünsche Subramaniam Kraft und professionelle Hilfe, „um aus der Lebenskrise zu kommen“. 

Die Grünen-Ratsfraktion bestätigte am Freitag, dass Subramaniam gestanden habe, die Bedrohungen gegenüber seiner Person vorgetäuscht zu haben, und von sämtlichen politischen Ämtern zurückgetreten sei. Die Sachbeschädigungen hingegen seien passiert. „Manoj Subramaniam hat die Solidarität nicht nur der Erkelenzer Grünen, sondern aller Kommunalpolitiker im Kreis Heinsberg und darüber hinaus missbraucht. Angesichts der tatsächlichen Bedrohungen durch rechte Gewalt, denen Kommunalpolitiker und viele People of Color ausgesetzt sind, ist sein Tun unentschuldbar“, so der Fraktionsvorsitzende Hans Josef Dederichs.

Vor einigen Wochen klangen die Aussagen Subramaniams noch völlig anders: „Das mit meinem Auto war krass. Aber das hier ist noch mal was ganz anderes. Draußen habe ich zuletzt immer über die Schulter geguckt, wenn ich über die Straße gegangen bin. In meiner Wohnung habe ich mich geborgen gefühlt. Das ist jetzt vorbei, ich fühle mich zu Hause nicht mehr sicher“, sagte er im Gespräch mit unserer Redaktion, nachdem Unbekannte im August ein Hakenkreuz und SS-Runen an seine Wohnungstür geschmiert haben sollen.

Schon nach dem Auto-Vorfall hatte es in Erkelenz eine Welle der Solidarität gegeben. So auch Mitte August, als Subramaniam auf Facebook über die Schmierereien an seiner Wohnungstüre berichtet hatte. Die stellvertretende NRW-Ministerpräsidentin und Wirtschaftsministerin Mona Neubaur schrieb: „Volle Solidarität, lieber Manoj! Wir stehen unverrückbar an Deiner Seite.“ Im Juli hatten die Erkelenzer Ratsfraktionen CDU, SPD, FDP und Freie Wähler eine gemeinsame Stellungnahme veröffentlicht und sich hinter den Politiker gestellt. Auch Landrat Stephan Pusch, Bürgermeister Stephan Muckel, der Grünen-Ortsverband und der Heinsberger Grünen-Kreisverband solidarisierten sich damals mit Subramaniam.

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