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Erkelenz: Grüne Inga Maria Menzel nach Stadtrat-Debüt enttäuscht

Grünen-Politikerin aus Erkelenz : Getrübte Erwartungen beim Stadtrat-Debüt

Wir begleiten vier neue Stadtratsmitglieder durch ihre erste Amtsperiode. Den Auftakt macht die Grüne Inga Maria Menzel aus Erkelenz. Die erste Ratssitzung hat sie sauer gemacht. Deswegen hat sie einen Entschluss gefasst.

Inga Maria Menzel packte die Gelegenheit beim Schopfe, als ihre Partei sie fragte, ob sie bei der Kommunalwahl für eine Kandidatur bei den Grünen zur Verfügung stehe. „Die scheidende Ratsfrau Annemarie Schroer hatte mich angesprochen“, berichtet die junge Frau, die erst vor wenigen Wochen mit ihrem Partner aus der Erkelenzer Innenstadt nach Katzem gezogen ist. Dass sie mit gerade einmal 23 Jahren zu den jüngsten Mitgliedern im Stadtrat und in der auf 14 Personen angewachsenen Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen werden würde, war nicht unbedingt zu erwarten, aber auch nicht von vornherein aussichtslos.

So lange sie zurückdenkt, hat sich die Erzieherin im Johanniter-Kindergarten am Karolingerring, die nach dem Abitur am Cornelius-Burgh-Gymnasium und einem bei Abstecher zur Universität am Berufskolleg in Erkelenz ihre Ausbildung absolvierte, politisch engagiert. Pfarrer Frank Mischnick weckte ihr Interesse für die Umwelt- und Klimaproblematik. In der Evangelische Kirchengemeinde Titz, die er betreut,  absolviert sie derzeit auch eine weitere Ausbildung zur Organistin. Der Protest gegen des Atomkraftwerk Tihange und der Widerstand gegen den Braunkohletagebau Garzweiler II ist für die ökologisch und sozial engagierte Frau zur Herzensangelegenheit geworden. Dabei ist sie ihrer Mentorin aufgefallen. „Fridays for Future passt genau“, meint Inga Maria Menzel, die für sich in Anspruch nimmt, „nicht nur zu reden, sondern auch zu machen.“

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Bei den Grünen fühlt sich die Nachwuchspolitiker gut aufgehoben, „weil sie mit meinen Ideen am meisten übereinstimmen.“ Außerdem würde sich diese Partei mit den „Themen unserer Zeit und meiner Generation“ befassen. Zugleich stimme die Ausgewogenheit zwischen den Geschlechtern. Aber das sind nicht die Hauptgründe, die das Ratsmitglied für  eine Mitarbeit überzeugen: „Mir ist es wichtig, dass es keinen Fraktionszwang gibt.“ Es könne durchaus sein, dass sie eine andere Meinung vertritt und in einer Abstimmung kundtut.

Ihre Erwartung beim Einzug in den Stadtrat war, „dass alle zusammenarbeiten, um etwas für die Bürger zu erreichen.“ Bisher sei Politik in erster Linie Männersache gewesen. Das müsse sich ändern.  Als positiv erachtet Inga Maria Menzel die sofortige Wirkung, die Ratsbeschlüsse haben können. Vor Ort, wo die Menschen leben, werden Entscheidungen für diese Menschen getroffen.  Sie selbst will sich aktiv an der Entscheidungsfindung beteiligen und freut sich, dass sie als Neuling Sitz und Stimme im Jugendhilfeausschuss und im Ausschuss für Schule, Sport und Kultur hat.

Diese Erwartung ist nach der ersten Sitzung ein wenig eintrübt, als über einen Antrag der Grünen beraten wurde, nach dem es ein Rederecht für Bürger in den Bezirksausschüssen geben sollte. Dafür gab es zu Menzels Enttäuschung viel Gegenwind, große Chancen auf Zustimmung hat der Antrag wohl nicht. Was die 23-Jährige stört: Statt über die Sinnhaftigkeit des Antrags zu diskutieren, habe es eine „totale Machtdemonstration“ einer Ratsmehrheit gegeben, meint Menzel erbost. Damit sei genau das Gegenteil erreicht worden von dem, was alle Parteien propagieren würden, um Politikverdrossenheit vermeintlich zu überwinden. Gerade deswegen würden sie und ihre Generation in die Politik gehen, „damit viele junge Leute neue Ideen entwickeln“, aber daran scheine den etablierten, „alten“ Politikern gar nicht gelegen. Wenn es um Entscheidungen gehe,  würden weder die jungen Leute noch die neuen Ideen berücksichtigt.

Diese „Machtdemonstration“ hat bei der Nachwuchspolitikerin etwas bewirkt. „Ich muss in der Diskussion im Stadtrat deutlicher werden.“