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Erkelenz: Grevenbroicher Unternehmen interessiert an oberflächennaher Braunkohle

Garzweiler II nicht nur für RWE relevant : Braunkohle außerhalb der Verstromung nutzen

Ein Grevenbroicher Unternehmen gewinnt aus Braunkohle Huminstoffe, die als Dünger oder Reinigungsmittel dienen. Bei Landeswirtschaftsminister Pinkwart warb es jetzt für eine Änderung des Bergrechts, um auch künftig oberflächennah gelegene, verwitterte Braunkohle in Erkelenz nutzen zu können.

Die Firma Humintec GmbH mit Sitz in Grevenbroich möchte den Tagebau Garzweiler II im Erkelenzer Osten gerne weiter betreiben, wenn RWE Power die Abbautätigkeit aufgeben sollte oder müsste. „Die Braunkohle ist viel zu werthaltig, um sie zu verbrennen“, sagt Diplomingenieur Berthold Stern. Humintec-Mitinhaber Müfit Tarhan schwärmt: „Die Braunkohle im Bereich von Garzweiler II ist die beste der Welt.“

Die Braunkohle hat Humintec zu einem Unternehmen gemacht, das seine Produkte weltweit vertreibt. Aus der Kohle werden die Huminstoffe gewonnen, die als Dünger oder Reinigungsmittel dienen. „Ein reines Naturprodukt, das anders als Kunstdünger die Ackerböden und das Grundwasser nicht belastet“, sagt Stern, der wie Tahan und Mitinhaber Aydogan Cengiz den NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart bei einem Firmenbesuch davon überzeugen wollte, dass Braunkohle eine wirtschaftliche Zukunft haben kann – fernab jeglicher Verbrennung – und sie deshalb beim Strukturwandel eine große Bedeutung besitze.

Seit 40 Jahren beschäftigt sich Humintec mit der stofflichen Verwertung der Braunkohle und fristet damit, obwohl die Firma inzwischen mit rund 50 Mitarbeitern einen Jahresumsatz von über zehn Millionen Euro macht, ein Dasein im Schatten von RWE. Die stoffliche Verwertung der Braunkohle ist ein geduldeter Nebeneffekt der von RWE betriebenen energetischen Nutzung.

Maximal eine Million Tonnen Braunkohle verbraucht Humintech pro Jahr, und damit nur einen Bruchteil der rund 40 Millionen Tonnen, die RWE alljährlich in Garzweiler II abbaggert. „Wenn wir also Braunkohle fördern, dann benötigen wir allenfalls Gruben von der Größe einer Kies- oder Sandgrube“, erklärt Stern. Weder müssten Menschen umgesiedelt werden, noch würde das Grundwasser beeinträchtigt. Humintech ist nur an der oberflächennah gelegenen, verwitterten Braunkohle im Erkelenzer Osten interessiert. Der Tagebau hätte eine maximale Tiefe von 20 Metern.

Doch da liegt das Problem, auf das Humintec den Minister aufmerksam machte: Nach dem Bergrecht darf allein RWE im Tagebau Garzweiler II die Braunkohle fördern. Sollte das Unternehmen die Förderung einstellen, müsste auch Humintech seine Betriebstätigkeit beendet. „Um uns und damit auch der Region eine Zukunftschance zu geben, ist eine Änderung des Bergrechts erforderlich. Wir wollen für die Gewinnung unserer stofflich nutzbaren Braunkohle, international auch Leonardit genannt, wie beim Abbau von Kies und Sand behandelt werden:“

Pinkwart nahm die Informationen interessiert zur Kenntnis. Die Überlegungen seien hinsichtlich eines Strukturwandels der Region ermutigend. Er gab allerdings auch zu bedenken, dass RWE aufgrund des bestehenden Bergrechts sein Abbaurecht erlangt habe und dieses Bergrecht in der jetzigen Form deshalb so lange Bestand haben müsste, solange RWE seine bergbauliche Tätigkeit betreibt.