Erkelenz: Feuerwehr bildet erstmals Berufsfeuerwehrleute aus

In Erkelenz werden erstmals Berufsfeuerwehrleute ausgebildet : Feuerwehr geht neue Wege

Seit dem 1. Oktober und 1. Januar werden für Erkelenz drei Berufsfeuerwehrleute ausgebildet. „Wir müssen klar sagen, dass es in Zukunft ohne hauptamtliche Kräfte nicht mehr funktioniert“, sagt Wehrleiter Helmut van der Beek.

Draußen wird für den bau der neuen Atemschutzgerätewerkstatt gebaggert, und auch drinnen hat sich schon eine Menge verändert, vor allem im Obergeschoss, wo mittlerweile unter anderem neue Büroräume entstanden sind. „Daran hätten wir vor drei Jahren nie gedacht“, kommentiert Helmut van der Beek, der Leiter der Freiwilligen Feuerwehr der Stadt Erkelenz, die rasanten Entwicklungen. Er ist unterwegs in und an der Feuerwache, die an der Richard-Lucas-Straße gelegen ist. Zusammen mit Sven Frings, Sven Kamphausen und Simon von der Ruhr wirft er einen Blick auf das aktuelle Geschehen. Und das ist tatsächlich nicht unbedeutend, denn: Zum ersten Mal bildet die Stadt Erkelenz eigene Berufsfeuerwehrleute aus. Seit dem 1. Oktober sind Sven Kamphausen und Simon von der Ruhr in dieser Ausbildung, am 1. Januar kam Sven Frings noch hinzu.

„Wir müssen klar sagen, dass es in Zukunft ohne hauptamtliche Kräfte nicht mehr funktioniert. Aber: In Erkelenz wird keine Berufsfeuerwehr entstehen“, betont der Wehrleiter. Wichtig war der Blick auf den Brandschutzbedarfsplan, den Kommunen alle fünf Jahre neu aufstellen müssen. Helmut van der Beek: „Darin geht es um Dinge wie den generellen Ist-Zustand der Feuerwehr, um das Personal, die Geräte und besonders um die Zeiten.“ Heißt im Klartext: Acht Minuten nach einer Alarmierung muss die Feuerwehr die Einsatzstelle erreicht haben. Nachts, so van der Beek, sei das kein Problem, doch tagsüber könne es eng werden. „Wir haben schon sehr viel mit der Verwaltungsstaffel erreicht, die mit zwölf Kräften personell gut besetzt ist, doch wir müssen einen Schritt weiter gehen, so dass die hauptamtlichen Kräfte bereitstehen, den Erstangriff zu stellen.“ Und weiter: „Es ist nicht mehr selbstverständlich, dass am Tag die Freiwilligen weg von ihrer Arbeitsstelle, die teils auch weit weg von Erkelenz ist, zum Einsatz können. Hinzu kommt die Verkehrslage tagsüber, so dass es da schon schwierig wird, innerhalb dieser acht Minuten beispielsweise von der Wache zur Stadtverwaltung zu fahren.“

Künftig werden die Hauptamtlichen also die Wache tagsüber besetzen. Dazu zählt logischerweise auch der Wehrleiter selbst, der demnächst sein Büro vom Rathaus zur Feuerwache verlagern wird. Hinzugerechnet wird auch Daniel Küppers, Löscheinheitsführer in Gerderhahn, der als Gerätewart hauptamtlich im Dienst ist. Folglich werden es insgesamt fünf hauptamtliche Kräfte innerhalb der Erkelenzer Feuerwehr sein.

Sven Kamphausen, Sven Frings und Simon von der Ruhr sind keine Neulinge, alle gehören längst der Freiwilligen Feuerwehr der Stadt Erkelenz an. Jedoch bekamen sie im Verlauf des Einstellungsverfahrens keinen Bonus. Alle 45 Bewerber fingen bei Null an. Zuerst erledigten die Bewerber einen schriftlichen Test, danach folgte der praktische Teil, in dem alle ihre körperlichen Fähigkeiten unter Beweis stellen mussten. Zum Schluss folgten ausführliche Gespräche. Das Trio bringt bereits abgeschlossene Berufsausbildungen mit. Sven Kamphausen ist Fachinformatiker, Simon von der Ruhr ist Industriekaufmann, und Sven Frings ist Landmaschinenschlosser. Sie eint nun die Tatsache, dass sie ihr Hobby zum Beruf machen können.

Im Prinzip hat Wehrleiter Helmut van der Beek die Befähigung, seine Azubis selbst auszubilden, „doch dafür fehlt hier vor Ort einfach der nötige Rahmen“. Und dieser ist sehr aufwändig, so gibt es vor Ort unter anderem keine eigene Schule – darum ist Sven Frings in Mönchengladbach und Sven Kamphausen sowie Simon von der Ruhr in Duisburg, um die 18 Monate dauernde Ausbildung zu durchlaufen. Ganz oben steht die körperliche Fitness, darum nimmt der Sport einen großen Teil der Ausbildung ein. Im praktischen bzw. schulischen Alltag stehen Themen auf dem Stundenplan, mit denen die drei Erkelenzer Auszubildenden zwar längst vertraut sind, „doch es gibt mehr Zeit und Raum, um sich intensiver mit den Dingen zu beschäftigen. So bietet zum Beispiel eine Schaumübungsanlage ganz andere Möglichkeiten“, erläutert Sven Kamphausen. Unterdessen hat Simon von der Ruhr, dessen Grundlehrgang schon zehn Jahre her ist, wieder frische Impulse für seinen Alltag bei der Feuerwehr gewonnen. Klar ist: Auch wenn in naher Zukunft bestens ausgebildete Berufsfeuerwehrleute in Erkelenz ihren Dienst tun, so bleibt die Qualität der Ausbildung der freiwilligen Feuerwehrleute auf gewohnt höchstem Niveau.

Sie ebnen den Weg für die Zukunft der Erkelenzer Feuerwehr: Wehrleiter Helmut van der Beek (r.) und die drei Auszubildenden (v.l.) Sven Kamphausen, Sven Frings und Simon von der Ruhr. Foto: Ruth Klapproth

Helmut van der Beek fasst die ganze Sache so zusammen: „Letztlich bedeutet Feuerwehr, sich mit vielfältigen und komplexen Themen auseinanderzusetzen. Wichtig ist, dass Feuerwehrleute, hauptamtliche wie auch Freiwillige, stets auf dem neuesten Stand bleiben.“