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Erkelenz: Familienpraxis Daniel Perreau in Schwanenberg

Ärzte auf dem Land : „Medizin machen, wie sie früher war“

Die Familienpraxis Perreau in Schwanenberg hat sich personell vergrößert: Neben Daniel Perreau ist nun Andre Reklat für die Patienten da. Damit stellt der Praxisinhaber die Zukunft sicher – und die medizinische Versorgung.

Der Mann ist ein bekennender Freund klarer Ansagen, wohl durchdachter Strukturen und sinnvoller Organisation. „So schafft man sein Pensum auch nur – wenn alles gut strukturiert ist.“ Daniel Perreau, aus einer deutsch-französischen Medizinerfamilie stammend, sagt das in ruhigem und sachlichem Ton, auch wenn sein Job alles andere als ruhig ist. Der Mann führt seit 2006 die Familienpraxis am Rheinweg in Schwanenberg. Die Arbeit, so erläutert er, wird stetig mehr, nicht zuletzt wegen steigender Fallzahlen, wie er es nennt. Übersetzt bedeutet das: Perreau hat noch nie Patienten, die seine medizinische Hilfe gebraucht haben weggeschickt. Die Neuaufnahme von Patienten, vor allem von Kassenpatienten, die einen Hausarzt suchen, geschieht in seiner Praxis völlig selbstverständlich. Nun hat Perreau einen entscheidenden Schritt gewagt, um seine Praxis zukunftsfest zu machen: Mit Andre Reklat ist seit dem 1. März ein zweiter Mediziner in der Praxis beschäftigt, um diese leistungsfähig zu halten.

Beide Ärzte haben den Krankenhausalltag eingehend kennengelernt. Beide Ärzte haben aber auch gelernt, dass sie sich als echte Hausärzte sehen, und zwar bewusst auf dem Land. Andre Reklat, Facharzt für Anästhesie und bislang tätig im Neusser Lukaskrankenhaus, führt aus: „Die Arbeit in der Praxis ist ja nicht weniger als in einem Krankenhaus, denn es wird auch noch gearbeitet, nachdem der letzte Patient an der Reihe war. Jedoch habe ich hier die Möglichkeit, die Patienten einfach besser beobachten zu können.“ Und überhaupt: Ärzte wie Perreau (auch Facharzt für Chirurgie) und Reklat, die sich auf dem Land als Hausärzte niederlassen, werden an unzähligen Orten händeringend gesucht. „Wir wollen bewusst Zeit für zwischenmenschliche Kontakte haben. Unsere Patienten sollen sich bei uns wohlfühlen. Das hat auch mit Menschlichkeit und Fingerspitzengefühl zu tun. Wir tragen eine gewisse gesellschaftliche Verantwortung, wir sind ja eine Art Grundversorger“, sagt Daniel Perreau, dem es wichtig ist, „heute Medizin, wie sie früher war, zu machen“.

Perreau hat sich sein ganz eigenes Programm erarbeitet, mit dem er seit 2006 die Praxis erfolgreich führt. Die Praxis als solche sieht er als bloßes Grundgerüst, als wahre Stützen des komplexen Gebildes sieht er weder sich selbst, noch seinen neuen Kollegen. „Denn das ist unser Team. Das haben wir schon auf unserer umfassenden Homepage so dokumentiert. Wir als Ärzte stehen bewusst im Hintergrund. Das Team ist es, das die Praxis trägt“, unterstreicht Perreau. Bewusst hat er früh darauf gesetzt, mehr Mitarbeiter zu beschäftigen, als es in manch anderer Praxis üblich ist. Und Perreau setzt sie dafür auch entsprechend mehr ein. Im Klartext: „Ich brauche Mitarbeiterinnen, die mitgestalten und mitdenken.“ Wieder so eine klare Ansage – die Sabine Bierwisch allerdings sehr schätzt. Unter anderem ist die Medizinische Fachangestellte auch Kinderkrankenschwester. Heute ist sie so weit qualifiziert, dass sie eine VERAH ist. Als Versorgungsassistentin in der Hausarztpraxis darf sie einen speziellen Koffer nutzen und mit dem Praxisauto zu Patienten fahren. Dies ist nötig, um die medizinische Versorgung im ländlichen Raum sicherzustellen. Perreau und Reklat reagieren damit auf die Herausforderungen, die der Gesundheitsmarkt mit sich bringt. Mit VERAH stellt sie Praxis die hausarztzentrierte Versorgung sicher. VERAH funktioniert so: Beim Hausbesuch erheben Mitarbeiter wie Sabine Bierwisch Vitalparameter und senden diese an die Praxis, wo die Hausärzte sofort über Maßnahmen entscheiden können.

Für die in der Praxis Beschäftigten, für die Patienten, die in die Praxis kommen, und für die, die zu Hause besucht werden müssen, will das Team eine Art „Happy Place“ schaffen. Jeder weiß, dass er eigentlich mehr Zeit in der Praxis als zu Hause verbringt – ein gutes Klima ist daher unerlässlich. Schon der Vergangenheit hat Perrau viel dafür getan. Etwa, wenn er sein Team zu Überraschungsausflügen eingeladen hat.

Daniel Perreau und Andre Reklat blicken menschlich und medizinisch in eine Richtung. Übrigens: Dass sich beide gefunden haben, lag an dem viel gerühmten glücklichen Umstand. Reklat war nämlich Patient bei Perreau, so lernte man sich kennen. Den beiden Ärzten, dem Team und den Patienten kommt dies in vollem Umfang zugute.