Erkelenz: "Extrem harte Tage": So gehen die Reisebüros mit Thomas-Cook-Pleite um

Nach Reiseanbieter-Pleite vor den Herbstferien : Ein Happy End in der Krise

Der insolvente Reiseveranstalter Thomas Cook hat alle Reisen bis zum Jahresende abgesagt. Dagmar Recker leitet ein Reisebüro am Erkelenzer Markt und musste, wie Reisebüroleiterin Maria Erich aus Wegberg, die betroffenen Kunden informieren. In der Krise gab es aber zumindest auch ein Happy End zu feiern.

Am 23. September erfährt Doris Fünfstück über Facebook von der Insolvenz des Reiseveranstalters Thomas Cook. Wenig später klingelt ihr Telefon. Am anderen Ende der Leitung meldet sich das Erkelenzer RTD Reisebüro und teilt der Rentnerin mit, was sie zu diesem Zeitpunkt bereits befürchtet hat. Ihre für den Dezember geplante und vor allem mit 250 Euro angezahlte Türkeireise, die sie über die Thomas-Cook-Tochtergesellschaft Öger Tours im Juni gebucht hat, wird aufgrund der Insolvenz des Unternehmens voraussichtlich nicht stattfinden können. „Die Enttäuschung war natürlich riesig, und ich war am Boden zerstört“, erinnert sich Fünfstück an den Moment des Telefonats. Ob sie ihre lang ersehnte Reise nach Gündogdu – ein kleines, am Meer gelegenes Dorf nahe des Ferienortes Side – antreten kann oder ob sie zumindest das angezahlte Geld wiederbekommen wird, ist zu diesem Zeitpunkt völlig unklar.

Wie Doris Fünfstück ging es in den letzten Tagen unzähligen Betroffenden, die in diesem Jahr noch über den Veranstalter Thomas Cook oder eine Tochtergesellschaft verreisen wollten. Zunächst waren alle Buchungen für den Oktober – ausgerechnet im Monat der Herbstferien – abgesagt worden. Am Mittwoch teilte das Unternehmen dann mit, dass auch alle Reisen im November und Dezember nicht angetreten werden können. Informiert wurden die Kunden von ihrem jeweiligen Reisebüro. Eine mehr als unangenehme Aufgabe, weiß Dagmar Recker, seit über 30 Jahren Inhaberin des RTD Reisebüro am Erkelenzer Markt.

„Ich war gerade auf dem Weg zur Arbeit, als ich aus den Nachrichten von der Insolvenz erfuhr. Im Reisebüro stand das Telefon dann nicht mehr still, und auch das Mailpostfach war sofort voll“, erklärt Recker. „Das waren extrem harte Tage. Thomas Cook ist unser zweitstärkster Partner, und wir mussten dementsprechend viele Kunden trösten, standen ihnen aber natürlich auch mit Rat und Tat zur Seite.“

Die meisten Kunden reagierten verständnisvoll und waren dankbar, dass sich das Reisebüro so intensiv um alle Betroffenen kümmerte. Das weiß Doris Fünfstück zu schätzen. „Da spreche ich gerne ein großes Lob aus. Wie gut mich das Reisebüro von Dagmar Recker in dieser Situation betreut hat, war ausgezeichnet.“ Wie bei allen anderen Reisenden wird die Rentnerin sofort informiert, dass man über die Zuricher Versicherung möglicherweise Chancen auf eine Entschädigung der bislang getätigten Zahlungen haben könnte und wie man diese geltend machen kann. Damit aber nicht genug: „Das Reisebüro konnte mir den gleichen Urlaub kurzfristig auch über TUI anbieten. Da hab ich mich natürlich wahnsinnig gefreut und kann mich gar nicht oft genug bedanken“, erklärt Doris Fünfstück, die in zwei Monaten nun doch an ihren Lieblingsurlaubsort vereisen kann, strahlend.

So glücklich gingen aber leider bei weitem nicht alle Fälle aus. Das bekam auch Maria Erich, Inhaberin des Reisebüros Köster in Wegberg, zu spüren. „Es ist unfassbar traurig und gerade zu Zeiten der Herbstferien eine Katastrophe. Wir sind der erste Ansprechpartner für die Betroffenen und mussten viele Familien mit Kindern vertrösten.“ Neben den persönlichen Schicksalen leiden aber natürlich auch die Reisebüros unter diesem herben Einschnitt. „Wir vertreten zum Glück fast alle Veranstalter, die reinen Thomas-Cook-Reisebüros sind sicherlich härter betroffen. Aber auch für uns ist das sicherlich ein großes Verlustgeschäft“, erklärt Erich die finanziellen Auswirkung der ausbleibenden Provisionen.