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Erkelenz: Evangelische Kirchenkreis Jülich und Aachener Bischof Dieser zum Kohleausstieg

Katholischer Bischof und Evangelischer Kirchenkreis : Kirchen mahnen bei Kohleausstieg soziale Gerechtigkeit an

Evangelischer Kirchenkreis Jülich fordert: kein Abweichen vom Kohlekompromiss. Katholischer Bischof Dieser ermutigt: Verständigungsbereitschaft erhalten.

Einen Aufruf, den Kompromiss der Kohlekommission vom Januar 2019 eins zu eins umsetzen, hat der Evangelische Kirchenkreis Jülich veröffentlicht. Und Aachens Bischof Helmut Dieser ermutigt nach der Bund-Länder-Einigung zum Kohleausstieg zur gemeinsamen Zukunftsgestaltung: „Dies ist ein notwendiger Schritt hin zu mehr regenerativer ressourcenschonender Energiegewinnung und zur Bewahrung der Schöpfung, den wir nicht nur der jetzigen, sondern besonders den nachfolgenden Generationen schulden.“

Die Kommission Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung, abgekürzt Kohlekommission, hat 2019 „eine gut geeignete Grundlage“ geschaffen, den Kohleausstieg zu organisieren, erklärt der Evangelische Kirchenkreis. „Leider hat es die Bundesregierung innerhalb des letzten Jahres nicht vermocht, den Kompromiss eins zu eins umzusetzen. Die jüngst bekannt gewordenen Vorschläge zur Umsetzung weichen unverständlicherweise ganz erheblich von den Vorschlägen der Kohlekommission ab“, schreiben Superintendent Jens Sannig, Bundestagsabgeordneter Oliver Krischer (Grüne) und Reiner Priggen, Vorsitzender des Landesverbandes Erneuerbare Energien NRW.

„Die bundesgesetzliche Feststellung einer ,energiepolitischen Notwendigkeit’ des Tagebaus Garzweiler, wie von der Bundesregierung avisiert, ist nicht Teil der Vorschläge der Kohlekommission“, wird in dem Papier unter anderem geschrieben. „Ganz offensichtlich soll damit die Zwangsumsiedlung der verbleibenden Orte im Abbaubereich des Tagebaus Garzweiler rechtlich abgesichert werden, ohne dass tatsächlich belegt wird, dass die Auskohlung dieses Tagebaues wirklich erforderlich ist.“ Kompromisse sollten eingehalten werden, fordert der Evangelische Kirchenkreis, „insbesondere, wenn Befriedung eines langjährigen gesellschaftlichen Konflikts damit einhergehen soll“. Nur so sei auch gewährleistet, dass die avisierten Milliardenhilfen für den Strukturwandel und für die Beschäftigten auch in der Gesellschaft insgesamt und über Legislaturperioden hinweg Akzeptanz fänden.

Um Akzeptanz und Befriedung der Betroffenen, unter anderem in Keyenberg, Kuckum, Berverath, Ober- und Unterwestrich (alt), drehen sich auch die Gedanken des katholischen Bischofs Dieser, der schreibt: „Als Kirche sehen wir unsere Aufgabe darin, das Gespräch untereinander zu fördern und die Verständigungsbereitschaft über die oft gegenläufigen Belastungssituationen hinweg zu erhalten. Durch die Angebote unserer Seelsorge und die Ausrichtung unserer Pastoral vor Ort wollen wir allen Beteiligten nahe sein und das Bewusstsein für das Geschenk des Lebens selbst und den Reichtum des Planeten Erde als von Gott geschenkten Lebensort des Menschen vertiefen. Ich appelliere an alle Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft, aber auch an alle ökologisch Engagierten: Tun wir gemeinsam alles dafür, dass auch unsere rheinischen Braunkohlereviere wieder zu ökologisch gesunden und vom kulturschaffenden Menschen bewohnten Lebensort im ,gemeinsamen Haus’ werden und ein sozial gerechter Strukturwandel eingeleitet wird!“

(RP)