Erkelenz eröffnet virtuelles Heimatmuseum

360-Grad-Ansichten : Virtuelles Heimatmuseum hat in Erkelenz eröffnet

Erkelenz hat seit Montag ein Heimatmuseum. Viele ehrenamtliche Kräfte des Heimatvereins haben dieses mit viel Aufwand im Internet aufgebaut und werden es noch weiter ausbauen. Zunächst ist Keyenberg porträtiert worden.

Ein Heimatmuseum im Internet, das darauf ausgelegt ist, weiter zu wachsen, ist am Montag in Erkelenz eröffnet worden. Bereits die ersten Reaktionen zeigten, dass die virtuelle Ausstellung eine große emotionale Kraft besitzt. Dargestellt wird darin mit Keyenberg als erstem Ort einer, der derzeit für den Tagebau Garzweiler II umsiedeln muss. Vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklungen am Hambacher Forst und mit Blick auf die Arbeit der Kohlekommission in Berlin regte dieser die Eröffnungsredner dazu an, den Auslöser, der zu diesem neuen Museum geführt hat, emotional zu betrachten und zugleich politisch zu bewerten, denn im vollen Titel heißt die Internetplattform „Virtuelles Museum der verlorenen Heimat“.

Vor drei Jahren hatte der Heimatverein der Erkelenzer Lande bei einer wissenschaftlichen Tagung über die Heimat in Literatur, Sprache und Kunst gemeinsam mit dem Düsseldorfer Professor Helmut Brall-Tuchel die Idee entworfen, für jene Erkelenzer Dörfer, die für den Tagebau unwiederbringlich zerstört werden, im Internet eine Erinnerungsstätte zu schaffen. Rasch bildete sich daraufhin im Heimatverein ein Arbeitskreis, der ein erstes inhaltliches Konstrukt für ein virtuelles Heimatmuseum entwarf. Begonnen werden sollte mit Keyenberg, weil dieser Ort noch besteht, bald aber dem Braunkohlenabbau geopfert sein wird. Anschließen, so wurde geplant, soll der Inhalt des Museum auf ganz Erkelenz ausgedehnt werden. Erste Unterstützer waren für das Projekt ebenfalls rasch gefunden, die entweder Inhalt oder Geld beisteuerten. Und so konnte damit begonnen werden, das Vorhaben zu realisieren – am Montag um 12.32 Uhr wurde nun der erste virtuelle Ausstellungsbereich eröffnet.

„Unser virtuelles Museum wird nie ganz fertig sein, es wird immer Ergänzungen und Erweiterungen geben“, kündigte Günther Merkens, der Vorsitzende des Heimatvereins, gleich zu dessen Eröffnung an. Dass „die Möglichkeiten, die wir noch haben, unbegrenzt sind“, ergänzte Wolfgang Lothmann, der Sprecher des Arbeitskreises. Gemeint hat er damit, dass im Hintergrund längst am nächsten Ausstellungsbereich gearbeitet wird, der die anderen Umsiedlungsorte behandeln wird, dass danach vorgesehen ist, nach und nach ganz Erkelenz in dieses Internetmuseum aufzunehmen, dass aber auch geplant ist, die Ausstellungsbereiche regelmäßig zu aktualisieren: „Beispielsweise werden wir die Dörfer zu ihrem neuen Umsiedlungsstandort begleiten.“

Keyenberg kann der Besucher des Virtuellen Heimatmuseums auf unterschiedliche Weise kennenlernen. Er kann sich beispielsweise in einer 360-Grad-Ansicht durch den Ort bewegen und überall dort, wo ihm zusätzliche digitale Informationen angezeigt werden, diese abrufen. Das können beispielsweise Sachtexte oder Geschichten über Menschen sein, Grafiken, Animationen, Zeitleisten, Videos, Karten oder Panoramen. Denkbar ist aber auch, dass der Besucher sich aus dem Themenkatalog einen Bereich auswählt, der ihn besonders interessiert. Das können Bauwerke, Kultur, Landschaft oder Persönlichkeiten sein. Auch darüber gelangt der Museumsbesucher zu der Vielzahl an Inhalten und Darstellungsformen.

Gemeinsam haben alle Varianten, sich durch das neue Internetmuseum zu bewegen, dass die technischen Konstrukteure von Minkenberg Medien und Kommunikation darauf geachtet haben, ein möglichst echtes Museumsgefühl zu kreieren. Dazu erklärte Geschäftsführer Elmar Bransch: „Jeder Artikel weist am Schluss zum Beispiel auf eine Fortsetzung hin, so dass der Besucher immer vorwärts gehen kann. Und durch die 3D-Ansicht kann der Ort auch dann noch durchlaufen werden, wenn es ihn eines Tages nicht mehr gibt.“

Hier geht es zur Bilderstrecke: Erkelenzer Heimatmuseum im Internet – Stimmen zur Eröffnung