Erkelenz: Emily Kretschmer berichtet von ihrem Auslandsjahr in England

Auslandsjahr von Emily Kretschmer : Englische Weihnacht und ein Tabuthema

Schülerin Emily Kretschmer aus Golkrath lebt ein Jahr lang in England. Sie erzählt von englischen Bräuchen zu Weihnachten, dem „Deutschen Weihnachtsmarkt“ in London und dem Brexit.

Im Dezember hatte ich die einzigartige Möglichkeit, mit drei Freundinnen ein Wochenende in London zu verbringen. Abends waren wir im Hyde Park, in dem ein „Deutscher Weihnachtsmarkt“ aufgebaut war, und es war unheimlich interessant zu erleben, wie die Engländer unsere Weihnachtsmärkte sehen. Überall waren Stände mit Bier, Glühwein oder Bratwurst. Auch sonst sind Engländer meiner Erfahrung nach sehr weihnachtlich: Jeden Tag im Dezember habe ich mindestens eine Person mit einem Weihnachtspullover gesehen, alle Straßen hingen voll mit Dekorationen wie „Christmas Wreaths“ (bunte Türkränze aus Tannenzweigen). Auch im Haus meiner Gastfamilie hängen immer noch unzählige Girlanden und Lichterketten, überall stehen Weihnachtskarten und Kerzen, und wir haben einen riesigen Weihnachtsbaum im Wohnzimmer – der laut meiner Gastmutter bis Mitte Februar stehenbleibt. Mitgebracht hat diese Tradition Prinz Albert, der deutsche Ehemann von Königin Victoria.

In meiner Gastfamilie war das Weihnachtsfest unglaublich schön. Wir hatten ein großes Dinner, und es gab Christmas Cake zum Nachtisch (Käsekuchen mit Früchten und Nüssen). Danach haben wir zusammen einen Weihnachtsfilm geschaut. Anders als bei den meisten deutschen Familien wird in England Weihnachten selbst erst am 25. Dezember, dem so genannten Christmasday, gefeiert. Nach dem Aufstehen fanden meine italienische Gastschwester und ich vor unserer Zimmertüre zwei Weihnachtsstrümpfe. Die waren gefüllt mit Schokolade, Badezubehör und anderen kleinen Geschenken, die laut der Tradition Santa Claus nachts vor der Tür liegen gelassen hat. Nach einem Brunch haben wir die Geschenke unter dem Tannenbaum ausgepackt. Abends gab es das große Christmasdinner mit Truthahn und Christmaspudding. Außerdem hatte jeder einen sogenannten Christmas Cracker auf seinem Platz liegen, der sehr ähnlich zu unseren Knallbonbons ist.

Über den Brexit wird zurzeit nicht sonderlich viel berichtet. Nach den Wahlen im Dezember war der Ausstieg aus der EU in meinem Umfeld kurz Gesprächsthema, aber nur, weil sich alle Leute über die Ergebnisse beschwert haben. Und die wenigen Leute, die in den Nachrichten offen zu ihrer Wahl von Boris Johnson standen, haben das damit begründet, dass sie den „Brexit endlich rumkriegen wollen“, worüber sich dann alle anderen wieder tierisch aufgeregt haben. Der Brexit ist und bleibt ein Tabuthema und ein großer Streitpunk.