Erkelenz: Das Sinfonieorchester Aachen gab ein Meisterkonzert in der Stadthalle

Sinfonieorchester Aachen spielt in Erkelenz : Fulminantes Meisterkonzert zum Abschluss

Das siebte und letzte Meisterkonzert der laufenden Saison wurde vom Sinfonieorchester Aachen gestaltet. Gemeinsam mit Violinist Wolfgang Schröder spielten die Musiker in der Erkelenzer Stadthalle Tschaikowsky und Dvorák.

Mit einem fulminanten siebten und letzten Meisterkonzert endete die aktuellen Reihe der Anton-Heinen-Volkshochschule. Das Sinfonieorchester Aachen unter dem Dirigenten Justus Thorau und mit Violinist Wolfgang Schröder präsentierten Werke von Tschaikowsky und Dvorák und beschenkte das Publikum mit einem krönenden Abschlusskonzert.

Die erste klassische Perle, die in der Stadthalle zu hören war, ist zugleich eines der meistgespielten und anspruchsvollsten Violinkonzerte: Das Violinkonzert D-Dur op. 35 von Pjotr Iljitsch Tschaikowsky begeisterte die Zuhörer vom ersten Ton an. Tschaikowskys einziges Violinkonzert entstand 1878 am Genfer See, als Solisten hatte er Leopold von Auer vorgesehen, welcher das Stück jedoch als unspielbar ablehnte. Auch bei der Uraufführung 1881 mit Violinist Adolph Brodsky schieden sich die Geister an Tschaikowskys Werk, viele bedeutende Kritiker straften das Konzert ab. Nichtsdestotrotz ist es heute eines der bedeutendsten Werke der Musikgeschichte. Die nicht enden wollende Abfolge höchst anspruchsvoller Passagen, darunter nicht nur das Spiel in sehr hohen Lagen, sondern auch Doppelgriffe und die Solokadenz als Höhepunkt in der Mitte des ersten Satzes, setzen eine technische Perfektion des Solisten voraus. Schröder meisterte diese musikalische Herausforderung mit Bravour und Virtuosität und stellte sein immenses Können fraglos unter Beweis.

Wolfgang Schröder trat mit 13 Jahren der Violinklasse von Ana Chumachenco bei und gewann mit 17 den Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“. Als Stipendiat der International Menuhin Academy konzertierte er mit Yehudi Menuhin und Alberto Lysy. Anregungen sammelte er vor allem während seines Studiums am Salzburger Mozarteums in der Meisterklasse von Sandor Végh und bei Aaron Rosand in New York.

Als zweites Meisterwerk führte das Sinfonieorchester die Symphonie Nr. 8 G-Dur op. 88 des böhmischen Komponisten Antonin Dvorák auf. Diese entstand auf seinem Sommersitz bei Vysoká und errichtet mit ihrem euphorischen Tonfall und beschwingten Melodien musikalische Landschaften von außerordentlicher Klangdichte, gespickt mit Natur- und Vogelmotiven. Dvorák setzte sich eingehend mit dem Werk seines Freundes Tschaikowsky auseinander, dessen Einflüsse, wenn auch abgewandelt, deutlich zu erkennen sind. Seine enge Verbundenheit zur böhmischen Musiktradition zieht sich dabei wie ein roter Faden durch die verschiedenen Motive hindurch, besonders deutlich wird sie beispielsweise mit der Trompetenfanfare, die sehr eindrucksvoll den Finalsatz der Sinfonie einleitet. Das Stück kostet die gesamte Farbpalette des Orchesters aus – so war es wunderbar anzuhören, wie das Aachener Sinfonieorchester mit berauschender Spielfreude und in vorzüglicher Harmonie die Klangfülle des Stückes geradezu zelebrierte. Mit der Zugabe Ungarischer Tanz Nr. 5 von Johannes Brahms spielten sich die Aachener Musiker ein vorerst letztes Mal in die Herzen ihres Publikums.

Aachens Sinfonieorchester hat sich längst als regionale Musikgröße einen Namen gemacht und zählt zu den ältesten in städtischer Regie geführten Klangkörpern Deutschlands. Justus Thorau fungierte dort in der Saison 2017/18 als kommissarischer Generalmusikdirektor, seit Herbst 2018 ist er Erster Kapellmeister am Saarländischen Staatstheater.

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