Erkelenz: Bundesweit einzigartiges Angebot für Flüchtlinge

Integrationskursus für Mütter: Einzigartiges Angebot für Flüchtlinge

In Erkelenz hat ein Kursus begonnen, der wohl einmalig ist: Samira Meurer, Integrationskoordinatorin der Stadt, bietet einen Intergrationskurs für Mütter mit Kindern bis zu vier Jahren mit Bleiberecht an.

„Für diese Frauen gab es bisher keine speziellen Kurse“, berichtet Samira Meurer aus ihrer Erfahrung mit ihnen. „Jetzt warten wir gespannt darauf, wer schneller Deutsch lernt, die Mütter oder die Kinder.“ Die Tertia GmbH an der Hermann-Josef-Gormanns-Straße, die schon viele Deutschkurse überwiegend für junge Männer anbietet, war sofort davon angetan.

Die Sprache ist und bleibt der Schlüssel zur Integration. Insofern sei es sinnvoll, bei den Frauen anzusetzen, die in ihren Familien viel Einfluss haben, und bei den Kleinkindern, die Deutsch spielerisch leicht schon im Alter von einem bis vier Jahr lernen können. „Das ist das Besondere an diesen Kursen: Während die Frauen unterrichtet werden, befinden sich die Kinder in einer pädagogischen Betreuung“, erklärt Yvonne Behr, die Standortleiterin von Tertia in Erkelenz. Somit könnten Mütter ebenso wie die Kinder unbesorgt ihre Zeit verbringen.

Die Koordinatorin für die Deutschkurse bei Tertia, Jutta Scheider, erläutert, dass 20 Frauen aus zwölf Nationen, die als Flüchtlinge mit Bleiberecht im Kreis Heinsberg leben, an diesem Lehrgang teilnehmen, 17 Kinder im Alter von einem bis vier Jahren werden von zwei Sozialkräften betreut. Die Säuglinge bleiben in der Obhut der Frauen, die eine Voraussetzung neben dem Bleiberecht erfüllen müssen. Sie müssen alphabetisiert sein. So fielen sechs der 26 Frauen, die über das Jobcenter in die Auswahl kamen, durch das Raster. „Für sie, die wie die anderen Frauen unbedingt Deutsch lernen wollen, müssen wir uns jetzt etwas ausdenken“, sagt Samira Meurer. 900 Unterrichtstunden sind vorgesehen an fünf Tagen mit jeweils vier Einheiten. Danach steht die B1-Prüfung an, die befähigt, eine Ausbildung beginnen zu können. Üblicherweise haben die Deutschkurse eine Dauer von 600 Unterrichtsstunden. „Doch in diesem speziellen Falle, der wohl einmalig ist, hat sich das Bundesamt für Migration und Flüchtlingen für die längere Betreuungszeit und die dafür erforderliche Finanzierung ausgesprochen“, erklärt Mirko Stosch, Regionalkoordinator des BAMF aus Köln.

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Ein Jahr ist verstrichen, bis die Idee verwirklicht werden konnte. „Zunächst mussten wir die Räumlichkeiten herrichten, damit überhaupt Unterricht und Kinderbetreuung stattfinden können“, sagt Yvonne Behr. Mit Sandra Sieben und Heike Pesch würden zwei pädagogisch geschulte Betreuerinnen gefunden. Sowohl der Unterricht als auch die Betreuung der Kinder unterliegt den strengen Maßstäben, die für Kindergärten und Unterrichtsräume gelten. In Zusammenarbeit mit dem Jobcenter mussten Teilnehmerinnen gefunden werden, die wiederum zusammen mit Samira Meurer in den Familien Überzeugungsarbeit leisten mussten.

„Das Projekt ist nur durch die tolle Zusammenarbeit vieler möglich geworden“, meinte der Erkelenzer Sozialdezernent Hans-Heiner Gotzen, der allen Beteiligten für die Beharrlichkeit und das Engagement dankte. Ob das Projekt einmalig bleibt, nur in Erkelenz wiederholt werden kann oder zum Pilotprojekt für andere Kommunen wird, ist eine offene Frage, auf die Stosch und Samira Meurer erst nach einigen Monaten eine Antwort geben wollen.

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