Erkelenz: Bürgerforum zum Innenstadt-Entwicklungskonzept

Bürgerforum in Erkelenzer Stadthalle : Innenstadt soll viele Wünsche erfüllen

Bevor die Leitziele für das Erkelenzer Innenstadtkonzept politisch beraten und beschlossen werden, wurden die Bürger gehört. In der Stadthalle wurde kontrovers über Erreichbarkeit, Mobilität und Parkplätze diskutiert.

Die Innenstadt von Erkelenz neu zu gestalten, ist ein Thema, das für die Einwohner eng mit Fragen nach Mobilität, Parkplätzen und Erreichbarkeit verbunden ist. Das zeigte ein Bürgerforum, zu dem die Stadt Erkelenz eingeladen hatte. Kompromisse werden zu suchen sein, wenn in den nächsten Jahren die Details zur Innenstadtentwicklung geplant, beraten und beschlossen werden, stellte Bürgermeister Peter Jansen zum Abschluss der dreistündigen Veranstaltung fest.

Politisch soll noch im September der Grundsatzbeschluss gefasst werden, dass der Stadtkern in den kommenden fünf bis acht Jahren umgestaltet wird. Dienen wird diese Ratsentscheidung anschließend dazu, Fördergeld zu beantragen. Ist das bewilligt, können die im bisherigen Beratungsprozess herausgearbeiteten Handlungsfelder nach und nach abgearbeitet werden. Wie bisher soll auch das unter Beteiligung der Bürger geschehen, kündigte der Technische Beigeordnete Ansgar Lurweg an.

Die „Richtschnur für die künftige Entwicklung der Innenstadt“ stellten im Bürgerforum die beauftragten Stadtplaner des Aachener Büros MWM vor. In den vergangenen Monaten seien aus unterschiedlichen Formen der Beteiligung – Stadtverwaltung, Stadtrat und Einwohner – „zukunftsfähige Handlungsfelder herausgefiltert worden“, sagte Bernd Niedermeier. So seien öffentliche Plätze und Grünanlagen zu verknüpfen und zu stärken, „um darüber die Aufenthaltsqualität zu steigern“, sollten bauliche „Stadtreparaturen“ erfolgen und werde dazu geraten, „die verkehrliche Erreichbarkeit zu erhalten und zugleich den motorisierten Verkehr zu reduzieren, um Konflikte zu reduzieren“. Als Beispiele nannte Niedermeier starke Parksuchverkehre am Markt oder die Situation am Kölner Tor. Zu thematisieren seien Einzelhandels- und Wohnangebote, Orte der Begegnung, „kräftige grüne Akzente“ für den Bahnhofsvorplatz und die Möglichkeit, das Alte Rathaus am Markt barrierefrei zu gestalten.

Beispielhafte Ideenskizzen wurden im Bürgerforum gezeigt. Foto: Planungsgruppe MWM

Rund um das Kölner Tor sehe er in den bisherigen Konzepten nur neue Einbahnstraßen, zu denen geraten werde, diese einzuführen, merkte ein Anwohner an: „Wie sollen sich Auswärtige dort zurechtfinden? Das wird nur zusätzliche Parksuchverkehre verursachen.“ Einzelhändler wiederum kritisierten die Vision der Stadtplaner, den Parkplatz auf dem Markt aufzugeben. Das sei ihre „Lebensader“, erneuerte der Gewerbering seinen Hinweis. Auf dessen Notwendigkeit für ältere oder gehbehinderte Kirchbesucher wiesen Anlieger hin: „Wo sollen sie zur Messe parken, um beispielsweise mit ihrem Rollator einen kurzen Weg zu St. Lambertus zu haben. Sie schaffen es nicht vom Burgparkplatz bis dort.“ Sie frage sich, sagte eine andere Einzelhändlerin, wie die zusätzliche Freifläche genutzt werden solle. Gastronomie auf dem Erkelenzer Markt zu betreiben, sei nicht einfach, wie die Wechsel im vergangenen Jahr gezeigt hätten. Sie befürchte, Erkelenz könnte mit diesem Plan „Geld rausschmeißen“.

Dass es „sehr wohl funktionieren kann, Autos aus der Kernstadt herauszuhalten“, berichtete ein Teilnehmer des Bürgerforums aus seiner früheren Heimatstadt, während ein anderer dazu aufforderte, „bei der Mobilität ökologisch umzudenken. In Erkelenz ist alles mit dem Fahrrad sehr gut zu erreichen“. Um Konflikte zu vermeiden, müsse bei den Parkplätzen andernorts Ersatz geschaffen werden, erklärte ein Anwohner des Franziskanerplatzes, während eine weitere Teilnehmerin anregte, „in der Mobilität neue Wege zu gehen. Wie wäre es an Markttagen mit einem Shuttle-Service von den Wohngebieten in die Innenstadt?“ Dass zu viel über Autos und Parkplätze gesprochen werde, aber nicht über den Fahrradverkehr, kritisierte ein Bürger und appellierte: „Wir müssen umdenken.“

Angesprochen haben die Bürger aber auch, ob über den Innenstadtentwicklungsprozess „die fortschreitende Entfernung historischer Gebäude, wie wir sie zurzeit erleben, unterbunden werden kann“, dass im Zentrum „Mülleimer fehlen, um Hundekotbeutel zu entsorgen“ und was „gegen Langzeitparker unternommen werden soll“.

Die Anregungen aus dem Bürgerforum würden im weiteren Verfahren sehr ernst genommen, betonte Stadtplaner Bernd Niedermeier und bot beispielsweise dem Gewerbering den Austausch über dessen Bedenken zum Marktparkplatz an. Außerdem verwies er darauf, dass der Abschluss der Verkehrsstudie für die Innenstadt noch aussteht.

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