Erkelenz: Bündnis "Alle Dörfer Bleiben" will Vatikan bitten, Kirchenverkauf für Tagebau zu stoppen

Kirchen an RWE verkauft : Bürger aus Erkelenz wenden sich mit ihrem Protest an den Vatikan

Im Rheinischen Braunkohlegebiet hat die katholische Kirche mehrere Gebäude an RWE verkauft. Bürgerinitiativen protestieren massiv dagegen. Nachdem sie bei den Bischöfen auf taube Ohren gestoßen sind, wollen sie sich nun an den Vatikan wenden.

Kritik am Schritt der katholischen Kirche, ihre Gebäude und Grundstücke in Keyenberg, Kuckum, Berverath, Ober- und Unterwestrich (alt) für den nahenden Braunkohlentagebau an RWE Power zu verkaufen, kommt vom Bündnis „Alle Dörfer bleiben“. In einer Pressemitteilung erinnert die Initiative daran, dass verschiedene Gruppen unter dem Namen „Kirche(n) im Dorf lassen“ seit einem Jahr Unterschriften sammeln, um die Bischöfe aus Aachen und Köln aufzufordern, die Kirchen nicht an den Tagebaubetreiber zu verkaufen, solange keine Klarheit über den Kohleausstieg herrscht: „Bereits über 3000 Unterschriften wurden händisch gesammelt.“

Die Pfarrei Christkönig Erkelenz und RWE Power hatten am Montag gemeinsam mitgeteilt, dass eine notarielle Verständigung über den Erwerb aller kirchlichen Gebäude und Grundstücke in den fünf Orten erfolgt sei. Das Bischöfliche Generalvikariat in Aachen habe die Vereinbarung kirchenaufsichtlich genehmigt. Mit der entsprechenden Entschädigung wolle die Pfarrgemeinde das geplante neue Kirchengebäude am Umsiedlungsstandort zwischen Borschemich und Rath-Anhoven errichten. Der Spatenstich sei für Sommer 2020 geplant.

Getragen wird die Unterschriftenaktion „Kirche(n) im Dorf lassen“ nicht nur von „Alle Dörfer bleiben“, erinnert das Bündnis, dass unter anderem die Katholikenräte Düren und Mönchengladbach, der Diözesanrat Düren und die Initiative „Kreativ gegen Kohle“ beteiligt seien. „Weder der Bischof aus Köln noch aus Aachen wollten die Unterschriften entgegennehmen. Nachdem nun auch die Pfarrei Erkelenz ein weiteres Mal gezeigt hat, dass sie nicht hinter ihrer Gemeinde steht, werden wir uns an den Vatikan wenden“, kündigt David Dresen aus Kuckum, der bei „Alle Dörfer bleiben“ aktiv ist, an. „Wir werden nicht aufhören, uns für den Erhalt unserer Kirchen einzusetzen. Dabei steht für uns außer Frage, dass es sowohl im neuen Ort als auch in den alten Ortschaften Kirchen braucht – und genau dafür sollte sich die Pfarrei Erkelenz einsetzen, anstatt sich zum Handlanger von RWE zu machen.“

Schockiert von der Nachricht zeigt sich in der Pressemitteilung auch Hedi Drabik, die Küsterin in Keyenberg ist und erklärt: „Den Verkauf unserer Kirche habe ich über die Zeitung erfahren müssen. Wieder einmal lässt die katholische Kirche ihre Gemeinde hier im Stich. Anstatt unser Gotteshaus zum Abriss freizugeben, wäre es doch ihre oberste Pflicht gewesen bis zum Schluss für den Erhalt der Schöpfung einzustehen, so wie es auch der Papst in seiner Laudato si fordert.“ Ingo Bajerke, ein anderes Keyenberger Kirchenmitglied, schreibt: „Nach allem, was mir die katholische Kirche über das Leben und Wirken von Jesus vermittelt hat, bin ich überzeugt: Wäre Jesus Keyenberger, dann würde er seiner Kirche den Rücken kehren.“

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