Erkelenz bekommt Balken aus Immerather Mühle als Erinnerungsstücke

Kritik an Abriss erneuert : Erinnerungsstücke wurden geborgen

Die Stadt Erkelenz wird Balken aus der für den Tagebau abgerissenen Immerather Mühle bekommen. Die Stücke sind entgegen von Vermutungen nicht von Hausschwamm betroffen und leiden nicht unter Holzfäule.

Von der Immerather Mühle, die im Oktober von RWE Power für den nahenden Braunkohlentagebau abgerissen wurde, können einige Balken als Erinnerungsstücke erhalten werden. Das teilt Ansgar Lurweg, Technischer Beigeordneter der Stadt Erkelenz, auf Nachfrage unserer Redaktion mit. Vieles sei aber nicht mehr geeignet gewesen: „Das Mauerwerk war in erheblichem Maße beschädigt. Und die meisten Holzteile waren erkennbar morsch.“ Ein Sachverständiger habe dies jetzt noch einmal bestätigt. Die Stadt Erkelenz war vor dem Abriss der historischen Mühle von 1642 von der Kommunalpolitik damit beauftragt worden, einige Stücke von dieser zu sichern, um sie später für eine mögliche Erinnerungsstätte verwenden zu können. Während des Abrisses war dann von RWE Power der Verdacht geäußert worden, dass sich meldepflichtiger Hausschwamm in dem Gebäude ausgebreitet haben könnte. Dieser hätte verhindert, dass Erkelenz Erinnerungsstücke würde behalten können.

„Es gab aufgrund dieser Vermutung einen Ortstermin, bei dem sich die Stadt Erkelenz noch einmal das Gebälk angeschaut hat unter der Fragestellung, welche drei bis vier größeren Balken aus dem Dach- und Mahlwerk vermutlich nicht von Hausschwamm befallen sein könnten und welche auch optisch noch etwas hermachen“, erklärt Lurweg. Nach Absprache seien diese Stücke anschließend von RWE Power herausgenommen und beprobt worden. Der Energiekonzern habe dazu einen Schädlingssachverständigen beauftragt. Inzwischen liegt Lurweg zufolge dessen Prüfergebnis vor: „Die ausgesuchten Erinnerungsstücke sind nicht von Hausschwamm betroffen.“ Gleichwohl scheint Erkelenz bei der Auswahl der Stücke – zu ihnen gehört auch der Königszapfen (Hauptantriebsstrang) – eine glückliche Hand bewiesen zu haben. Denn ansonsten hielt der Spezialist laut Lurweg für das Gebälk des einstigen Wahrzeichens gegen den Braunkohlenabbau im Rheinischen Revier eine „umfänglich vorhandene Holzfäule“ fest.

Das widerspricht aktuell aufflammender öffentlicher Kritik, die Mühle hätte doch erhalten werden können. Auch vor dem Hintergrund der noch nicht beendeten Arbeit der Berliner Kohlekommission, die den Ausstieg aus der Braunkohle berät, hatte sich die Partei „Die Linke“ aus Mönchengladbach, vertreten im Zweckverband Tagebaufolge(n)landschaft, in einer Pressemitteilung geäußert. Sie sehe sich demnach durch das aktuelle Gutachten zur Immerather Mühle darin „bestätigt, dass diese zu erhalten gewesen wäre. Dies hatte schon früh das Rheinische Mühlen Dokumentationszentrum festgestellt. Trotzdem beharrten RWE und die Stadt Erkelenz auf ihrer Aussage, dass die Mühle von Hausschwamm befallen sei. Inzwischen wurde aber der Schutt der Mühle im Auftrag von RWE untersucht, und es konnte kein Hausschwamm nachgewiesen werden.“

Derzeit befindet sich die Stadt Erkelenz mit RWE Power in Gesprächen darüber, wie und wann die gesicherten Balken an den Erkelenzer Baubetriebshof übergeben werden können. Dort sollen sie gelagert werden, „bis eine endgültige Verwendung für sie gefunden worden ist“, erklärt Ansgar Lurweg.

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