Erkelenz: Behindertenbeauftragter mahnt Barrierefreiheit im Oerather Mühlenfeld an

Erweiterung des Oerather Mühlenfeldes : Baugebiet nicht durchgehend barrierefrei

Planungsmängel beim Oerather Mühlenfeld sieht der Erkelenzer Behindertenbeauftragte. Das Neubaugebiet wird derzeit erweitert. Laut Andreas Ullmann ist Barrierefreiheit aber nicht überall eingeplant, was es zu beheben gelte.

Der Lärmschutzwall an der Landstraße 19 wächst, und dahinter ist begonnen worden, die Kanäle, Straßen und Wege für die Erweiterung des Oerather Mühlenfeldes anzulegen. An den Plänen dazu übt Andreas Ullmann, der ehrenamtliche Behindertenbeauftragte der Stadt Erkelenz, jedoch Kritik und fordert Korrekturen. „Ein Kreisverkehr ist beispielsweise nur zu 50 Prozent barrierefreie geplant worden“, nannte Ullmann im Bezirksausschuss Erkelenz-Mitte ein Beispiel.

Das Oerather Mühlenfeld wird seit Oktober zum zweiten Mal erweitert, so dass dort in etwa zehn Jahren fast 4000 Menschen leben werden. Doppelt so viele wie heute. Etwa ein Jahr wird zunächst die Erschließung des ersten Bauabschnitts dauern, so dass der private Wohnungsbau dort 2021 starten kann. Seit dem Jahr 2003 entwickelt die Stadt Erkelenz das Neubaugebiet über ihre Tochtergesellschaft GEE.

Vor etwa vier Wochen erhielt der Erkelenzer Behindertenbeauftragte die Pläne für die Erweiterung des Oerather Mühlenfeldes. „Auf meine Anfrage“, wie er betonte. Er habe sie daraufhin studiert und sich einen allgemeinen Überblick verschaffen können. Dabei sei ihm aufgefallen, „dass nicht an allen Querungen und Einmündungen Absenkungen eingeplant sind“. Für Fußgänger mit einer Behinderung könne das zum Problem werden, und das sei auch nicht mit der Behindertenrechtskonvention der Europäischen Union sowie der DIN-Norm vereinbar. „Ich habe das Amt gebeten nachzuplanen. Dort liegt dafür die Verantwortung“, erklärte Ullmann im Bezirksausschuss im Beisein von Planungsamtsleiter Manfred Orth.

Nicht nur an den Wegen und am Kreisverkehr sieht Ullmann ein Problem kommen. „Per Gesetz sind auch Haltestellen barrierefrei zu gestalten“, erinnerte der ehrenamtliche Behindertenbeauftragte. In alten Dörfern im ländlichen Raum sei die Forderung schwer umzusetzen, bei einem Neubaugebiet seiner Meinung nach aber schon. „Beispielweise sind in der Erweiterung des Oerather Mühlenfeldes keine Wartehäuschen eingeplant. Rollstuhl- und Rollatorfahrer haben allerdings Probleme, bei Regen einen Schirm zu halten“, riet Andreas Ullmann dazu, auch an diesem Punkt nachzuplanen. Ihm sei das Fehlen solcher Häuschen „unverständlich, wo allenthalben mehr ÖPNV aus Klimaschutzgründen gefordert wird“.

Weil in dem Neubaugebiet neben vielen Wohngebäuden auch ein Kindergarten und ein sozialer Treffpunkt errichtet werden, die von vielen Menschen erreicht werden sollen, dankte Ausschussvorsitzender Klaus Steingießer für die Rückmeldung des vom Stadtrat beauftragten Behindertenbeauftragten. Die angesprochenen Probleme nachträglich zu beheben, werde teuer, ergänzte Andreas Dahlke. Man spreche von Selbstverständlichkeiten, die gemacht werden müssen, erklärte Ulrich Wendt.

Und so forderte der Ausschuss die Erkelenzer Stadtverwaltung einstimmig dazu auf, „dass das Baugebiet im Sinne von Andreas Ullmanns’ Anmerkungen überplant wird“.