Erkelenz: Ausstellung „We, the six million“ bis 5. November im Alten Rathaus

Ausstellung im Alten Rathaus Erkelenz : Den Opfern eine Stimme geben

Hauptschule und Heimatverein präsentieren eine bedeutsame Ausstellung, die Lebenswege von Opfern der Shoah aus dem westlichen Rheinland zeichnet.

Es sind mehr als 50 Roll-ups, auf die Hubert Rütten, der Leiter des Arbeitskreises Erforschung und Darstellung der Geschichte im Heimatverein der Erkelenzer Lande, im Alten Rathaus blickt. Er ist stolz, dass diese Wanderausstellung in Erkelenz präsentiert wird, erläutert sie doch einen bedeutsamen Teil deutscher Geschichte. „Da haben viele Menschen eine Menge guter Arbeit geleistet“, fasst Rütten kurz zusammen.

„We, the six million“ ist der Titel der Ausstellung, die der Heimatverein der Erkelenz Lande in Zusammenarbeit mit Schülern und Lehrern der Hauptschule nach Erkelenz geholt hat. Dabei handelt es sich um ein Projekt des Lehr- und Forschungsgebietes Religions­pädagogik des Instituts für katholische Religionslehre der RWTH Aachen. Die Professoren Reinhold Breil und Guido Meyer haben das Projekt geleitet. Die Arbeit fand über zwei Semester und letztlich auch fakultätsübergreifend statt.

Dass die Schüler der Erkelenzer Hauptschule an der Ausstellung beteiligt sind, hat seinen guten Grund. „Seit vielen Jahren kümmern sie sich um den Jüdischen Friedhof in Erkelenz, sie gestalten ebenfalls lange die Gedenkfeier zur Erinnerung an die Reichspogromnacht. Auch bei den Stolpersteinen zeigten sie bereits viel Engagement. Folgerichtig haben sie, wie übrigens schon andere Schulen zuvor, die Ausstellung mit eigenen Akzenten erweitert“, erläutert Hubert Rütten. Jochen Oberle ist der Lehrer, der mit den Schülern arbeitet. Im Wahlpflichtunterricht „Jüdischer Friedhof“ beziehungsweise Geschichtsunterricht beschäftigten sich die Schüler mit den Lebenswegen jüdischer Mitbürger von Erkelenz. In der Ausstellung zu sehen ist so etwa die Beschäftigung mit Leah Thorn – sie ist die Nichte von Gerald Leyens, der Namensgeber des Leyensrings in Schwanenberg ist. Thorn schreibt Gedichte und setzt sich dabei mit dem Holocaust auseinander.

Geplant ist, dass mehrere Schulklassen durch die Ausstellung geführt werden sollen. Dabei erfahren sie anhand der Exponate aus dem persönlichen Lebensumfeld der Opfer, wie systematisch die Verbrechen waren. Befragungen von Zeitzeugen unterstreichen die Arbeitsergebnisse des Projekts. Bis zum 5. November ist die Ausstellung im Alten Rathaus am Markt auch für Interessierte offen.

Für die RWTH Aachen sind die beiden Wissenschaftler René Porger und Alexander Hermert schon in Erkelenz gewesen, um die Ausstellung zu eröffnen. Für die Schüler der Erkelenzer Hauptschule geht die Ausstellung noch weiter, denn die Schulen, die die Wanderausstellung mit eigenen Arbeiten ergänzt haben, dürfen noch auf eine Prämierung ihrer Exponate hoffen.