Erkelenz: Aus Heimatliebe den Immerather Dom tätowiert

Der Immerather Dom als Tattoo: Wenn Heimatliebe unter die Haut geht

Tagebau in Erkelenz: Der letzte Turm des Immerather Doms ist gefallen

Es ist ein trauriger Tag für die Menschen aus dem alten Immerath bei Erkelenz. Am Montag wurde die Kirche St. Lambertus, die wegen ihrer imposanten Erscheinung auch Immerather Dom genannt wurde, abgerissen. Marc Bolten hat sich aus Liebe zu seinem Heimatdorf ein besonderes Tattoo stechen lassen.

Es fegt ein eisiger Wind über das triste und unwegsame Gelände, auf dem die bereits 2013 entwidmete Kirche St. Lambertus steht. Das imposante Gebäude wird von zwei Seiten beleuchtet. Es wirkt, als sollte der der Dom ein letztes Mal strahlen.

In Wahrheit dienen die hellen Lampen jedoch zur besseren Sicht der Polizei und der Bauarbeiter. Greenpeace-Aktivisten hatten das Gebäude am Morgen besetzt. Sie wollten hinauszögern, was nicht zu verhindern ist. Der Dom, das letzte Wahrzeichen der Gemeinde am Rande des Tagebaus, soll für immer verschwinden.

Marc Bolten wartet auf den Abriss des Immerather Doms. Foto: Sabine Kricke

Für immer am Körper

Nicht jedoch bei Marc Bolten. Der 34-Jährige trägt das altehrwürdige Gebäude aus dem 12. Jahrhundert immer am Körper. Oder besser gesagt: unter seiner Haut. Der hauptberufliche Feuerwehrmann hat sich ein Bild der Kirche im Jahr 2015 tätowieren lassen. Genau wie die Koordinaten des Doms und die Immerather Mühle.

Foto: Sabine Kricke

Das Tattoo hat er sich als Erinnerung an sein bisheriges Leben stechen lassen. "Als Erinnerung an dieses schöne Dorf", sagt Bolten traurig. "Das ist einfach meine Heimat hier, ich bin hier aufgewachsen, habe fast alles in meinem Leben zum ersten Mal in Immerath gemacht", sagt der 34-Jährige. Der gebürtige Mönchengladbacher hat eine besondere Beziehung zu dem kleinen Ort am Rande des Tagebaus Garzweiler. Als er ein Jahr alt war, ist er mit seinen Eltern in eine Wohnung gezogen, die direkt neben der Kirche stand. "Genau dort war das Haus", sagt Bolten und zeigt auf den Acker neben dem Dom. Nichts ist mehr von dem Haus übrig, in denen Bolten aufgewachsen ist, seine Kindheit, seine Jugend und ein Teil seines Erwachsenenalters verlebt hat.

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Das erste Mal

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Zum ersten Mal ist er dort gelaufen, hat zum ersten Mal Fußball gespielt und das erste Bier in der Kneipe der Eltern seines besten Kumpels getrunken. "Nur meine erste Freundin, die kam nicht aus Immerath", sagt Bolten mit einem Augenzwinkern.

Gut gelaunt ist Bolten an diesem Tag aber nicht. "Wenn der Abriss beginnt, werde ich sicher die eine oder andere Träne verdrücken", sagt er. "Das erlebt man nicht jeden Tag, dass einem die Heimat genommen wird". Der 34-Jährige erinnert sich noch gut an den Tag, als klar wurde, dass das Dorf dem Tagebau weichen muss. "Da hatte ich schon Tränen in den Augen. Weil ich auch einfach nicht verstehen kann, dass man wegen der Braunkohle ganze Dörfer abreißen muss."

Da seine Eltern zur Miete in Immerath lebten, hatte die Familie kein Anrecht auf ein Grundstück im neuen Immerath. "Ich habe aber dafür gekämpft, dass ich das bekomme", sagt der 34-Jährige. Ausgerechnet am späten Montagnachmittag ist auch der Termin, an dem er den Kaufvertrag für das Grundstück im neuen Immerath unterschreiben will. Für den Abriss der Kirche hat sich der Feuerwehrmann jedoch Urlaub genommen.

"Das bin ich dem Dorf einfach schuldig", sagt Bolten.

(skr)
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