Erkelenz: 1 Jahr Repaircafé

Ein Jahr Treff in Erkelenz : Repaircafé soll Schule machen

Gut ein Jahr nach Eröffnung des Repaircafés in Erkelenz ziehen die Initiatoren eine positive Bilanz. 2019 wollen sie ihren Aktionskreis ausweiten und Projekte aufbauen, die junge Menschen in ihren Schulen ansprechen sollen.

Oft wirft der Mensch im Alltag Gegenstände, die ihren Dienst nicht mehr erfüllen, einfach weg. Auch Dinge, an denen nicht viel kaputt ist und die mit einer einfachen Reparatur wiederhergestellt werden könnten. Meist liegt das nicht daran, dass die Menschen sich die Zeit dafür nicht nehmen, sondern dass sie einfach nicht mehr wissen, wie Dinge repariert werden können. Deshalb ist vor gut einem Jahr in Erkelenz das Repaircafé gegründet worden. Einmal im Monat findet dort ein offener Treff statt, bei dem Besucher unter sachkundiger Anleitung ehrenamtlicher Helfer ihre mitgebrachten Gegenstände wie Fahrräder, Kleidungsstücke oder elektrische Geräte selbst reparieren können.

Als Schwerpunkt hat sich die Elektronik herauskristallisiert: Haushaltsgeräte wie Staubsauger oder Mikrowellen, Telefone und Laptops werden mitgebracht und in den Räumen der Jugendkirche am Johannismarkt instand gesetzt. Das Reparieren als Aspekt der Werterhaltung und Nachhaltigkeit, schont die Umwelt und die Resourcen. Wenn Gegenstände auf diese Weise länger haltbar gemacht werden und länger benutzt werden können, werden Energie und Grundstoffe, die zur Herstellung neuer Produkte benötigt werden würden, eingespart.

Ein Ziel des Repaircafés ist, einen wertvollen praktischen Wissensaustausch zu vermitteln und Reparaturkenntnisse zu erhalten und zu verbreiten. Verbunden damit wird außerdem ein sozialer Zusammenhalt gefördert. Menschen kommen in das Café, mit oder ohne Reparaturen, um sich zu unterhalten und voneinander zu lernen, um gemütlich zusammen Kaffee zu trinken, Kuchen zu essen und neue Ideen zu entwickeln. „Wir sind ein Zentrum des Treffens, nebenbei reparieren wir auch“, beschreibt Holger Rauteberg, der die Organisation des Cafés innehat, dessen soziale Komponente. „Von 20 Menschen, die uns besuchen, kommen fünf zum Plaudern und Kaffeetrinken.“ Kontinuierlich werden etwa 15 Reparaturen pro Samstag ausgeführt.

In ersten Jahr des Bestehens hat sich eine Crew von 14 Personen gebildet, elf davon reparieren. An einem Samstag anwesend sind in der Regel sechs Personen. Alle Helfer sind voll berufstätig und engagieren sich in der Freizeit für dieses Projekt. Um sie besser erkennen zu können, wurde mittlerweile für alle ehrenamtlichen Reparaturhelfer eine einheitliche Kleidung eingeführt.

Es sind unterschiedliche Facetten, die das Repaircafé erfolgreich machen. Während der Öffnungszeiten findet ein Verkauf von fair gehandelten Produkten wie Kaffee, Kakao, Schokolade und Wein an einem Eine-Welt-Stand statt. Zudem bietet die Caritas selbst hergestellte Textilien zum Kauf an. „Hinter dem Repaircafé steckt eine besondere Haltung, und die ist offen für weitere Ideen, die auf Solidarität und Wertschätzung von Mensch und Material setzen“, erklären die Team-Mitglieder unisono. Auch die Stadt Erkelenz sieht die Initiative mit Wertschätzung und hat ihr die Auszeichnung „klimafreundliches Projekt“ verliehen.

Für das neue Jahr haben die Initiatoren bereits Projekte geplant. Holger Rauteberg, Michael Kock von der Jugendkirche und Martin Henkel, der sich um die Technik kümmert, möchten die Idee des Repaircafés in die Schule bringen. Es ist ihnen ein Anliegen, mit jungen Menschen über Werterhaltung zu sprechen und Reparaturkenntnisse weiterzugeben. Parallel soll das Projekt des stärkebasierten 3D-Drucks weiterverfolgt werden. „Wir fangen gerade damit an, aber der Zuspruch ist jetzt schon enorm“, resümiert Rauteberg. „Wir brauchen die Maschine, um kleine Ersatzteile zu produzieren. Wir wissen noch gar nicht, was wir alles damit machen können, aber es ist fantastisch, welche Möglichkeiten sie eröffnet.“

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