Erkelenz: Erinnerung in einem Buch bewahren

Erkelenz : Erinnerung in einem Buch bewahren

Über den Alten Friedhof an der Brückstraße forscht eine Gruppe von Erkelenzern. Ihr Ziel ist es, ein kleines Buch über 40 Grabstätten zu veröffentlichen. Um die Erinnerung an die Verstorbenen zu bewahren, sind sie auf Hilfe angewiesen.

Etwa 200 Grabstätten befinden sich auf dem Alten Erkelenzer Friedhof. Einige sind in einem besseren, andere in einem schlechteren Zustand. Beinahe zwei Jahrhunderte reicht die Geschichte des Friedhofs zurück, auf dem seit 1969 niemand mehr zu Grabe getragen wurde. Seit einigen Jahren kümmert sich ein Arbeitskreis um die Pflege des Geländes, und jetzt arbeitet er an einem Büchlein.

Darin sollen 40 ausgewählte Grabstätten — entweder besonders schöne oder von besonders bekannten Menschen — näher beschrieben werden. Mit der Lebensgeschichte der Menschen, mit Daten und Anekdoten zu ihnen. Das Büchlein, ist es einmal fertig, wird wohl eher einem Buch gleichen.

"Wir haben viel Arbeit vor uns", sagt Herbert Blank, der mit an dem Projekt arbeitet. Dabei liegt schon viel Arbeit hinter der Gruppe, die seit 2007 unter dem Dach des Heimatvereins der Erkelenzer Lande angesiedelt ist. Sie kümmert sich — mit Unterstützung der Stadt Erkelenz — um die Instandhaltung des vier Morgen großen Geländes im Herzen der Stadt. Der Arbeitskreis hat auch schon ein Faltblatt mit Informationen über zwölf besondere Grabstätten herausgegeben. Seine Mitglieder schließen den Friedhof an der Brückstraße abends ab und morgens auf, damit nach Möglichkeit nichts zerstört wird.

Seit vielen Monaten nun beschäftigen sich die Mitglieder des Arbeitskreises mit dem Buchprojekt, das Erinnerungen erhalten soll. Jene Erkelenzer, die den Friedhof und die dort beerdigten Menschen noch aus der Zeit kennen, als er in Betrieb und noch kein Denkmal war, werden mit der Zeit immer weniger. Deren Erinnerungen sind wertvoll und sollen mit in das Buch einfließen.

Besonders zu nennen ist Paula Hilberath, eine inzwischen 93-jährige Alt-Erkelenzerin, deren Familie fest mit den Menschen in der Stadt verwurzelt ist. "Ich habe begonnen, mit ihr Daten zu sammeln", erzählt Ulrich Wendt, der den Arbeitskreis leitet, seitdem 2005 eine Reihe von Erkelenzern erfolgreich versucht hatte, den Alten Friedhof in seiner Gestalt zu erhalten (er sollte zu einem reinen Park umgestaltet werden). Wendt ist mit Paula Hilberath über den Friedhof geschritten, ein Tonbandgerät in der Hand, und sie hat erzählt, was sie zu den dort beerdigten Menschen berichten kann. Das ist viel. Und sie erzählt schnell. Wendt hat sie seither oft besucht: "Ich nehme immer alles auf Tonband auf und tippe es zu Hause ab. So schnell könnte ich gar nicht mitschreiben." Solche Menschen mit Erinnerungen sucht der Arbeitskreis noch mehr. Aber auch Familien, deren Vorfahren an der Brückstraße beerdigt wurden, sollten sich melden. Das würde dem Buchprojekt helfen. "Wir wollen die schönen Geschichten über die Menschen erzählen", sagt Sigrid Buyel. "Wir wollen deren Verbundenheit zu Erkelenz darstellen und menschliche Anekdoten zusammentragen."

Jemand, der die schönen alten Grabsteine und Grabstelen kunsthistorisch einordnen kann, würde dem Vorhaben ebenfalls gut zu Gesicht stehen, sagt Wendt. Noch sind viele Fragen offen — diese sollen einmal in dem Buch für alle Erkelenzer beantwortet werden. Sigrid Buyel erklärt, weshalb sich lohnt, daran mitzuarbeiten: "Erkelenz besitzt etwas wie den Kölner Melaten-Friedhof im Kleinen — dafür muss man sich einfach einsetzen."

Mitmachen: Das nächste Treffen des Arbeitskreises "Alter Friedhof" ist auf Donnerstag, 18. April, ab 19.30 Uhr im Mehrzweckraum des Johanniter-Stiftes Erkelenz terminiert.

(RP/rl)