Erkelenz: Einsatz für die Immerather Mühle

Erkelenz: Einsatz für die Immerather Mühle

Bürgerinitiative "Kreativ gegen Kohle" bat das Rheinische Mühlen-Dokumentationszentrum um Hilfe.

Freudig nutzten zahlreiche Tagestouristen den Deutschen Mühlentag am Pfingstmontag, um sich gut erhaltene Mühlen der Region anzusehen. Etwas anders wurde der Mühlentag im ehemaligen Ortskern von Immerath (alt) begangen: Mit einem Mühlenfest machte sich die Initiative "Kreativ gegen Kohle" dort für die dem Verfall preisgegebene Immerather Mühle stark, die dem nahenden Braunkohlentagebau weichen soll.

Die Windmühle des Typs Durchfahrtholländer, die letzte erhaltene Turmwindmühle dieser Art in der Erkelenzer Börde, ist über 300 Jahre alt und hat einigen widrigen Umständen getrotzt. 1944 zerstörte ein Brandbombentreffer der Alliierten Innenleben, Haube und Flügel. Daraufhin setzte sich der Heimatverein der Erkelenzer Lande mit dem damaligen Vorsitzenden Friedel Krings an der Spitze für den Erhalt der Mühle ein, so dass 1963 erneut ein Richtfest gefeiert werden konnte. Nach ihrem Wiederaufbau stand die Mühle einige Jahrzehnte für Feste und Veranstaltungen zur Verfügung. Heute ist sie, bedingt durch die sie erwartende Zukunft, in bedauernswertem Zustand - für Elmar Aretz, Thomas Milika und weitere Mitglieder von "Kreativ gegen Kohle" ein Unding.

Mit dem Mühlenfest in Immerath (alt) wollten sie Besucher informieren und ihnen nicht nur die Mühle selbst, sondern auch die weiteren Denkmäler der Region ins Bewusstsein rufen, die dem Tagebau weichen mussten - so der Immerather Dom und Haus Paland. Ursprünglich hatten sie geplant, das Fest an der Mühle abzuhalten, dies wurde jedoch aus Sicherheitsgründen nicht genehmigt. In Immerath (alt) hatten sie nun ein Programm aufgefahren, das Musik, Ansprachen und Bastelaktionen für Kinder einschloss wie auch umfassend über die Geschichte der Dörfer und Mühle informierte.

  • Fotos : Oktober 2013: Ansichten des Immerather Doms

"Wir leisten hier Widerstand - allerdings friedlich, bunt und auf Fakten basierend", sagte Milika. Er befürchtet einen Abriss der Mühle, sobald sie vollständig in den Besitz des Tagebaubetreibers RWE Power übergeht. "Kreativ gegen Kohle" hat noch einen letzten Versuch in die Wege geleitet, um die Mühle zu retten: Man bat das Rheinische Mühlen-Dokumentationszentrum um Hilfe. Der stellvertretende Vorsitzende Ralf Kreiner erstellte ein Kurzgutachten, basierend auf einer Objektbesichtigung, Archivrecherche, Literaturauswertung und einer Rekonstruktionsskizze.

Er kommt darin laut "Kreativ gegen Kohle" zu dem Schluss, die Mühle sei auf jeden Fall erhaltungswürdig und könne durch eine Restaurierung die Mahlfähigkeit wiedererlangen. Die Initiative möchte das Gutachten nun der Stadt Erkelenz vorlegen und so im besten Fall den Verlust der Mühle verhindern oder zumindest genug Zeit gewinnen, um sie vollständig dokumentarisch zu erfassen und so für die Nachwelt zu bewahren. "Ich wünsche mir, dass die Stadt Flagge zeigt, um eines der letzten Denkmäler zu beschützen", kommentierte Milika.

(kasc)
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