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Erkelenz: Einsam sterben passiert immer öfter

Erkelenz : Einsam sterben passiert immer öfter

Der demografische Wandel und die Veränderung der Familienstrukturen führen zu einer wachsenden Anzahl von Menschen, die keine Angehörigen mehr haben, die sich um die Beerdigung eines Verstorbenen kümmern.

Wenn es keine Kinder gibt oder Familienmitglieder nicht bekannt oder zu finden sind, muss die Kommune die sogenannte Ordnungsbehördliche Bestattung übernehmen, erklärt Norbert Schiefke vom Fachbereich Ordnung und Soziales der Stadtverwaltung Wassenberg. "Wir sind dann gehalten, uns um eine würdevolle, aber kostengünstige Bestattung zu bemühen."

Schiefke spricht derzeit noch von Einzelfällen. In den vergangenen Jahren habe es jeweils eine solche Bestattung gegeben, in diesem Jahr allerdings schon drei. In Erkelenz sind die Zahlen schon höher. Waren es im Jahr 2007 noch 13 Bestattungen, die von der Stadt zu bezahlen waren, weil keine Angehörigen zu finden waren, so sind es im Vorjahr bereits 25 gewesen und in diesem Jahr bis Ende Oktober 24.

2000 Euro kostet eine Beerdigung

Rund 2000 Euro betragen die Kosten für die Stadt, sofern sie keine Angehörigen mehr ausfindig machen kann, sagen Schiefke und Stefan Heinrichs, der neue, auch für die städtischen Friedhöfe zuständige Amtsleiter in Erkelenz. "Wir gehen davon aus, dass die Zahl in den kommenden Jahren wachsen wird, auch aufgrund der Zunahme von Wohngebieten für Ältere und Senioreneinrichtungen in der Stadt." Früher lebten die Familien in der Nähe, das sei längst nicht mehr die Regel. "Immer mehr Senioren in Altenheimen haben keine Angehörigen mehr, oder es fehlt jeglicher Kontakt", sagt Schiefke. Er schätzt auch, dass künftig verstärkt die (kostengünstigere) Feuerbestattung für die Kommunen in solchen Fällen eine Alternative zur "klassischen" Erdbestattung werden wird. Allerdings sagt Schiefke auch, dass die Stadt auf Bestattungswünsche von mittellosen Verstorbenen ohne Angehörige, sofern sie bekannt wären, Rücksicht nehmen würde.

Die Erdbestattung im Sarg in einem Reihengrab ist in Hückelhoven Standard bei den Begräbnissen, um die sich das Ordnungsamt kümmern muss. Auch hier gelten 30 Jahre Totenruhe, und für ein Jahr steht ein Holzkreuz mit Namen auf dem Grab, danach wird es zur Wiese eingeebnet. "Das ist eine Beisetzung mit einfachsten Mitteln, aber ehrenhaft", unterstreicht Stadtsprecher Holger Loogen. Wird die Konfession des einsam Verstorbenen festgestellt, unterrichtet die Stadt die Gemeinde, und es gibt am Grab eine kurze Rede eines Geistlichen.

Das Hückelhovener Ordnungsamt verzeichnet konstant acht bis zehn Fälle pro Jahr, in denen kein Angehöriger ausfindig zu machen ist. Zuweilen werden Menschen erst einige Zeit nach ihrem Ableben gefunden — ihr Fehlen ist niemandem aufgefallen. "Einmal lag ein Toter etwa ein halbes Jahr in der Wohnung", sagte Loogen. "Das passiert auch auf dem Land."

"In Wegberg gab es in diesem Jahr bisher fünf ordnungsbehördliche Bestattungen. 2011 waren es acht", berichtet Katharina Joerißen vom Friedhofsamt der Stadt. Dass die Zahl der sogenannten ordnungsbehördlichen Bestattungen deutlich gestiegen ist, sei für Wegberg nicht festzustellen. Dennoch gebe es immer wieder Monate, in denen verstärkt ordnungsbehördliche Bestattungen notwendig werden. "Wir haben beispielsweise zum Jahreswechsel 2011/12 auffällig viele Fälle gehabt", berichtet Ordnungsamtsleiter Ulrich Schulz, ohne den Grund dafür zu kennen. Schulz erklärt, dass nur die unmittelbaren Angehörigen — also Eltern und Kinder — sowie die Erben bestattungspflichtig sind: "Es gibt da ganz klare gesetzliche Regelungen."