Erkelenz: Eindringliches Passionskonzert

Erkelenz: Eindringliches Passionskonzert

Zu Stölzels Brockes-Passion dirigierte Kantor Knauer acht Oratoriensänger und die Philharmonie Düsseldorf. Innige und dramatische Momente.

Leiden und Sterben Christi sind die beherrschenden Themen von Stölzes Brockes-Passion - doch nicht im Wortlaut der Bibel. Der Dichter habe das Passionsgeschehen auch gedeutet. Das betonte Pfarrer Werner Rombach zur Begrüßung beim Passionskonzert in St. Lambertus. Der Geistliche empfahl das Konzert als stimmigen Ausklang des Karfreitags. Er bat die Zuhörer, nach der Aufführung nicht mit Applaus, sondern mit der stillen Geste des Erhebens zu danken.

Kantor Stefan Emanuel Knauer hatte mit Gottfried Heinrich Stölzels Brockes-Passion "Der für die Sünden der Welt gemarterte und sterbende Jesus" ein eher wenig bekanntes Werk ausgewählt. Stölzel war zu Lebzeiten zwar sehr produktiver, doch ein großer Teil der Werke ist verschollen. Auf den Tag genau 293 Jahre nach Stölzels eigener Aufführung dirigierte der Christ-König-Kantor in dessen Nachfolge ein Solistenensemble und Soloinstrumente. Dafür hatte Knauer Susan Kuhlen und Christine Léa Meier (Sopran), Angela Froemer und Uta Christina Georg (Alt), Martin Logar und Vladimir Tarasov (Tenor), Manfred Bühl und Stefan Hagendorn (Bass) sowie die Philharmonie Düsseldorf gewonnen. Die Aufführenden kristallisierten gehaltvoll den Ausdruck von Schmerz, Erregung und Trauer heraus. Berührend in der einfühlsam differenzierten Gestaltung gelang der Eingangschor der gläubigen Seelen in nachfolgenden Einsätzen sowie feinen Echowirkungen. Prägnant und dicht legten Sängerinnen und Sänger in kurzen Coro-Einsätzen Momente der höchsten Erregung an zur Darstellung der aufgebrachten Menschenmenge und Henkersknechte. Kontrastierend dazu entfalteten sie zu den Chorälen einfühlsam und ruhig den Melodiefluss vertrauter Kirchenlieder, die von Schmerz und Trauer erzählen. In den verteilten Rollen gelangen die dramatischen Dialoge lebendig und ausdrucksstark, etwa wenn die Magd Petrus erkennt, der aber seine Jüngerschaft zunächst verleugnet und dann an sich selbst verzweifelt. Als Evangelist formte Tarasov die Rezitative in ihrem erzählenden Charakter vorwiegend schlicht, deutete aber auch behutsam die Entwicklung zu dramatischen Momenten an.

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Manfred Bühl interpretierte in Rezitativen und Arien ausdrucksvoll die Jesusfigur in ihrer Qual und Verlassenheit. Doch vertrauend fest im Ausdruck ließ er sie sagen "Es ist vollbracht". Stefan Hagendorn war ein kraftvoll fordernder Kaiphas und herrischer Pilatus. Aufwühlend und hochdramatisch entfaltete er die plastischen Bilder der von Jesu Tod erschütterten Welt. Mit leuchtend schöner Stimme gestaltete Christine Léa Meier hoch sensibel, berührend innig. Anrührend im kostbar eingefangenen Moment charakterisierte Susan Kuhlen das Leid der Mutter in Trauer um den Sohn. Die Philharmonie gestaltete ihren Part im farbigen Spiel - immer wieder feine Dialoge zwischen Instrumenten und Gesangsstimmen. Nach dem Satz "Er verschied" lotete Knauer gekonnt den Moment der Stille aus. Der Choral am Ende strahlte vertrauende Ruhe aus.

(anw)