Digitalisierung Kreis Heinsberg: bei schnellem Internet weit vorne, bei digitalen Jobs noch nicht

Kreis Heinsberg : Strukturwandel durch digitalen Wandel

Der Kreis Heinsberg ist bei der digitalen Infrastruktur unter den ländlichen Regionen in NRW sehr gut aufgestellt. Bei digitalen Jobs aber weniger. Die Wirtschaftsförderung setzt Hoffnung in den Strukturwandel im Rheinischen Revier.

Die digitale Infrastruktur, die schnelles Surfen im Internet erlaubt, ist im Kreis Heinsberg inzwischen sehr gut ausgebaut. Dies bestätigt der NRW-Digitalisierungskompass, den das Forschungsinstitut Prognos für die Rheinische Post erstellt hat. Platz 17 von 53 Landkreisen und kreisfreien Städten.

Ulrich Schirowski, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft für den Kreis Heinsberg, erfreut das ebenso wie Gunter Schaible, Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Aachen. Dennoch ruft Schirowski sowohl Politik als auch Unternehmer dazu auf, dem Gesamtkomplex der Digitalisierung noch mehr Aufmerksamkeit zu widmen, während Schaible mit dem Blick von außen bereits Erreichtes lobt.

Ulrich Schirowski, Geschäftsführer Wirtschaftsförderung Kreis Heinsberg: Strukturwandel im Rheinischen Revier als Chance für die Digitaliesierung ergreifen. Foto: WFG/Karl Brunn

„Es ist ein sehr, sehr gutes Ergebnis, dass der Kreis Heinsberg bei der digitalen Infrastruktur vor allen anderen ländlichen Regionen in Nordrhein-Westfalen liegt“, befindet Schirowski, „wo wir hingegen noch aufholen können, ist die digitale Infrastruktur in einigen Gewerbegebieten. Und worauf wir achten müssen, sind die Ansiedlung von Digitalunternehmen und die Schaffung weiterer Arbeitsplätze in diesem Bereich. Bislang verfügen wir erst über einzelne, sehr gute Unternehmen, aber noch kein breites Angebot.“

Gunter Schaible, Geschäftsführer der IHK Aachen: „Coworking Space“ in Heinsberg für junge digitale Unternehmen eine „erstklassige Einrichtung“. Foto: HEIKE LACHMANN/IHK Aachen

Chancen für den Kreis Heinsberg sieht Ulrich Schirowski im anstehenden Strukturwandel, der die Zeit nach dem Braunkohlenabbau im Rheinischen Revier vorbereiten soll. Chancen erkennt Gunter Schaible darin, „wie mutig die Region bereits digital unterwegs ist“. Es gebe schon zahlreiche innovative Unternehmen mit digitalen Konzepten und Kunden rund um den Globus, und darüber hinaus sei mit der „Werkbank“ in Heinsberg „ein in dieser Form im ländlichen Raum seltener ,Coworking space’ geschaffen worden. Eine erstklassige Einrichtung, um digitale Prozesse anzustoßen und um jungen Menschen in der Region Chancen zu eröffnen.“

Noch aber liegt der Kreis Heinsberg bei der Anzahl digitaler Unternehmen und digitaler Arbeitsplätze in Nordrhein-Westfalen auf hinteren Rängen. Platz 36 beziehungsweise 40. Dass sich die Region in diesen Feldern verbessern muss, steht für Ulrich Schirowski außer Frage. Warum aber hat die mittlerweile sehr gute Infrastruktur diese Werte nicht längst angehoben? Zunächst einmal antwortet der Geschäftsführer der Kreiswirtschaftsförderung selbstkritisch: „In unserer Kampagne ,Spitze im Westen’ werden wir unsere digitale Infrastruktur künftig stärker in den Fokus rücken müssen, um mehr Unternehmer aus diesem Sektor zu holen. Derzeit befindet sich die Kampagne bereits in der Überarbeitung.“ Einen zweiten Grund für die hinteren Plätze sieht er darin, dass es in einigen Gewerbegebieten weiterhin Nachholbedarf gibt, was schnelles Internet betrifft: „Vor einigen Jahren, als die Deutsche Glasfaser in den Kreis Heinsberg kam und nach den Privathaushalten das Interesse in den Gewerbegebieten abgefragt hat, scheuten manche Unternehmen die Kosten. Das habe ich damals in vielen Gesprächen gehört. Andere wiederum hatten bereits viel Geld in Standleitungen der Telekom investiert. Momentan aber höre ich, dass bei vielen Unternehmern, die damals ablehnten, jetzt die Erkenntnis reift, dieses Thema noch einmal zu überdenken“, erwartet Schirowski demnächst eine strukturelle Verbesserung für den digitalen Arbeitsmarkt.

Weitere Verbesserungen verspricht Ulrich Schirowski sich in einer verstärkten Zusammenarbeit mit Hochschule und Forschung in Aachen sowie vom Strukturwandel im Rheinischen Revier. Wenngleich er in seinen Erwartungen Unterschiede macht. „Es ist wichtig, in Aachen mit am Tisch zu sitzen. Die Region ist insgesamt aber zu weitläufig, als dass große Synergien von Aachen bis in den Kreis Heinsberg reichen werden“, schätzt Schirowski. Dafür aber erwartet er wichtige Impulse, die aus dem beginnenden Strukturwandel hervorgehen können: „Darüber werden wir die Technologieförderung vorantreiben. Und hier wird sich der Kreis Heinsberg mit Projekten positionieren können, die vom Tagebaurand in das Kreisgebiet hinein strahlen.“ In einigen Jahren werde der Kreis Heinsberg im NRW-Digitalisierungskompass dann nicht mehr auf dem Gesamtplatz 31 von 53 liegen – und Anlass zur Sorge gebe dieser Platz auch nicht, denn, so Schirowski: „Arbeitsmarkt, Industrie und Handwerk im Kreis Heinsberg entwickeln sich sehr positiv. Wir sind zurzeit so etwas wie die Werkbank der Region und können damit gut leben.“