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Erkelenz: Die Probleme mit der Niedrigzinspolitik

Erkelenz : Die Probleme mit der Niedrigzinspolitik

Die vier Genossenschaftsbanken im Kreis Heinsberg nutzten ihre Jahresbilanz, um die Gefahren der anhaltend niedrigen Zinsen für ihre Institute, aber auch für Menschen im Ruhestand und die Stadthaushalte aufzuzeigen.

Den Genossenschaftsbanken im Kreis Heinsberg geht es gut - wären da nicht die anhaltende Niedrigzinsphase, die stetig wachsende Regulatorik, der demografische Wandel und der allgemein festzustellende gesellschaftliche Wandel hin zu mehr Handel über das Internet, ging es den Raiffeisen- und Volksbanken im Kreisgebiet besser. Gestern zogen sie den Bilanzstrich unter das Geschäftsjahr 2016.

Die Genossenschaftsbanken verdeutlichen, wie sich das Sparverhalten und die Bankenlandschaft in Deutschland im Umbruch befinden. Nicht erst heute, sondern sowohl früher wie heute und morgen. Als Dr. Veit Luxem, der Vorstandsvorsitzende der Volksbank Erkelenz und Sprecher der Genossenschaftsbanken im Kreisgebiet, seinen Beruf erlernte, hatte es zwölf Volks- und Raiffeisenbanken im Kreis Heinsberg gegeben. Derzeit sind es noch vier. Für die Zukunft prüft die Erkelenzer Volksbank wie berichtet eine Fusion mit der Volksbank aus Mönchengladbach. Dass "auf Dauer nur größere Banken und Häuser mit sehr hohem Kooperationswillen erfolgreich sein können", sagte Luxem gestern. Und er verschwieg nicht, dass den Banken auch dann noch - trotz grundsätzlich gut laufender Geschäfte - weitere Veränderungen bevorstehen: "Jedes regionale Institut muss Strategien entwickeln, wie es seine Kosten senkt und seine Einnahmen erhöht. In unseren vier Banken ist der Personalbestand beispielsweise von 2015 zu 2016 um zwölf Mitarbeiter gesunken, wobei wir das allein über normale Fluktuation regeln." Auch auf die Filialstruktur werde sich die Lage im Bankensektor auswirken, jedoch betonte Luxem: "Zurzeit sind bei uns keine Schließungen vorgesehen." Verändern werde sich auch die Arbeit in den Banken: "Immer mehr Bankgeschäfte werden über das Internet erledigt, weshalb die nachgefragten Serviceleistungen rund um das Konto vor Ort zurückgehen, jedoch der Beratungsbedarf wächst. Deshalb bauen wir mehr Beraterteams auf." Denkbar seien in Zukunft beispielsweise auch Beratungen via Videotelefonie.

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Nicht nur der deutsche Bankensektor wird Luxem zufolge von der Niedrigzinspolitik gefährdet. Großanleger müssten sich bald mit Negativzinsen auseinandersetzen. Die Genossenschaftsbanken im Kreisgebiet zahlten schon minus 0,4 Prozent. Besonders brisant ist Luxem zufolge allerdings der durch die Null-Zins-Politik ausbleibende Zinseszinseffekt: "Das wird uns bei der Altersvorsorge wie ein Bummerrang einholen." Im Ruhestand wird seiner Auffassung nach dadurch vielen Deutschen nicht mehr genügend Kapital zur Verfügung stehen - trotz vorhandener Vorsorgeverträge. "Die Altersarmut wird zunehmen, wodurch wiederum die Kommunalhaushalte durch mehr Sozialleistungen stärker belastet werden."

Beruhigend für die Volks- und Raiffeisenbanken im Kreis Heinsberg in von Veränderung geprägten Zeiten ist, dass die Kunden sie "als Fels in der Brandung ansehen". Die Zahlen belegen das. Nicht nur, weil die Anzahl der Genossen auf fast 37.000 gestiegen ist, die Kundenzahl bei knapp 150.000 liegt und Kunden ihnen noch nie mehr Spargelder anvertraut hatten als 2016. Luxem erläuterte: "Das betreute Kundenvolum ist für uns eine wichtige Kennzahl. Nachdem wir 2015 die Fünf-Milliarden-Grenze überschritten hatten, hat es 2016 einen weiteren Zuwachs um 3,4 Prozent auf 5,2 Milliarden Euro gegeben." Die gemeinsame Bilanzsumme der vier Institute sei um 4,2 Prozent auf 2,47 Milliarden Euro gestiegen. Auch bei den Krediten an Privat- und Firmenkunden sei ein Plus von 4,1 Prozent zu verzeichnen: "Die nun erreichten 1,59 Milliarden Euro im Kreditgeschäft sind nicht nur das höchste Investitionsvolumen, das jemals von Volks- und Raiffeisenbanken in die Region gegeben wurde, auch die vermittelten Kredite legten zu, und zwar um 6,9 Prozent auf 248 Millionen Euro. Der Zuwachs ist deshalb besonders bemerkenswert, weil die erfolgreiche Wirtschaft vor Ort aktuell intensiv tilgt." Bei der Finanzierung neuer Projekte seien die Genossenschaftsbanken entsprechend stark engagiert. Unter dem Strich "sind wir mit 2016 zufrieden", bilanzierten gestern Luxem und seine Vorstandskollegen Bruno Kasper und Klaus Kroll, auch wenn die Erträge rückläufig seien. "Der Bilanzgewinn ist von 6,8 auf 6,6 Millionen Euro zurückgegangen. Weil wir aber unsere Kosten im Griff haben und uns durch Kooperationen untereinander unterstützen, konnte das Betriebsergebnis nach Bewertung von 16,7 auf 17,3 Millionen Euro steigen", erläuterte Luxem. Aus dem Jahresüberschuss werde, vorbehaltlich der Zustimmung durch die Anteilseigner, eine Dividende von 1,3 Millionen Euro gezahlt.

(spe)