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Interview mit Charis Tarnowitz: Die Menschen verkriechen sich in ihren Häusern

Interview mit Charis Tarnowitz : Die Menschen verkriechen sich in ihren Häusern

Die 18-jährige Charis Tarnowitz aus Erkelenz verbringt ein Jahr als Au Pair nahe New York. Sie schildert die Probleme mit der Kälte.

Sie leben seit sechs Monaten in New York — wie warm war es, als Sie ankamen, wie kalt ist es jetzt?

Tarnowitz Zur Zeit meiner Ankunft (Ende Juli) handelte es sich hier in New York um sommerliche Temperaturen. Täglich zwischen 30 und 40 Grad Celsius, manchmal war diese Hitze kaum auszuhalten. Mittlerweile hat sich dies schlagartig verändert, da die Temperaturen bis unter den Nullpunkt gesunken sind und zwischen -8 und -16 Grad pendeln.

Gehen Sie derzeit noch vor die Tür?

Tarnowitz Aufgrund der Temperaturen vermeide ich es momentan grundsätzlich, mich nach draußen zu begeben. Es ist so kalt, dass selbst der Weg zum Briefkasten nur mit einer dicken Daunenjacke bewältigt werden kann.

Wie lebt es sich bei einer solchen Kälte, man hörte von riesigen Temperaturstürzen?

Tarnowitz Die aktuellen Temperaturen sind kaum auszuhalten. Es ist eisig kalt, man verlässt nur noch dick eingepackt das Haus und versucht dabei dennoch zu vermeiden, sich draußen für einen langen Zeitraum aufzuhalten. Zu Beginn waren alle Straßen, die normalerweise von Autos überfüllt sind, leer. Die Menschen haben die Supermärkte leer geräumt und sich in ihren Häusern verkrochen.

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Kommen alle Menschen mit der Kälte klar, hierzulande liest und hört man viel über die Probleme von Obdachlosen?

Tarnowitz Für die Obdachlosen stellt der diesjährige Winter definitiv ein Problem dar. Wenn sich die Menschen mit den dicksten Winterjacken nicht mehr aus dem Haus trauen, wie halten das dann die Obdachlosen draußen aus? Es ist schrecklich. Soweit ich weiß, sind alle Notunterkünfte überfüllt. Jeder einzelne von ihnen versucht verzweifelt, der Kälte zu entfliehen.

Sie haben in Erkelenz Ihr Abitur gemacht. An welcher Schule waren Sie, was war Ihr Antrieb, danach ein Jahr nach New York zu gehen?

Tarnowitz Ich habe mein Abitur 2013 am Cusanus-Gymnasium erhalten. Ich wollte vor meinem Studium ganz einfach noch mal ein richtiges Abenteuer erleben, und da ich diese Zeit nach dem Abitur jetzt als letzte Chance wahrgenommen habe, für ein Jahr ins Ausland zu gehen, habe ich mich schlussendlich dazu entschieden, in die USA einzureisen. Amerika hat mich mit seinen Großstädten und anderen Angeboten grundsätzlich immer sehr gereizt. Das wollte ich immer — ein Großstadtleben. Zusätzlich sehe ich dieses Auslandsjahr als Chance, reifer zu werden und eine neue Kultur kennenzulernen.

Was machen Sie dort?

Tarnowitz Ich arbeite hier als Au Pair, was bedeutet, dass ich mit einer amerikanischen Gastfamilie zusammenlebe und berufstätigen Eltern im Alltag unter die Arme greife, indem ich mich um die Kinder kümmere. Ich wecke die Kinder, mache das Frühstück, räume die Kinderzimmer auf, helfe bei den Hausaufgaben.

Wie erleben Sie den Unterschied zwischen dem Leben im beschaulichen Erkelenz und der Metropole New York?

Tarnowitz Zwischen meiner Heimatstadt Erkelenz und der Stadt, die niemals schläft, liegen meiner Meinung nach Welten. Unterschiedlicher geht es kaum. Erkelenz ist einfach, ruhig, teilweise langweilig, aber dennoch so heimisch und liebevoll, während New York groß, verrückt, international und überfüllt ist. Beide Seiten ergänzen sich super gut. Erkelenz fehlt das Spannende und Aufregende, was ein klares Merkmal von New York ist, aber gleichzeitig fehlt einem in New York die Möglichkeit, einfach mal die Ruhe zu genießen und dem Chaos zu entfliehen.

Was haben sie schon in Amerika besonderes erlebt, an das Sie sich bestimmt Ihr Leben lang erinnern werden?

Tarnowitz Highlight ist und bleibt die Tatsache, dass ich ein Jahr in New York lebe. Dort passiert immer wieder etwas Aufregendes, wobei ich insbesondere die Weihnachtszeit immer im Gedächtnis haben werde, da ich zum Beispiel im Central Park Schlittschuhlaufen war und dies als sehr besonders empfunden habe. Ein weiteres großartiges Erlebnis war, als ich nach Kanada gefahren bin und die Niagara Fälle besichtigt habe — sehr beeindruckend.

Wo können die Erkelenzer im Internet verfolgen, wie Ihr Leben in New York weitergeht?

Tarnowitz Ich führe einen Blog im Internet, der ausschließlich von meinem Jahr in New York handelt. Dort erfahren meine Leser alles über meinen ganz normalen Alltag und meine persönlichen Eindrücke von der wohl aufregendsten Stadt aller Zeiten: http://discoveringusa365.wordpress.com/

ANDREAS SPEEN STELLTE DIE FRAGEN.

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(RP)