Erkelenz: "Die Inklusion behutsam vorbereiten"

Erkelenz : "Die Inklusion behutsam vorbereiten"

Details zur möglichen Fusion von Haupt- und Pestalozzischule im Schulausschuss vorgestellt.

Politisch positiv ist das Konzept aufgenommen worden, die Pestalozzischule und Hauptschule zu einer Schule zusammenzulegen, um so das breitest mögliche Förderangebot in Erkelenz zu erhalten. Der Schulausschuss beschäftigte sich erstmals mit der Idee, die von den Schulleitern und der Stadtverwaltung erarbeitet worden ist. Sie wurden von den Politikern gebeten, das Konzept weiter auszuarbeiten.

Hintergrund sind zwei neue Landesgesetze zur Inklusion von Kindern und Jugendlichen mit Behinderung, die künftig an allen Schulen unterrichtet werden wollen, wenn die Familien das wünschen. Diese Möglichkeit und grundsätzlich sinkende Schülerzahlen werden dazu führen, dass die Erkelenzer Förderschule nicht mehr über ausreichend Schüler verfügt, was deren Bestand gefährdet. Der Zusammenschluss von Haupt- und Förderschule soll dem entgegenwirken, indem eine Schwerpunktschule gebildet wird, in der sowohl die bisherigen Inhalte der Hauptschule als auch die der Pestalozzischule erhalten werden. Gefördert werden sollen zunächst das Lernen, die emotionale und soziale Entwicklung und Sprache, wobei eine späteres Ausweiten auf andere Förderbedarfe wie Hören und Sehen möglich ist.

Warum in Erkelenz schon an einem Konzept gearbeitet wird, obwohl die Landesgesetze noch nicht verabschiedet sind, erläuterten der Erste Beigeordnete und die Leiterin der Förderschule. "Die Gesetze zur Inklusion werden kommen, auch wenn derzeit noch täglich daran gearbeitet wird. Wir möchten die Zeit nutzen und dieses Thema sorgsam und behutsam vorbereiten", sagte Dr. Hans-Heiner Gotzen. Und Marianne Schardt ergänzte: "Die frühzeitige Vorbereitung ermöglicht einen nahtlosen Übergang der Schüler", was möglicherweise nicht gegeben sei, wenn abgewartet werde, bis die Landesregierung ihre Gesetze verabschiedet habe.

Der Konzeptvorschlag, den Gotzen, Schardt und Erich Konietzka als Leiter der Hauptschule den Politikern vorstellten, umfasst mehrere Ebenen: Zum einen würde die Fusion kein gänzlich neues Konstrukt schaffen, da beide Schulen seit 2002 "im informellen Rahmen schon eng kooperieren", wie Schardt erläuterte. Drei ihrer Kollegen würden heute schon Hauptschüler mit zusätzlichem Förderbedarf betreuen. "Diese fachliche Unterstützung könnte künftig ausgebaut werden", schilderte Konietzka die Hoffnung seines Kollegiums. Beschränken soll sich diese Unterstützung aber nicht nur auf die Schüler der geplanten Schwerpunktschule. "Sie soll sich auf alle Schüler in Erkelenz erstrecken, egal ob von Grundschule oder weiterführender Schule", erklärte Schardt. "Wenn wir eine Schwerpunktschule bilden, heißt das nicht, dass die Inklusion an den anderen Schulen kein Thema mehr ist", hob Gotzen hervor.

Eine zweite Ebene des Konzepts ist: Das Gebäude der Pestalozzischule bleibt erhalten. Die Schülerbücherei könnte in eine Lernwerkstatt umgestaltet werden. Oder der 3000 Quadratmeter große Schulgarten könnte von allen Erkelenzer Schulen "für Schüler genutzt werden, die eine temporäre Auszeit vom Unterricht benötigen", sagte Schardt. Grundsätzlich sollen die Förderangebote am Schulring angesiedelt bleiben. Für das Hauptschulgebäude ist vorgesehen, dass dort ein Aufzug eingebaut wird. Drittens soll die Schwerpunktschule vom heutigen Personal getragen werden. Und viertes arbeiten der Kreis Heinsberg und alle Kommunen derzeit an einer Lösung, wie Förderschüler künftig unterrichtet werden. Ziel ist es, einen kreisweiten Weg zu finden, in den sich das Erkelenzer Modell einpassen, für das es Vorbild sein oder für den es auch noch verworfen werden könnte.

(RP)
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